„Programm ist ein Haufen Elefantenscheiße“

Ab dem 26. Juli zeigt Tele 5 immer freitags die "schlechtesten Filme aller Zeiten". Wer denkt, der Sender bediene sich hier am eigenen Programm, liegt gar nicht mal so falsch, sagt Oliver Kalkofe. Der Komiker präsentiert die Filmflops wie "Supershark" nicht nur, er kommentiert und analysiert sie auch gemeinsam mit seinem Kollegen Peter Rütten. Im MEEDIA-Interview spricht Kalkofe über "Ecstasy gespritzte Schimpansen auf ProSieben" und amerikanische Serien, vor denen er auf die Knie geht.

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Herr Kalkofe, welcher ist denn nun der schlechteste Film aller Zeiten?
Es gibt tausende Filme, die kurz gesagt, einfach nur scheiße sind. Die machen dann aber auch keinen Spaß. Was uns in unserer Reihe wichtig ist, ist dass es ein schöner schlechter Film ist, der mehr will, als er eigentlich kann. Daran scheitert er dann vielleicht auch, aber man merkt, dass sich dort Leute mit einer bekloppten Idee ausgetobt haben. Sie hatten bestenfalls vor, einen richtigen Film zu machen oder haben einfach bescheuerte Sachen gemacht, die sich kein anderer trauen würde. Wenn man sich dann einen Film anguckt wie "Supershark", in dem ein Panzer auf Beinen gegen einen mutierten Riesen-Hai am Strand kämpft, nach dem Hai tritt, dann aber umkippt und explodiert, ist das schweinelustig. Der Film ist zwar verdammt schlecht, macht aber dennoch irgendwie sehr viel Spaß. Anders als bei "Sumuru, die Tochter des Satans", den ich gerade bearbeite. Da bin ich wirklich geschockt, wie grauenvoll schlecht der ist, es stimmt wirklich gar nichts und man hat keine Chance, der Handlung zu folgen.
Wie genau kann man sich Ihre Show zu diesen Film-Peinlichkeiten vorstellen?
Wir haben uns zwölf wunderbare Filmgurken herausgesucht, die wir gemeinsam mit den Zuschauern gucken wollen, quasi das dreckige Dutzend. Peter Rütten und ich führen das Publikum zum Film hin, nach den Werbepausen zeigen wir interessante Details und schauspielerische Höchstleistungen, analysieren die besten Szenen, zeigen Fehler und versuchen herauszufinden, was eigentlich die Handlung sein sollte. Wir können auch im Film durch Einblendungen auf besondere Highlights hinweisen oder Trinkspiele mit dem Zuschauer veranstalten, die man während des Films mitmachen kann. Wir machen uns im Grunde genommen einen schönen, lustigen und bescheuerten Fernsehabend.
Sie sind eigentlich als TV-Kritiker bekannt. Geht Ihnen langsam das Material aus oder warum müssen nun auch Filme dran glauben?
An Materialknappheit leide ich wahrlich nicht. So sehr ich aber das Fernsehen auch liebe, bin ich aber nun mal auch ein großer Filmfreund. Ich bin aufgewachsen mit vielen schlechten Filmen, damals schaute man alles, was sich bewegte. Godzilla war lange Zeit mein absoluter Lieblingsschauspieler. Heute ist mir das natürlich sehr unangenehm. Aber ich habe trotzdem Freude daran, mir den ganzen Murks immer wieder noch mal anzugucken. Tele 5 hat genau diese Streifen, die sich andere Sender nicht trauen zu zeigen. Wenn man die schon hat – warum sollte man nicht auch stolz damit umgehen? Die machen zu einem Großteil ja, trotz spezieller Qualität, oft großen Spaß und man kann mit ihnen einen lustigen Abend verbringen. Es muss ja nicht immer der Gang in den cineastischen Gourmet-Tempel sein.
Warum suchen Sie sich für ihre Sendungen nicht größere Sender aus?
Es ist ja nicht so, dass wir als Künstler uns das aussuchen können. Man braucht immer einen Partner, der einen die eigenen Ideen auch verwirklichen lässt. Die Sendungen, die ich momentan auf Tele 5 mache, könnte ich bei keinem anderen Sender machen. Kein anderer Kanal hätte derzeit die "Mattscheibe" in dieser Form und Schlagzahl wieder gebracht. Oder ein 10-Minuten-Nachtformat wie die "Nichtgedanken", das wäre wirtschaftlich viel zu uninteressant für die meisten. Und die schlechtesten Filme zu feiern und groß angekündigt zwölf Trash B-Movies zu bringen – das traut sich eben auch keiner. Die meisten Sender gehen nur nach der verkauften Werbung und der Quote und wollen sich immer größer machen als sie wirklich sind. Denen sitzt immer die Angst im Nacken, dass sich eine Sendung nicht sofort rentiert oder nicht gleich vom Publikum verstanden wird. Deswegen ist es wunderbar einen Partner wie Tele 5 zu haben, der zwar klein ist, bei dem die Leute aber noch Spaß an ihrer Arbeit und verrückten Ideen haben.
Schauen wir mal ins TV-Programm – was sind da ihre aktuellen Highlights des Grauens?
