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Wie Samsung mit Jay-Z-App Nutzer ausspäht

Fünf Millionen Dollar kassierte US-Rapper Jay-Z vom Smartphone-Riesen Samsung für die exklusive Verbreitung des neuen Albums „Magna Carta Holy Grail“. Kunden konnten das Album zum US-Unabhängigkeitstag via App gratis laden. Galaxy- und Note-Nutzer werden bei Nutzung aber ausspioniert – der Standort ermittelt, Posts auf Twitter und Facebook werden nur beim Ansehen der Songtexte abgegeben. Rapper-Kollegen und die New York Times schimpfen. Der PR-Coup wird zum Bumerang.

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„1 Million, 2 Million, 3 Million… 20 Million! I’m so good at math“, johlt Rapsuperstar Jay-Z auf „Somewhere in America“, einer von 16 neuen Songs seines heute in Deutschland und morgen in den USA erscheinenden neuen Albums. Ist es eine Anspielung auf seine Plattenverkäufe – oder auf die 20 Millionen Dollar, die der New Yorker mit einem Deal scheffelt, der Musik-Geschichte schrieb?

Soviel nämlich überweist der südkoreanische Elektronikriese Samsung an den vielleicht größten Rapstar unserer Tage – für vier Alben, die vorab als App geladen werden können. „A million sold before the album dropped“, feiert sich der 43-Jährige dann auch stilecht selbst.

Und genauso kam es dann auch: Eine Million Samsung-Kunden konnten das Album, das „Magna Carta…Holy Grail“ heißt, vergangene Woche drei Tage vor dem weltweiten Start laden – und das auch noch am 4. Juli, dem US-Unabhängigkeitstag. Staatstragender ging es kaum.

Leidenschaftlicher iPhone-Nutzer Jay Z: Für 20 Millionen im Dienste Samsungs

Der Schulterschluss zwischen dem größten Rapper dieser Tage und dem erfolgreichsten Technologiekonzern Asiens unterstreicht eindrucksvoll Samsungs Selbstverständnis: Der weltgrößte Smartphone-Hersteller der Welt zieht mit dem erfolgreichsten US-Popstar der Gegenwart in die Werbeschlacht Für den südkoreanischen Tech-Überflieger muss der Deal wie eine Zementierung des überwältigenden Erfolges der vergangenen Jahre erscheinen.

Jay-Z, verheiratet mit Beyoncé, befreundet mit US-Präsident Obama, lässt sich vom großen Apple-Rivalen, der seine Botschaft mit einem Werbeetat von über vier Milliarden Dollar in die Welt trägt, aus der Portotasche für seine Dienste einspannen. Derselbe Jay-Z, der 2005 noch rappte „Before Steve Jobs made the iPod“ und, wie Buzzfeed eindrucksvoll festgehalten hat, bisher als passionierter iPhone-Besitzer aufgefallen war.

72 Stunden Hörvorsprung mit Folgen: Samsung-App späht Nutzer aus

Doch die hochbezahlte Werbeaktion droht nun zum Bumerang zu werden. Wenn Jay-Zs Allianz mit dem großen Apple-Rivalen noch Geschmackssache war, so ist das Echo auf die App-Aktion vernichtend. Am Ende, so scheint es, sind nicht mal 72 Stunden Hörvorsprung kostenlos.

Wie ausgerechnet der Rapper-Kollege Killer Mike via Twitter herausgearbeitet hat, mussten der Galaxy- und Note-Nutzer für ganze drei Tage Exklusivität Samsung eine Menge Rechte einräumen: Über die App, die die Songs nur abspielt, nicht aber in die eigenen Musiksammlung herunterlädt, erhält Samsung die Berechtigung, den Standort der Nutzer zu bestimmen, die Speicherkapazitäten zu verändern, Anrufe zu verfolgen und zu identifizieren, die Netzwerkkommunikation nachzuverfolgen oder schlicht die Systemsteuerung zu übernehmen.

Und Nutzer, die sich lediglich den Songtext ansehen wollten, mussten sich dafür via Facebook und Twitter einloggen und mitansehen, wie in ihrem Namen der Songtitel im entsprechenden Social Network gepostet wurde.

Vernichtende Kritik: „Spyware“ (Golem.de) und „hässliches Stück Software“

Als „hässliches Stück Software“ qualifizierte die New York Times die App ab und greift auch den US-Rapper an, der sich auf den Deal eingelassen hat: „Jay Z beobachtet Euch – und er kennt Eure Freunde.“ Das deutsche Tech-Portal Golem wird noch deutlicher und nennt die fragwürdige Samsung-App „Spyware“.

Als wäre das noch nicht genug, wurde vergangene Woche von Hackern auch noch eine Clone-App gleichen Namens zum Download bereitgestellt, die Anti-Obama-Botschaften zum aktuellen NSA-Skandal verbreitete („Yes, we scan“). Man kann sagen, die Werbeaktion ging für alle Beteiligten eher nach hinten los … 

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