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Wie sich der BDZV zur Nummer 1 bastelt

Interessante Grafiken gab es diese Woche bei der Jahres-Pressekonferenz des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV). Diese deutschen Zeitungen sind die “Nummer 1 im Netz” konnte man da lernen - wenn man die Zahlen so ein bisschen freihändig interpretiert. Der arme Papst Franziskus wurde von Daimler-Chef Zetsche in Sachen E-Bike vors Papa-PR-Mobil gespannt, es gibt das Geheimnis der Kladde von P7S1 und Gaga-Samsung-Werbung aus Island.

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Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger hatte diese Woche zu seiner Jahrespressekonferenz nach Berlin geladen. Es geht ja bekanntermaßen nicht so superlustig zu im Zeitungsland. Sinkende Auflagen, sinkende Umsätze, miese Stimmung usw. Aber bei so einer Pressesause, da will man nicht jammern. Die Zeitungsmenschen machten sich deshalb selbst ganz viel Mut (“Wir sind richtig gut”) und warfen Grafiken wie diese an die Wand (gesehen bei Hugo E. Martin):

Moment mal. Die “Zeitungen” sind die “Nummer 1 im Netz” – werden aber als einzige Gattung in der Grafik ausgewiesen. Alle anderen Angebote der Grafik sind Einzel-Angebote. Wenn man alle 387 Online-Angebote der Zeitungen zusammenschmeißt, um auf 28,88 Mio. Nutzer zu kommen, müsste man dann nicht auch Web.de und GMX.de zusammenrechnen? Und alle Verkaufs- und Auktionsplattformen? Und wieso ist Bild.de als einziges Zeitungsangebot extra ausgewiesen? So ein ganz kleines bisschen wirkt diese Grafik, als habe man sich da einfach die Zahlen so zusammengewürfelt, dass man Ende drüberschreiben kann, dass “die Zeitungen” die Nummer 1 im Netz” seien. So schnell kann das gehen, mit der Marktführerschaft.

Der Papst muss mal wieder für Konzernwerbung herhalten. Daimler-Chef Deter Zetsche überreichte Papst Franziskus diese Woche publicitywirksam die Schlüssel für das neue “Papamobil”, eine umgebaute M-Klasse. Und bei der Gelegenheit bekam der 76-jährige Franziskus auch gleich noch ein neues Smart-E-Bike aus dem Hause Daimler aufgedrängelt. Und Klickklickklick waren die schönen PR-Fotos mit E-Bike, Papst und Daimler-Boss im Kasten. Lieber Weltkonzern, muss das sein, dass man auch wirklich JEDE Gelegenheit für billige PR nutzt? Naive Frage, ich weiß.

Am Ende von der Programmpräsentation von ProSiebenSat.1 bekam man neben dem wohl unvermeidlichen Stefan-Raab-Duschkopf auch noch so ein schwarzes Buch im DIN-A-5-Format in die Hand gedrückt. Die Kladde wurde diese Woche auch nochmal großflächig verschickt. Es soll ja Journalisten geben, die das Buch noch verschweißt auf ihre bestehende Sammlung mit Moleskin-artigen Notizbüchlein gelegt haben. Obacht, Kollegen! In dem Buch ist (fast) gar kein Platz für Eure Notizen. Das hochwertig produzierte Teil ist voll mit Lustigkeiten und Info-Schnippseln im Scrapbook-Design zur ProSiebenSat.1-”Familie”. Schon beeindruckend mit welchem Aufwand Medienunternehmen solche bunten Image-Druckwerke produzieren lassen und in Massen raushauen. Wie viele Medienfuzzis sich das wohl alles wirklich durchlesen?

Gott, was sind diese Leute von Samsung erfolgreich. Jetzt haben die im 2. Quartal einen Rekordgewinn von ungefähr Hunderttausend Fantastilliarden Dollar erwirtschaftet. Aber das noch ziemlich neue Handy Galaxy S4 wird bei einschlägigen Providern schon eine ganze Weile für Null Euro verramscht. So schnell wird kein Apple-Produkt in der Wertschöpfungskette nach unten durchgereicht. Und was Präsentationen und Werbung betrifft, fährt Samsung nach wie vor einen Borderline-Kurs. Wir erinnern uns an eine peinliche Broadway-Show, ein total verkorkstes Bollywood-Spektakel und jetzt gibt es diesen ganz und gar sinnfreien Samsung-Werbespot aus Island. Ob den Machern dort die Dämpfe der heißen Quellen zu Kopfe gestiegen sind?
###YOUTUBEVIDEO###

Schönes Wochenende!

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