Die Facebook-Rasterfahndung für jedermann

Privacy-GAU oder praktisches Recherchetool? Facebook hat am Montag Social Graph Search für US-Nutzer freigeschaltet. Über das neue Feature können sich Nutzer quer durch den Social Graph suchen. Also jene Daten, die Nutzer, Seiten, Orten, Aktivitäten und Vorlieben auf Facebook miteinander verbinden. Wie können Sie das Tool nutzen? Welche Vorteile bringt es mit sich? Und wie können Sie die Privatsphäre schützen? MEEDIA zeigt, wie die neue Facebook-Rasterfahndung für alle funktioniert.

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Was ist die neue Social Graph Search?
Facebook will künftig eine stärkere Verknüpfung schaffen zwischen den enormen Datenmengen, die eine Milliarde Nutzer produzieren. Rund eine Billion Verbindungen gibt es derzeit auf Facebook: zwischen Personen, Seiten, Bildern und Aktivitäten. Was fehlte war bislang eine Suchfunktion, die das gezielte Filtern von Informationen ermöglicht, um sein Netzwerk mit Gleichgesinnten, die über ähnlichen Interessen verfügen oder dieselben Orte besucht haben, zu erweitern.
Aus diesem Grund macht das Social Network seine Suche sozial und nennt sie "Suche im Social Graph". Der Social Graph ist der Kern von Facebook, der sämtliche Verbindungen von Personen zu Dingen und Aktivitäten bündelt. Im Janur stellte Gründer Mark Zuckerberg die Suche vor. Bald sollen alle Nutzer im gesamten Netzwerk nach Interessen, Orten, Personen oder Bildern suchen können. Facebook wird dadurch transparenter und bietet neue Möglichkeit der Vernetzung aufgrund identischer Interessen. 
Wo finde ich diese Suche?
Falls Sie bereits für den Service freigeschaltet sind, taucht künftig auf jeder Facebook-Seite eine neue, überarbeitete Navigationsleiste auf. Diese enthält die neue Suche. Bislang funktioniert die Graph Search allerdings nur mit Benutzerkonten in englischer Sprache.

Deswegen müssen Sie die Sprache in der rechten Spalte auf der Facebook-Startseite von “Deutsch” auf “English (US)” umstellen. Unter https://www.facebook.com/about/graphsearch können Sie sich für den Dienst registrieren. Es dürfte nicht mehr allzu lange dauern, bis Facebook das Feature weltweit zugänglich macht.
Wie funktioniert die Suche?
Stellen Sie sich die Graph Search als ein mächtiges Filterwerkzeug vor. Sie können nicht nur ihren Freundeskreis etwa nach SPD-Anhängern, die Clubs in London besucht haben und in Hamburg wohnen, filtern. Das Tool ermöglicht es, den kompletten Social Graph zu durchsuchen. Bislang müssen Sie die Suchbegriffe allerdings in englischer Sprache eingeben.  Für Wohnorte verwenden Sie “live”, für besuchte Orte “visited”, für Filme und Serien “watch”, für gelikte Seiten “like” etc.. Beispielsweise “People who like Die Republikaner and Britney Spears” oder “People who visited New York, New York and like EatSmarter! and visited Berlin, Germany and live in Hamburg, Germany”. Genauso gut können Sie im Bekannten- und Verwandtenkreis suchen, etwa "Cities my family visited" oder "Friends who work at my company and like to ski". Die Suchbefehle lassen sich endlos kombinieren.

Kann man sich schützen?
Sie können dafür sorgen, dass Sie nicht im Social Graph für andere auffindbar sein – und damit auch nicht in den Suchergebnissen auftauchen. In den Privatsphäre-Einstellungen können Sie festlegen, wer ihre Beiträge und gelikten Seiten sowie Aktivitäten sehen kann. Haben Sie “Öffentlich” ausgewählt, können andere auch danach suchen. Haben nur Ihre Freunde Zugriff auf diese Informationen, bekommen auch nur befreundete Kontakte Ihre Angaben in den Suchergebnissen geliefert. Auf einer Extra-Seite gibt Facebook darüber hinaus Privacy-Tipps im Rahmen der Graph-Search.
Was bedeutet das für Journalisten?
Neue Quellen. Mit der neuen Suche liefert Facebook direkten Zugriff auf rund eine Milliarde potenzieller Insider, wie Facebook selbst zum neuen Such-Feature erklärte. Für welches Thema auch immer: Suchen Sie beispielsweise nach Mitarbeitern eines Unternehmens mit einem bestimmten Verantwortungsbereich für ihre Recherche? Oder suchen Sie für eine Reportage Studenten, die aus dem Oberallgäu in den Berliner Großstadtdschungel gezogen sind? Viele Suchmodi sind möglich. Denn die neue Suche funktioniert für Orte, Personen sowie Interessen.

Und noch besser: Die Social Graph Search lässt Sie künftig auch nach Bildern suchen. Suchen Sie etwa nach “Fotos, die am Brandenburger Tor aufgenommen wurden”, listet Facebook künftig Aufnahmen, die Facebook-Nutzer mit diesem Ort verknüpft haben. Ein Feature, das vor allem dann interessant werden kann, wenn es um Live-Berichterstattung von Großevents geht. Seitenbetreiber könnten die Urheber direkt auf Facebook anschreiben, um die Nutzungsrechte zu klären und so die eigene Berichtstattung schneller und authentischer zu machen.
Darüber hinaus funktioniert der Social Graph auch als Trend-Detektor. Schließlich ist Facebook als Social Network auch ein Aufmerksamkeitskatalysator für Personen, Produkte und Debatten. Aber wie finde ich nun heraus, was in Kürze “in” sein könnte? Was die Diskussion über Themen in den kommenden Wochen bestimmen könnte? Die ganze Arbeit nimmt Ihnen Facebook künftig nicht ab, allerdings vereinfacht sie vieles. Denn die Social Graph Search lässt Sie nicht nur nach Interessen oder Personen suchen, sondern diese Informationen auch verknüpfen. Was bedeutet das für die journalistische Praxis? Sie können beispielsweise nach Blogs oder Artikeln suchen, die CEOs einer bestimmten Branche gelesen haben. Oder Sie lassen sich eine Liste von Orten wiedergeben, an denen Prominente zuletzt eingecheckt haben.
Über die Auflistung der Suchergebnisse ist es möglich, den gefundenen Personen zu folgen bzw. sie im Facebook-Jargon zu “abonnieren”. So vergrößert sich mit jeder Suche auch der erweiterte Freundeskreis.

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