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Wie das Video-Feature Instagram verwässert

Mehr als 5 Millionen Videos luden Instagram-Nutzer am Tag nach dem Start des neuen Features bei der Facebook-Tochter hoch. So Erfolg versprechend der Auftakt in Zahlen erscheint – Instagram geht mit dem Video-Feature ein hohes Risiko. Die eigentliche Erfolgsgeschichte der Foto-App wird mit den 15-sekündigen Videos verwässert. Facebook muss sich entscheiden, was Instagram sein soll: ein Hort digitaler Foto-Kunst oder eine banale Videoschnipsel-Sammlung.

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Mehr als 5 Millionen Videos luden Instagram-Nutzer am Tag nach dem Start des neuen Features bei der Facebook-Tochter hoch. So erfolgversprechend der Auftakt in Zahlen erscheint – Instagram geht mit dem Video-Feature ein hohes Risiko. Die eigentliche Erfolgsgeschichte der Foto-App wird mit den 15-sekündigen Videos verwässert. Facebook muss sich entscheiden, was Instagram sein soll: ein Hort digitaler Foto-Kunst oder eine banale Videoschnipsel-Sammlung.

Einige Dinge passen nicht zusammen. Facebook und Twitter etwa sind zwei Angebote, die so unterschiedlich sind wie Äpfel und Birnen. Der eine Nutzer mag es kurz und knackig auf 140 Zeichen, der andere neigt zu episch langen Statusmeldungen. Was passiert nun, wenn man das eine mit dem anderen vermischt?

So ein Fall ist das jüngste Upgrade der beliebten Fotosharing-App Instagram, die von Facebook im April im vergangenen Jahres übernommen wurde. Zunächst sah es so aus, als bliebe alles beim Alten. Die Integration in Facebook war schon in den Monaten zuvor gestartet worden; Bilder flossen sauberer und ohne größere Kennzeichnung im weltgrößten Social Network ein.

Neues Video-Feature: Instagrams größte Überholung seit 2010

Ein halbes Jahr später bekamen Instagram-Nutzer noch eine Browser-Darstellung spendiert, obschon die überwältigende Nutzung mobil stattfindet. Wieder ein halbes Jahr später erhielt Instagram nun selbst die größte Überholung, seitdem die beliebte Foto-App in 2010 debütierte: Plötzlich konnte man nicht nur Bilder, sondern auch Videos teilen.  

Die Motivation für die Aktion ist nur allzu offenkundig: Die Angst vor der boomenden Twitter-Tochter Vine, mit der seit Januar sechssekündige Videos verbreitet werden können, war offenkundig. Nach einem halben Jahr auf dem Markt konnte Twitters Mini-Video Dienst seine Aktivität allein im vergangenen Monat auf fast drei Millionen Verlinkungen zur Plattform verdoppeln. Entsprechend ist Zuckerbergs Launch als schneller Konter zu verstehen.

Ist das mobile Poesie-Album für Sonntagsfotos reif für abgehackte Videoschnipsel?

Dass Foto und Video am Ende aber zwei gänzlich verschiedene Formate sind, beweist ein Blick zurück in die Web 2.0-Historie: Haben sich etwa YouTube und Flickr synchron zueinander entwickelt? Und würden sie in Form eines zusammengewürfelten Portals miteinander harmonieren?

Genau diese Frage stellt sich nun auch bei der Invasion der Videokamera-Symbole in der Instagram-Timeline, die bis Ende vergangener Woche zumeist durch besonders ästhetische, verfremdete Aufnahmen gekennzeichnet war. Instagram: Das war das mobile Poesie-Album fürs Sonntagsfoto.  

John Gruber: Video-Feature gelauncht, um Vine zu ärgern, nicht um Instagram zu verbessern

Schon die Herangehensweise ist eine vollkommen andere: Zum Posten von Bildern konnte auf die eigene Foto-Sammlung zurückgegriffen werden, während beim Video-Feature nunmehr die 15-sekündigen Aufnahmen direkt in der App geschossen werden müssen. Der Live-Charakter der oft ermüdend banalen Videoschnipsel steht im krassen Gegensatz zum künstlerischen Anspruch der oft verfremdeten Filter-Fotos.

"Sie haben das gemacht, um Vine zu ärgern, nicht um Instagram zu verbessern, denn tatsächlich macht es Instagram schlechter, nicht besser", legt Techblogger John Gruber ("Daring Fireball") den Finger in die Wunde. "Langsam zu laden, ein Ton, den ich nicht haben will – die Blase der Einfachheit und Fokussiertheit platzt", so Grubers Urteil.

Digitale Foto-Kunstwerke versus Bewegtbild-Banalitäten

Der sinnlich subjektive Augenblick, der durch nachhaltige Verfremdung zum Kunstwerk im Digitalzeitalter wird, geht im Echtzeitschwarm an Bewegtbild-Banalitäten vollkommen unter – zwei Welten prallen aufeinander, wie auch die New York Times bemerkt.

"Bitte Facebook, mach Instagram nicht kaputt", hatte sich das Techblog Mashable direkt nach der Übernahme gesorgt. Mark Zuckerberg muss nun beweisen, wie ernst es ihm mit Instagram ist.

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