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Die „Mob-Mentalität“ im Online-Journalismus

Zehn Millionen Dollar machte Facebook-Milliardär Sean Parker locker, um seine Hochzeit mit Alexandra Lenas zu einem Märchen im Wald werden zu lassen. Behörden verdonnerten den Internet-Unternehmer aber zu einer wenig märchenhaften Strafe wegen Umweltverstößen in Höhe von 2,5 Millionen. Noch schlimmer für ihn war der Spott, den er im Web erntete. Der Stachel saß so tief, dass der Ex-Facebook-Präsident zu einem 10.000-Worte-Rant über Internet-Journalismus ausholte. Parker diagnostiziert eine "Mob-Mentalität".

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Zehn Millionen Dollar machte Facebook-Milliardär Sean Parker locker, um seine Hochzeit mit Alexandra Lenas zu einem Märchen im Wald werden zu lassen. Behörden verdonnerten den Internet-Unternehmer aber zu einer wenig märchenhaften Strafe wegen Umweltverstößen in Höhe von 2,5 Millionen. Noch schlimmer für ihn war der Spott, den er im Web erntete. Der Stachel saß so tief, dass der Ex-Facebook-Präsident zu einem 10.000-Worte-Rant über Internet-Journalismus ausholte. Parker diagnostiziert eine "Mob-Mentalität".

Es sollte ein modernes Märchen sein. Facebook-Milliardär Sean Parker wollte der Welt offenbar beweisen, wie es aussieht, wenn man genügend Geld besitzt, um seine Träume am Tag der Eheschließung Realität werden zu lassen. "Meine Frau Alexandra und ich trafen uns vor fünf Jahren, haben uns verliebt und fast sofort damit begonnen über unseren Hochzeitstag zu fantasieren, der – darüber waren wir uns einig – mitten in einem Zauberwald stattfinden sollte."

So beginnt Sean Parker eines der bemerkenswertsten Essays der vergangenen Jahre, das nun bei TechCrunch erschienen ist. Titel: "Hochzeiten waren einmal heilig und andere Lektionen über Internet-Journalismus." Schnell wird klar: An Parker selbst ist offenbar ein ernstzunehmender Journalist, zumindest aber erstklassiger Erzähler verlorengegangen! Das 10.000 Worte zählende Spektakel liest sich fast wie eine Fitzgeraldische Erzählung mit Referenzen an die Superreichen, moderne Märchen und den Verfall des Journalismus.    

Karikatur Parker: "Moralisch degenerierter Trottel"

Vor allem aber offenbart das epische Stück Vergangenheitsbewältigung einen tiefen Einblick in Parkers Seelenleben, der sich seit den Tagen der Blockbuster-Verfilmung "The Social Network" missverstanden fühlt. Der Facebook-Film habe ihn als „moralisch degenerierten Trottel“ dargestellt, als Karikatur, von der er sich medial nicht mehr erholen konnte.

Das Bild des "Prügelknaben" hatte Parker dann auch reflexartig nach seiner opulent inszenierten Traumhochzeit in unzähligen höhnischen Kommentaren, Blogbeiträgen und schnell zusammengeschrieben Online-Artikel inne, die nach Parkers Angaben fast alle ohne größere Recherche entstanden seien.

"Nichts ist mehr heilig im Internet – nicht mal eine Hochzeit"

Der Stachel sitzt tief. Die Traumhochzeit, die nach enormen Anstrengungen möglich gemacht worden war ("…nach all dem Stress der vergangenen 19 Tage…"), nahm schnell eine böse Wendung. "Wir sind mit einem medialen Rückschlag in epischen Proportionen aufgewacht", schreibt Parker, um das Resümee zu ziehen: "Nichts ist mehr heilig im Internet – nicht mal eine Hochzeit." 

Was folgt, ist eine bemerkenswerte Analyse über den Status quo des Online-Journalismus, in dem Parker die durchaus richtigen Schlüsse zieht: Die Werbeerlöse sind niedrig, und um eine Stück vom Kuchen abzuhaben, geht es um schnelle Klicks und sensationslüsterne Headlines. („The old guard finally gave in to the commoditization and sensationalization of news when “clicks” became the ultimate and determinative measure of value in the news ecosystem.“)

Dass Parker mit seinem extrem exponierten, neureichen Lebensstil die Journalisten-Meute, die er nun kritisiert und der er im Social Web „Mob-Mentalität“ vorwirft, selbst immer wieder bereitwillig füttert, vergisst der 33-Jährige allerdings zu erwähnen.

"Hasserfüllte, boshafte Nachrichten" bei Facebook

Ausgerechnet auf der Seite, der Parker seinen enormen Reichtum zu verdanken hat, bricht dann der größte Shitstorm los. "Wenn unsere Freunde uns Glückwünsche gesendet haben, haben wir diese nie gelesen", schreibt Parker zur Flut der „hasserfüllten, boshaften Nachrichten“ bei Facebook. Die Traumhochzeit verwandelte sich in einen Web-Albtraum.

Man könnte fast Mitleid mit Parker haben. Aber das geht als Online-Journalist natürlich nicht. Entsprechend fällt die mediale Reaktion reflexartig aus: „Sean Parker hat einen Fehler gemacht“, findet der Esquire und wundert sich vor allem darüber, dass der Mann, der mit dem Internet eine Milliarde Dollar gemacht hat, die Mechanismen des Internets kritisiert.

Das bissige Klatschportal Gawker wird noch deutlicher: "Sean Parker: Auch nach 10.000 Worten noch ein Arschloch." Sean Parker und die Online-Journalisten: Da wurde kein Bund fürs Lebens geschlossen.

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