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Die Traffic-Geheimnisse von stern.de & Co.

stern.de gehört neben Focus Online, der Welt und RP Online zu den SEO-Königen unter den großen Nachrichten-Websites. Fast 50% des Traffics generiert man über Google & Co. Im Abschluss unserer Serie mit Traffic-Geheimnissen der Nachrichtenseiten widmen wir uns neben stern.de auch noch drei anderen dieser Suchmaschinenoptimierungs-Profis: der Berliner Morgenpost, dem Merkur und der Augsburger Allgeminen - mit welchen Inhalten punktet das Quartett?

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Für unsere Analyse haben wir wie schon im erstenzweitendrittenvierten und fünften Teil der Serie die Daten von IVW und AGOF, vor allem aber auch die des Anbieters SimilarWeb herangezogen, da SimilarWeb eine hohe Detailtiefe bietet – und noch dazu eine gute Datenqualität. So lassen sich in der – kostenpflichtigen – Pro-Version des Tools z.B. auch die populärsten Artikel bzw. Seiten eines Angebots anschauen. Selbst bei einer vergleichsweise kleinen Website wie MEEDIA stimmen die Daten über die erfolgreichsten Artikel ziemlich genau mit der gemessenen Realität überein, sodass wir die Hochrechnungen von SimilarWeb erwähnen, ohne natürlich Gewähr für die tatsächliche Korrektheit bis ins kleinste Detail zu übernehmen.

stern.de:

stern.de gehört seit jeher zu den zehn großen Nachrichten-Websites des Landes. Laut IVW erreichte stern.de im Juni 24,6 Mio. Visits. Die AGOF errechnete für den dort aktuellsten Monat April 5,64 Mio. Unique User. Dennoch befindet sich die Website immer wieder auf der Suche nach ihrem Platz in der stern-Markenwelt – neben Print-Magazin und TV-Sendung. Eine der Strategien war dabei in den vergangenen Jahren die Suchmaschinenoptimierung. Laut SimilarWeb kamen in den vergangenen drei Monaten mehr als 46% der Nutzer per Google & Co. auf stern.de – der Anteil ist damit höher als der direkte Traffic per Bookmark oder Eingabe in die Browserzeile. In der Top Ten der News-Sites ist der Suchmaschinen-Anteil nur bei Focus Online noch höher.

Die Inhalte, mit denen stern.de seine Nutzer lockt, sehen sehr heterogen aus. So ist laut AGOF das Kultur-Ressort mit 1,42 Mio. Unique Usern der größte Erfolg, dahinter folgen der Foto-Ableger View (1,30 Mio.), sowie fast gleichauf die härteren Ressorts Politik (920.000) und Wirtschaft (880.000). Die Kultur-Inhalte, mit denen der große Traffic erzielt wird, sind dabei offenbar vor allem TV-Themen. So fanden sich unter den Top-Suchbegriffen, die auf stern.de geführt haben, laut SimilarWeb in den vergangenen Monaten u.a. "eurovision song contest 2013", "dsds", "schlag den raab" und "let’s dance".

Wie viele Aspekte die stern.de-Website hat – und wie schwer es daher auch ist, die Rolle neben Print und TV zu finden, zeigt sich bei den laut SimilarWeb derzeit populärsten Einzelseiten. So ist die "stern TV"-Begleitseite beispielsweise erfolgreicher als die Ressort-Seiten des eigentlichen stern.de-Angebots. Dass stern.de ohnehin besonders erfolgreich mit visuellen Inhalten ist, zeigt sich bei den Zahlen der "Bilder des Tages". Mit dieser einzelnen Galerie erreicht stern.de laut AGOF 340.000 Unique User – ein erstaunliches Ergebnis. Ebenfalls populär sind laut SimilarWeb die Cartoons von Haderer und Tetsche.

