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So nutzen Journalisten Instagram-Videos

Häppchenvideos suchen Relevanz. Nachdem der Twitterdienst Vine das Format der Sechs-Sekunden-Videos begründete, zog die Facebook-Tochter Instagram mit einem eigenen Video-Feature nach. Die Reaktionen waren gemischt. Doch wie die einstige Bilderplattform zuvor schon demonstrierte: Auf die Inhalte kommt es an. Und so liefert das Unternehmen Beispiele dafür, wie Medienmacher mit Instagram Videos journalistisch arbeiten können. Die Bewährungsprobe für die 15-Sekünder steht allerdings noch aus.

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“Bloß keine Zeit verlieren”, mag man denken, wenn man mit Instagram-Videos journalistisch arbeiten will. Immerhin muss in 15 Sekunden alles im Kasten sein. Alles? Instagram versucht News-Anbietern die Angst vor der neuen Videoform zu nehmen und liefert einige Beispiele, wie sich die Kurzclips in den journalistischen Alltag einbauen lassen. Der US-Nachrichtensender CNN rief Nutzer dazu auf, über ein gemeinsames Hashtag Videos vom Sommeranfang auf Instagram hochzuladen, die dann später im Programm gezeigt wurden. Late-Night-Talker Jimmy Fallon ließ seine Follower kurze Videos mit #fallon15 taggen. Darüber können sie sich für die Show bewerben.
CNN-Mitarbeiter holten von Demonstranten Statements im Rahmen des DOMA-Entscheids vor dem obersten US-Gericht in Washington und ließen die Zuschauer hinter die Kulissen einer TV-Sendung blicken. Darüber hinaus liefert Instagram weitere Beispiele von den Protesten in Istanbul. Ob sich die 15-Sekünder tatsächlich durchsetzen werden, ist fraglich. Bislang schien sich der Dreiklang aus YouTube-Videos, Tweets und Facebook-Meldungen bei Großevents etabliert zu haben. Doch während Hurrikan Sandy über die Ostküste der USA hinwegfegte, konnte auch Instragam seinen ersten großen journalistischen Moment feiern. Normale Nutzer berichteten an der Seite von Journalisten über die Vorkommnisse und halfen somit, ein detailliertes Bild von den Auswirkungen des Sturms zu zeichnen.

Instagram-Videos müssen sich noch beweisen
Überspitzt formulierte könnte man also festhalten, dass die eigentliche Bewährungsprobe für Instagram-Videos noch kommt. Denn gerade in Momenten der Ungewissheit, wenn Informationen knapp sind, profitieren alle Beteiligten von Social Media. Das zeigte sich eindrucksvoll nach dem Bombenangriff auf den Boston-Marathon. Kurze Zeit, nachdem die ersten Nutzer Tweets zu dem Anschlag absetzten, entwickelte sich das Hashtag #BostonMarathon weltweit zum Trending Topic. Nutzer prüften nahezu in Echtzeit die Berichterstattung im Web und im TV auf Fehler und verteilten neue Aufnahmen vom Unglücksort. Reddit aggregierte in einem Thread in Rekordgeschwindigkeit Augenzeugenberichte, Rundfunk- und Fernsehbeiträge sowie Behördeninformationen. Auch Wikipedia startete blitzschnell eine eigene Seite für den Boston-Marathon, die stetig um Behördeninformationen und News aus dem Weißen Haus ergänzt wurde.
Bislang haftet dem neuen Video-Feature von Instagram noch das Hipster-Stigma an: ein Sammelbecken für belanglose Momente aus dem Leben von Szene-Typen, die mit ihren Aufnahmen ihre Hippness unterstreichen wollen. Daran trägt CEO Kevin Systrom zweifelsohne eine Mitschuld. Schließlich demonstrierte er auf der Keynote das neue Video-Feature mit Aufnahmen eines Kaffees. Reporter kann man damit bestimmt nicht für das Feature begeistern.

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Letzten Endes wird jedoch die Instagram-Community entscheiden, wie sie das Tool nutzen will. Zu Crowdsourcing-Zwecken ist das Video-Feature natürlich besser geeignet für den TV-Betrieb als der reine Einsatz von Bildern. Es wird spannend sein zu beobachten, ob sich darüber hinaus mit den 15-Sekündern ein neues journalistisches Format etablieren lässt. Die Frage, ob sich Instagram für Newsanbieter überhauptet lohnt, beantwortet Instagram knapp, aber durchaus eindrucksvoll: 150 Millionen Nutzer sind nach eigenen Angaben bereits aktiv.

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