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Interne Kritik am neuen Spiegel-Chef Büchner

Der designierte neue Spiegel-Chefredakteur Wolfgang Büchner hat am Montag seinen redaktionellen Kurs mit Ressortleitern der Print- und Online-Redaktion besprochen. Nach einem Bericht der Berliner Zeitung zeigten sich schon bei diesem Termin die Beharrungskräfte von Teilen der Spiegel Print-Redaktion. Büchner habe sich gegen Gesundheitstitel ausgesprochen, was einige irritiert habe. Außerdem sei ihm “Marketingsprech” und seine geplante Elternzeit vorgeworfen worden.

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Aber natürlich wurden solche Vorwürfe nicht offen ausgesprochen sondern – in bewährter Spiegel-Manier – hinter dem Rücken des Betroffenen getuschelt. So hat Büchner zur Vorbereitung der Ressortleiterbesprechung eine Mail mit einer Rede von sich versendet, in der einige leitende Print-Leute laut Berliner Zeitung “Marketingsprech” entdeckt haben wollen.

Dass Büchner vor seinem Antritt als Spiegel-Chef noch in seiner Zeit als dpa-Chefredakteur einen Monat Elternzeit nehmen will, sei hinter seinem Rücken mit dem Satz kommentiert worden “Wir sind doch nicht bei Frau im Spiegel”. Das ist nicht sehr nett. Da hebt der altbekannte Macho-Spiegel sein hässliches Haupt. Wolfgang Büchner wird einiges zu tun haben, wenn er spätestens im Oktober den neuen Job antritt.

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Bemerkenswert und mutig ist, dass er sich gegen Gesundheitsthemen auf dem Titel ausgesprochen hat. Immerhin hat das Nachrichtenmagazin Spiegel jüngst mit „Der heilende Geist – Medizin: Gesund durch Meditation und Entspannung“ einen deutlich überdurchschnittlichen Kiosk-Erfolg hingelegt (311.698 Hefte im Einzelverkauf). Das sei ihm egal, soll Büchner gesagt haben, solche Themen würden der Marke schaden. Da mag er im Sinne der reinen Lehre Recht haben. Mal schauen, ob und wie lange er die Linie durchhält, wenn er am Steuer steht und die Auflage absackt.

Nachrichtlicher soll der Print-Spiegel also werden, bei Spiegel Online sei langfristig eine Paywall möglich und die Redaktionen sollen perspektivisch zusammengelegt werden, was vor allem bei einigen Print-Leuten für nachhaltige Magenschmerzen sorgen dürfte. Der gedruckte Spiegel ist nach wie vor das tonangebende Nachrichten-Magazin in Deutschland. Spiegel Online ist ein digitales Powerhouse mit gewaltigen Möglichkeiten und enormer Reichweite. Wahrscheinlich ist der Spiegel Verlag für die digitalen Herausforderungen in Deutschland mit am besten aufgestellt. Er ist allerdings auch das Haus mit der womöglich am schwierigsten zu führenden Redaktion und einem enormen internen Umstrukturierungsbedarf. Eine von Büchners Hauptaufgaben wird es sein, dies seinen Leuten zu vermitteln. Leicht wird das nicht.

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