Denkaufgaben sind Zeitverschwendung

Wie viel Golfbälle passen in einen Schulbus? Und wie viele Klavierstimmer gibt es auf der Welt? Googles Einstellungstests galten als legendär. Wer sich hier gegenüber Personalern bewähren konnte, der bewies einen außergewöhnlichen Intellekt. So schien es zumindest. Denn Google selbst hat seine legendären Fangfragen aus dem Programm genommen. Warum? "Pure Zeitverschwendung", sagen die Verantwortlichen. Das Ergebnis sage überhaupt nichts über den Nutzen eines Arbeitnehmers für das Unternehmen aus.

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"Vorrangig sorgen sie nur dafür, dass sich der Interviewer smart fühlt", erklärt Laszlo Bock, Googles Senior Vice President of People Operations gegenüber der New York Times. Das Unternehmen würde den Fokus auf "behavioral interviews" legen, die den Bewerber stärker ins Zentrum eines Gesprächs mit einem Personalverantwortlichen rücken würde. Dabei geht es mehr darum, wie eine Person auf bestimmte Fragen und Szenarien reagiert, als dass sie kluge Antworten auf vertrackte Fragen geben muss.
Diese "behavorial interviews" würden Google mehr Aufschluss darüber geben, wie sich eine Person in der echten Welt verhält, so Bock. Darüber hinaus sind aus dieser Art von Bewerbungsgespräch leichter Vergleiche zu Interviews mit anderen Job-Interessenten zu ziehen. Denn bei Gesprächen mit den ehemals googletypischen Fangfragen waren die Interviewer gezwungen, zu improvisieren. Zu schnell sprachen sich bestimmte Fragen und die Antworten darauf in Bewerberkreisen herum. Die Konsequenz: Personaler stellten unterschiedlich formulierte Fragen mit vielfältigen Antwortmöglichkeiten. Vergleichbarkeit war demnach nicht gegeben.
Googles oberster Personalchef geht sogar so weit zu behaupten, dass Notdendurchschnitte keine vernünftige Maßeinheit mehr seien, um die Qualifikation eines Bewerbers zu beurteilen. Vor allem dann nicht, wenn der Collegeabschluss mehr als drei Jahre zurückliegt. Darüber hinaus sei in der Zwischenzeit so viel im Arbeitsleben eines Bewerbers passiert, dass es in keiner Korrelation mehr zu seinen Hochschulnoten stehe. Lediglich bei Absolventen, die frisch vom College eine Karriere bei Google anstreben, würde man noch die Zeugnisunterlagen verlangen. Tatsächlich würde man mittlerweile mehr Menschen ohne Hochschulerfahrung einstellen. "Bei uns gibt es Teams, wo bis zu 14 Prozent der Beteiligten keinen Collegeabschluss haben", so Bock.

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