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DJS-Webreportage: Storytelling à la NYT

Als die New York Times Ende 2012 eine Webreportage über sechzehn Extremsportler und ihr Lawinenunglück am Tunnel Creek veröffentlichte, wurde eine neue Art des Storytellings gefeiert. Schüler der deutschen Journalistenschule, genauer der Lehrredaktion 51K, haben sich die Machart zum Vorbild genommen und erzählen via Online-Reportage die Geschichte des Israeli Yaron Svoray, der der Legende des Nazi-Golds im Stolpsee nachjagt. Ein spannendes Wechselspiel aus Text, Bild, Video und Audioslideshow.

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Die Reportage erzählt von Yaron Svoray, einem Mann, der Nazi-Gold im Stolpsee sucht, das angeblich gegen Kriegsende dort versenkt wurde. Dabei geht es dem Israeli in erster Linie nicht um das Gold, sondern vor allem um Gerechtigkeit. Darum, dass der Holocaust nie vergessen wird. Mit dieser Mission kommt er nach Himmelpfort, ein Dorf am Stolpsee. Doch als Schatzsucher wird man hier nicht mit offenen Armen empfangen. In den drei Kapiteln "Die Legende", "Der Schatzsucher" sowie "Das Dorf", nehmen die Journalistenschüler ihre Leser mit auf eine interaktive Reise.
Die Story ist gut. So gut, dass die Journalistenschüler diese auch in ihrem Magazin thematisierten, das im Juli gedruckt vorliegen soll. Drei Schüler haben sich darüber hinaus der Webreportage angenommen – denn das Thema gab mehr als genug Stoff für eine multimediale Umsetzung her. Das Zusammenspiel von Text, Bild, Audioslideshow und Video lässt den Leser nun bereits vor dem Launch des Magazins neugierig verfolgen, was als nächstes passiert. Jedes Scrollen nach unten bringt ein neues Element hervor, dass die im Text erzählte Handlung oder Situation veranschaulicht und weiterzählt.

Beispiel: Wenn es im ersten Kapitel heißt: "Es ist Nacht. Schwarz liegt der Ort Himmelpfort am Ufer des Stolpsees", ist die Karte, durch die der Leser nachverfolgen kann, wo sich die Geschichte abspielt, ebenfalls dunkel gehalten. Durch das Scrollen hellt sie auf und der besagte Ort wird in Google-Maps-Optik kenntlich gemacht. Eine neben dem Text platzierte Slideshow, in der einzelne Straßen und Häuser gezeigt werden, gibt zusätzlich einen ersten Eindruck von Himmelpfort.

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An manchen Stellen nehmen die Journalistenschüler komplett Abstand vom geschriebenen Text und erzählen, insbesondere im zweiten Kapitel, die Geschichte Svorays hauptsächlich durch einzelne Bilder oder kurze Videos. Diese dauern im Schnitt je 25 Sekunden, was den Fluss der Geschichte stört. Immerhin muss man jedes Video einzeln anklicken und laden lassen. Hier hätte ein einzelnes, längeres Video der Story sicher besser getan.

Dennoch ist die Webreportage der DJS nicht von multimedialen Elementen überflutet, sondern lässt sich weitestgehend angenehm lesen. Die Bilder, Videos, Slideshows und Links sind genau an den Stellen positioniert, an denen man sich als Leser mehr Informationen und Details wünscht. Eine rundum gelungene Webreportage, die das ganze Potenzial des Online-Publishings besser nutzt als so manche andere, größere Redaktionen. 
Die Gattung Webreportage hat nur ein Problem: Sie sind nichts für den Alltag. Nicht für den Alltag des Lesers oder Nutzers, und auch nichts für den Alltag einer Redaktion. Es braucht Zeit, solche Projekte umzusetzen. Und es braucht Zeit, diese dann aufmerksam zu konsumieren. Aber warum sollte eine Webreportage wie die vom Nazigoldjäger am Stolpsee nicht auch mal den "Tatort" am Sonntag vergessen machen?

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