Auch bei den erfolgreichsten Einzelartikeln findet sich an der Spitze der vergangenen Monate ein sehr heterogenes Sammelsurium. Eine "stern TV"-Lotto-Aktion zum Beispiel, ein Orakel, das – ebenfalls in "stern TV" den Ausgang des Champions-League-Finals vorhersagen sollte, ein Artikel zum Print-stern-Aufmacher über Bushido, der inzwischen nicht mehr online ist, 
eine Galerie mit erotische Fotos aus der View-Community, und als erster Artikel, der nichts mit einem Print- oder TV-Ableger zu tun hat, ein Bericht über "Schlag den Raab".

Berliner Morgenpost:

Eine mit 55% noch deutlich höheren Suchmaschinen-Anteil erreicht die Berliner Morgenpost. Sie gehört damit wie die Geschwister Welt und Hamburger Abendblatt ebenfalls zu den großen SEO-Königen. Der direkte Traffic liegt nur bei 32%, eine treue Leserschaft sieht etwas anders aus. Im Juni erreichte die Morgenpost laut IVW 4,7 Mio. Visits, im April kam sie laut AGOF auf 1,38 Mio. Unique User. Auch dieses geringe Verhältnis von Visits pro User deutet auf die Google-Stärke hin. Was bei IVW und AGOF noch hinzu kommt: Nur 80% des dort ausgewiesenen Traffics stammt von morgenpost.de, der Rest u.a. aus Bereichen von immonet.de und Websites wie immerhertha.de.

Traffic bekommt die Morgenpost auch von ihren Geschwistern. So gehören zu den vier Top-Referrern welt.de, abendblatt.de und bild.de, zudem noch fc-union-berlin.de. Das Thema Fußball spielt auch bei den Top-Suchbegriffen eine Rolle: "relegation 2013" findet man dort, außerdem "hertha bsc", "champions league finale 2013", aber auch "justin bieber" und "Hells angels". Passend dazu erreicht die Morgenpost die meisten Nutzer auch mit dem Ressort "Aus aller Welt" – 550.000. Die Inhalte aus Berlin reichen nur für 250.000.

Nicht aus den AGOF-Daten herauszulesen, stattdessen aber bei SimilarWeb klar zu erkennen ist, dass die Morgenpost auch mit traditionellen Zeitungs-Kompetenzen punktet: Die Jobsuche-Rubrik sorgt für viel Traffic, ebenso die Kleinanzeigen. Starke Zahlen erreichen zudem der Polizeibericht und ein Mahjong-Spiel.

Doch zurück zu den journalistischen Inhalten. Bei den Top-Artikeln der vergangenen Monate wird sehr deutlich, welche Rolle die Suchmaschinenoptimierung und das Wissen, mit welchen Inhalten man wann bei Google punkten kann, spielt. So sind die drei Traffic-stärksten Texte laut SimilarWeb "Champions League Finale 2013 – Alle Infos zur TV-Übertragung", "Champions-League-Finale 2013 – Termin & Anpfiff-Zeit" und "Bundesliga-Relegationsspiele 2013 – Termin, Regeln & TV-Übertragung". Bei den regionalen Artikeln punktet die Morgenpost vor allem mit Service und Crime. Freizeit-Tipps für Pfingsten haben ebenso viel Traffic geholt wie ein vermisstes Mädchen und die Hells Angels.

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Augsburger Allgemeine:

Die Augsburger Allgemeine steht selten im Blickwinkel der überregionalen Öffentlichkeit – und das, obwohl sie im Netz zu den größten Regionalzeitungs-Ablegern gehört und beispielsweise mehr Traffic holt als die taz oder die Frankfurter Rundschau. 5,4 Mio. Visits waren es im Juni, die AGOF errechnete im April satte 2,05 Mio. Unique User – eine Zahl, mit der das Angebot es in die News-Top-15 schafft. Der Vergleich zwischen Visits und Unique Usern zeigt aber auch hier, dass das Angebot offenbar vor allem bei Google stark ist. Denn: Leute, die etwas bei Google suchen, dann eine Websites aus den Suchergebnissen besuchen, sind meist schnell wieder weg. Sie sorgen daher als Unique User für nur wenige Visits.