Einmal sind es die vielen namenlosen Scripted Reality-Formate, die wir gar nicht mehr auseinanderhalten können.  Also "Pures Leben", "Mitten im Leben", "Verdachtsfälle", "Betrugsfälle", "Durchfälle"… Das Nachmittagsprogramm der Privaten halt. Fast noch schlimmer sind die vielen zynisch bösen Kuppel-Shows. So was wie "Schwiegertochter gesucht" oder "Schwer verliebt." Da werden Menschen, die nah am betreuten Wohnen vorbeigeschrammt sind, aufs Ekelhafteste vorgeführt. Menschen, die man behüten müsste, werden billig und boshaft lächerlich gemacht. Ganz frisch gesehen, was mich auch richtig geschockt hat, war "Clash! Boom! Bang!" auf ProSieben. Z-Promis, die kreischend durch ein Studio rennen wie durchgeknallte Schimpansen, denen man Ecstasy gespritzt hat. Ganz ehrlich, kein Mensch will wirklich Gina Lisa und Micaela Schäfer sehen. Die sind vielleicht für fünf Minuten lustig, weil sie so doof sind und glauben es gehört zur charakterlichen Menschwerdung, dass man sich die Möpse aufbläst bis sie platzen. Micaela Schäfer sah aus wie Pocahontas auf dem Straßenstrich und Gina Lisa, als hätte man ihr eine komplette Douglas Filiale in die Fresse geschminkt. Wer verantwortet so was? Warum wird dafür Geld und teure Sendezeit verschwendet?
Wird es denn wirklich immer schlimmer oder schalten die Leute nur die falschen Sachen ein?
Nein es ist tatsächlich schlimmer geworden und es wird auch noch schlimmer, weil bei den Sendern Zynismus ausgebrochen ist. Wenn man mal fünfzehn oder zwanzig Jahre zurückschaut, dann waren die Privaten zumindest noch gewillt, etwas zu machen. Sie wollten zeigen, was sie können. Das war zwar sehr oft kreativer Irrsinn, aber sie haben sich immerhin was getraut. Heute geht es nur noch darum, wie man mit wenig Geld und Mühe am meisten Sendeplatz füllt. Der Großteil des heutigen Programms ist einfach nur ein Riesenhaufen Elefantenscheiße – und die Verantwortlichen wissen es auch selber. Diese Sendungen will niemand sehen, nicht einmal die Macher selbst, man macht Programme und lacht über die Leute, die sich den Müll tatsächlich anschauen. Man produziert so schnell und billig, dass es kurzfristig selbst als Flop noch ein Plus erwirtschaftet, aber langfristig macht es die Sender kaputt, weil man sich das eigene Profil ruiniert – und irgendwann merkt das auch das Publikum und verabschiedet sich. Herz, Spaß und Verantwortung dem Publikum gegenüber  – für diese Begriffe wird man heutzutage im Fernsehen eher ausgelacht.
Erfüllen die öffentlich-rechtlichen Sender dagegen Ihre Erwartungen?
Die Öffentlich-Rechtlichen sind feige und verstecken sich. Sie müssten innovativ, mutig und kreativ vorgehen und uns jeden Tag neu überraschen. Sie sollten eigentlich zeigen, wie man es besser macht, müssten für kontroverse Diskussionen sorgen – sie dürfen das und wir bezahlen sie sogar dafür. Stattdessen schwimmen sie in der gleichen lauwarmen Suppe wie vor dreißig, vierzig Jahren und man versucht, bloß nicht aufzufallen und es der ganzen Familie vor dem Fernseher recht zu machen. Nur gibt es die nicht mehr so wie damals. Statt Innovation herrscht dort kreativer Stillstand: Wenn man nur schnell genug stillsteht, sieht es fast so aus, als würde man sich bewegen.
Haben Sie, trotz aller TV-Kritik, eine Sendung die Sie regelmäßig und gerne schauen?
Im deutschen Fernsehen würde ich zum Beispiel die "heute-show" nennen. Die ist versehentlich ein Erfolg geworden und wurde vom ZDF nicht kaputtgemacht, weil sie zu spät reagiert haben. Sie ist jetzt einfach da und wird auch immer besser. Dann gibt es noch paar Sachen wie Pastewka, Stromberg, Dittsche… Aber das sind Serien, von denen es ja nur ab und zu mal ein paar neue Folgen gibt. England und Amerika machen es uns momentan vor und bringen so fantastische Serien im Fiction-Bereich, die besser sind als Kino und einfach ganz große Kunst darstellen. "Breaking Bad", "Homeland", "Dexter", "Game of Thrones", "Doctor Who", "The Walking Dead" … man kommt gar nicht hinterher. Die Serien sind wahnsinnig gut geschrieben, gespielt und produziert, so dass man vor Begeisterung nur niederknien möchte.
Wann dürfen sich Fans vom "Wixxer" auf den nächsten und somit dritten Teil freuen?
Es läuft momentan das interne Rennen, was eher kommt: der dritte Teil vom "Wixxer" oder der Berliner Flughafen. Wir arbeiten aber gerade ganz intensiv daran und wollen nächstes Jahr drehen. Das habe ich zwar schon mehrere Jahre gesagt, aber diesmal stimmt es wirklich. Entweder kommt er nächstes Jahr oder gar nicht mehr.
"Die schlechtesten Filme aller Zeiten" laufen ab dem 26.Juli zwölf Freitage lang um 22.15 Uhr auf Tele 5. Gezeigt wird, unter anderem, "Supershark", "Der Thron des Feuers" und "Battlefield Earth."

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Alle Kommentare

  1. wer ist eigentlich für dieses Scheissprogramm zuständig? Schaut er sich diesen Mist auch an? Derjenige oder diejenigen, müssten mal verdonnert werden, sich 1 Monat vor den Fernseher zu setzen. Dafür bezahlen wir auch noch. Es gibt so viele gute Schauspieler und Filme aber immer und immer wieder Wiederholungen, Kochsendungen, Spielabende für Kinder, es ist wirklich zum kotzen.

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