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G+J: Kritik an Freien-Verträgen „unberechtigt“

Die Kritik am neuen Rahmenvertrag für freie Autoren sei "unberechtigt", heißt es auf MEEDIA-Nachfrage bei Gruner+Jahr. Am Donnerstag berichtete die taz über ein Schreiben sieben renommierter Geo-Autoren an die Chefredaktion des Magazins. Die Autoren, darunter Petra Reski und Wolfgang Michal (Carta) monieren "mehrere Klauseln, die es uns unmöglich machen, den Vertrag zu unterschreiben". Gegen die Modalitäten des Vertrags protestieren der Verband Freischreiber und der DJV.

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"Wir finden es bedauerlich, dass ein Schreiben an die Chefredaktion – ohne Möglichkeit einer Reaktion – vorab an die taz gespielt wird", lautet die Reaktion bei G+J auf den Brief der Autoren, den die taz publik machte. "Den gewünschten Dialog fördert ein solches Vorgehen nicht gerade."
Welche Klauseln beanstanden die Autoren und die Verbände? Vor allem geht es um eine 12-monatige Exklusivität, die G+J beansprucht. Dies bedeutet, dass innerhalb eines Jahres keine Zweitverwertung bei Publikationen anderer Verlage möglich ist. Der Verband Freischreiber hatte auf eine Exklusivität von drei bis sechs Monaten gedrungen.
Weiterhin geht es um die Weiterverwertung inner- und außerhalb von G+J-Markenfamilien. Insgesamt 13 Markenfamilien hat der Verlag gebildet, vom Stern (11 Untermarken) über Geo (12), P.M. (9), Food (5 plus die Essen-Rubriken in Zeitschriften) bis zu Wirtschaft (2) und Dogs (1). Hier sind die Vergütungsregeln so gestrickt, dass im Grundhonorar in der Regel die Verwertung innerhalb der Markenfamilie, z.B. in weiteren Titeln der Gruppe, auf den Websites oder für E-Books, enthalten ist. In der Geo-Familie werden dagegen zusätzlich 10 Prozent des Honorars für die Zweitverwertung gezahlt. Ein "Almosen", befindet die taz, die aus dem Schreiben der unzufriedenen Geo-Autoren zitiert.
Bei der Nutzung eines Beitrags in einer anderen Markenfamilie haben es Geo-Autoren offenbar immerhin besser als freie Kollegen, die für andere Titel von G+J schreiben. Übernähme etwa der Stern oder Capital einen Geo-Text, wären laut G+J 100 Prozent des Honorars zusätzlich fällig. Verträge von Mitarbeitern anderer Titel sehen bei der Verwendung zwischen Markenfamilien ein Zusatzhonorar von 40 Prozent vor. Wird ein Beitrag beispielsweise von einem Titel der G+J-Tochter Motor-Presse-Stuttgart oder von einem ausländischen G+J-Titel verwendet, dann sind 100 Prozent des "üblichen Honorarsatzes" fällig. Da anzunehmen ist, dass zwischen den Markenfamilien eher wenig Texte hin- und herfließen, konzentriert sich die Kritik auf die Regelung dieser Honorarsätze.
DJV, dju und Verdi haben auf ihrer Webseite "Faire Zeitungshonorare" freie Mitarbeiter von G+J dazu aufgerufen, Widerspruch gegen den Rahmenvertrag einzulegen. Kritik wird etwa daran geübt, dass keine individuelle Änderung einzelner Punkte des Rahmenvertrages möglich sei. Die Vergütungsregelungen seien "vollkommen unangemessen". Der Freischreiber-Verband beklagte bereits im Juni die "Enteignung" freier Journalisten.  

Bei Gruner heißt es, der Verlag strebe einen "fair share" an, d.h. eine "angemessene finanzielle Beteiligung". Fair sei beispielsweise, dass die Erstvergütung nur innerhalb einer Markenfamilie gelte. Theoretisch hätte diese auch alle Markenfamilien abdecken können. Die Rahmenverträge enthielten "branchenübliche Regelungen" und seien den Verbänden auch vorgestellt worden. "Wir denken, dass wir keinen Vergleich mit anderen Zeitschriften scheuen müssen, wenn es um die faire Bezahlung und Behandlung freier Autoren geht", kommentiert man am Baumwall die neuen Regelungen.

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