Die Daten aus SimilarWeb bestätigen diese Vermutung: 54% des Traffics erreichte augsburger-allgemeine.de in den vergangenen drei Monaten durch Suchmaschinen, nur 33% direkt. Bei den Top-Suchbegriffen zeigt sich ein erstes Indiz, mit welchen Inhalten die Augsburger bei Google Traffic holen. So finden sich dort u.a. "movie2k", "champions league live" und "dortmund malaga live" ganz weit oben. Auch bei den erfolgreichen Ressort sind der Sport und das Panorama ganz weit vorn – noch vor den Ressorts Augsburg und Bayern.

Der Blick auf die erfolgreichsten Einzelartikel der vergangenen Monate zeigt, dass die Augsburger Allgemeine den Trick mit den Fußball-Live-Übertragungen bis ins Letzte ausreizt – und damit offenbar riesigen Erfolg bei Google hat. So finden sich unter den acht Traffic-stärksten Artikeln sieben darüber, wie man gewisse Champions-League-Spiele live im Netz schauen kann. Nummer 1 dabei: "Bayern – Barcelona im Live-Stream". Ebenfalls viel Traffic holte man laut SimilarWeb mit dem Artikel "movie2k offline – Spekulationen über Razzia"-  ebenfalls wohl zu großen Teilen über Google.

merkur-online.de:

Dass sich der Trick mit den Fußball-Livestream-Artikeln mittlerweile herum gesprochen hat, zeigt sich auch beim Münchner Merkur. Doch dazu gleich mehr. Auch der Merkur macht mehr als 50% seines Traffics über Suchmaschinen, 37% direkt. Eine SEO-Stärke, die bei 5,5 Mio. Visits (Juni) zu starken 1,68 Mio. Unique Usern (April) führt. Zahlen, die denen man also in etwa auf dem Niveau der Augsburger Allgemeinen liegt.

Fremden Traffic holt man sich neben Google auch bei Fußballseiten ab: loewenfreun.de gehört ebenso zu den Top-Referrern wie tsv1860.de. Bei den Suchbegriffen, die in den vergangenen Monaten auf merkur-online geführt haben, finden sich neben Markensuchen wie "münchner merkur" oder "schongauer nachrichten" auch "lotto am samstag", "dortmund malaga live" und "1860 münchen".

Insbesondere die Suche nach "dortmund malaga live", die wenig mit der Kernzielgruppe des Merkus zu tun hat, zeigt, dass man wie die Augsburger Allgemeine den Stream-Artikel-Trick entdeckt hat. Und tatsächlich: Laut SimilarWeb finden sich auch hier unter den acht Top-Artikeln der vergangenen drei Monate sieben darüber, wie man Champions-League-Spiele im Netz schauen kann – obwohl die Infos immer dieselben sind, da sich die Rechtelage ja während der Saison nicht ändert. Den größten Traffic erreichte dabei tatsächlich das Spiel BVB – Malaga.

Abseits des SEO-Traffics mit solchen Themen ist der Merkur aber auch lokal stark. So ist das Lokale laut SimilarWeb eben ganz klar das stärkste Ressort – vor dem Sport. Nachrichten aus Schongau sorgen hier demnach für den meisten Traffic, gefolgt von Miesbach, Fürstenfeldbruck und Garmisch-Partenkirchen.

Wenn Sie in der kommenden Fußballsaison also plötzlich überall Artikel darüber sehen, wie und wo man Spiele live im Netz schauen kann – nun wissen sie warum: Sie bringen zum richtigen Zeitpunkt veröffentlicht massiven Traffic über Google. Ansonsten zeigt sich aber auch, dass die suchmaschinenoptimierten Inhalte – insbesondere bei Regionalzeitungs-Ablegern – wie eine Parallelwelt wirken. Auf der einen Seite die lokalen Inhalte für die Kernzielgruppe, auf der anderen Berichte über Dortmunder Fußballspiele, mit denen man bei Google punktet.

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