Studie: Twitter kein Ersatz für News-Portale

Wer liefert die Breaking News schneller? Bei Großereignissen wie Naturkatastrophen und Sportereignissen hat sich Twitter längst als Nachrichtenkanal etabliert. Viele Nutzer gehen davon aus, dass sie über den Mikrobloggingdienst schneller Informationen beziehen als über News-Portale. Eine neue Studie der Unis von Edinburgh und Glasgow hat 51 Millionen Tweets über einen Zeitraum von elf Wochen verglichen. Das Ergebnis: Alte und neue Medien liegen nahezu gleichauf.

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Um das zu überprüfen, haben die Wissenschaftler Tweets mit den Nachrichten von BBC, CNN, Google News, New York Times, Guardian, Reuters, The Register und Wired verglichen. Die erhobenen 51 Millionen Tweets wurden mit 47.000 Artikeln zu 27.000 Events in Verbindung gesetzt. Dabei kam heraus, dass weder die journalistischen Nachrichtenangebote noch Twitter eindeutig schneller mit Breaking News sind. So vermeldeten die Nachrichten-Agenturen zwar früher den Tod von Amy Winehouse und Betty Ford, Twitter veröffentlichte aber früher die News über das Bombenattentat in Oslo und den Kauf von Motorola Mobility durch Google.

Kopf-an-Kopf-Rennen: Vergleich Nachrichtendienste und Twitter

Der Eindruck, dass Twitter vor allem bei Katastrophen schneller informiert als die klassischen Nachrichtenkanäle, drängt sich zwar auf, lässt sich aber nicht erhärten. Allerdings attestieren die Forscher dem Mikrobloggingdienst eine umfassende Berichterstattung zu hyperlokalen und regionalen Ereignissen, die wiederum Aktionen von globalem Ausmaß in einem neuen Blickwinkel erscheinen lässt. Als vollständiger Ersatz für reguläre Nachrichtendienste tauge Twitter allerdings nicht – zumindest wenn man Wert auf Schnelligkeit liegt.
Doch an diesem Wochenende hatte der Mikrobloggingdienst die Nase vorn. Während US-Nachrichtensender nach dem Absturz einer Boeing 777 in San Francisco noch darüber spekulierten, ob und wie viele Menschen bei dem Crash ums Leben gekommen waren, hatten Überlebende bereits via Twitter Bilder hochgeladen und erklärt, dass ein Großteil der Passagiere überlebt hat.
Immer mehr Medien sehen Twitter jedoch nicht als Konkurrenz, sondern Ergänzung. Zum Beispiel bei der Bombenexplosion während des Boston-Marathons. Kurze Zeit, nachdem die ersten Nutzer Tweets zu dem Anschlag absetzten, entwickelte sich das Hashtag #BostonMarathon‘>. Nutzer prüften nahezu in Echtzeit die Berichterstattung im Web und im TV auf Fehler und verteilten neue Aufnahmen vom Unglücksort. Reddit aggregierte in einem Thread in Rekordgeschwindigkeit Augenzeugenberichte, Rundfunk- und Fernsehbeiträge sowie Behördeninformationen. Aber nicht nur das Social Web reagierte beeindruckend schnell auf die Explosionen in Boston. Der Boston Globe etwa baute seine Homepage in einen Twitterfeed um, der über die Bekanntmachungen von Behörden und anderen News-Portalen informierte.
Ergänzen statt konkurrieren: Zu diesem Ergebnis kommen auch die Forscher. Mit seinen über 200 Millionen Nutzern kann Twitter mehr lokale Ereignisse covern und über Nischenthemen berichten als es Nachrichtendiensten möglich sei. Dadurch haben Nutzer allerdings auch die Chancen, die Auswirkungen von globalen Ereignissen auf regionaler und hyperlokaler Ebene besser nachvollziehen zu können.

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