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Share – gedruckte Hipster-Überdosis

Ach, die Share-Economy. Der angebliche Über-Trend aus “dem Valley” und Berlin-Mitte wurde vom Volontärjahrgang 2011 bis 2013 der Burda Journalistenschule in Zeitschriftenform gegossen. “Share” heißt das Heft folgerichtig. Das Magazin ist mit Liebe gemacht und ganz und gar gut gemeint. Aber wie das so ist mit gut gemeinten Dingen … Es bleiben Zweifel, ob der Hype um die Share-Economy und das Konzept einer Zeitschrift überhaupt zusammenpassen wollen.

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Bei Share, dem Magazin, ist alles quietschbunt und natürlich zu allererst immer ganz furchtbar hip. Junge, gut aussehende Menschen (Männer gerne mit Vollbart) auf alten Fahrrädern, in umgestalteten Wohnungen (Lofts?). Sie gärtnern zwischen Hochhäusern (Urban Gardening), “crowdfunden” ihr nächstes Social2.0 Mediending, sharen ihren Hund (armes Vieh) und tauchen in Müllcontainern nach genießbaren Lebensmitteln (Container Diving).

Es riecht schon streng nach Bubblegum, was da im Magazin Share in geballter Form skizziert wird. Alles ist so toll, so neu, so hip, dass es nach rund 50 Seiten so ein ganz kleines bisschen zu nerven anfängt. Was in den 60 Jahren “freie Liebe” oder polygam war, heißt bei Share jetzt “polyamor”. Eine Fahrgemeinschaft macht heutzutage Car-Sharing, eine Wohn- oder Hausgemeinschaft betreibt House-Sharing. Alles bekommt vermeintlich hippe Label wie “Share” oder “Crowd” aufgeklebt. Auch die ältesten Hüte.
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Shiny happy Share-People – was ist nur in diesem Gebäck drin? (Promo-Video von Burda)

Und weil es sich um ein Magazin der Hubert Burda Media handelt, wird auch über Luxus-Sharing räsoniert und selbst die unvermeidlichen Modestrecken und Parfüm-Seiten bekommen noch einen irgendwie ökomäßigen Anstrich verpasst  (“Ärmellose Kaschmirstrickjacke in schwarz und lila von frei lebenden Tieren in der Mongolei von EDELZIEGE”).

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Für Meckereien – außer von frei lebenden, mongolischen Kaschmirziegen – bleibt kein Platz. In der Rubrik Business wird als erstes deutsches Startup ausgerechnet der AirBnB-Klon Wimdu vorgestellt. Kein Wort davon, dass das Ding eine eher freche Kopie der Firmen-Klon-Experten Samwer ist und ganz nebenbei auch massive  Probleme hat. Bei Share ist alles bonbonbunt und zuckersüß. Zu viel Süßkram ist auf Dauer aber leider nicht gesund. Und schmeckt auch nicht.

Dass die Abschlussjahrgänge der Burda Journalistenschule ein Magazin bis zur Marktreife produzieren ist eine wunderbare Tradition. Viele der Magazine waren auch erfrischend anders und absolut lesenswert (es sei u.a. an das tolle Handarbeitsmagazin Eazy aus dem Jahr 2010 erinnert). Auch Share ist mit Enthusiasmus gemacht und rein handwerklich auf hohem Niveau. Meta-Verleger Hubert Burda gefällt das wahrscheinlich auch gut. Ob die von Medien und Kommerzheinis herbeifabulierte, ominöse “Share-Economy” wirklich ein nachhaltiger Trend ist oder nur eine Blubberblase, muss sich erst noch zeigen. Für ein regelmäßiges Magazin taugt der Hype ums Teilen jedenfalls nicht.

Share erscheint in einer Druckauflage von 80.000 Exemplaren und kostet 3,90 Euro.

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