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„Warum taz-Mitarbeiter so schlecht verdienen“

Mit einem Interview mit Zeit-Geschäftsführer Rainer Esser hat die taz eine Diskussion über angemessene Journalisten-Bezahlung angestoßen. Problematisch war dabei von Anfang an, dass die Berliner selbst dafür bekannt sind, nicht gerade üppig zu zahlen. Im Hausblog der Tageszeitung erklärt nun Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch „warum taz-Mitarbeiter so schlecht verdienen“. Dafür würde man bei der Tageszeitung „sehr unabhängig“ arbeiten. „Gerade für den Journalistenberuf ist das ein hoher Wert“.

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Das Ruch-Posting hat zwei Ausgangspunkte. Neben der Zeit/Bangladesh-Diskussion bezieht sich der Geschäftsführer ganz konkret auf die schlechten Bilanzzahlen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Tatsächlich kann man die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Tageszeitung, die ihr Geschäftsjahr gerade mit einem Umsatz von 154 Millionen abgeschlossen hat, nicht mit dem Umsatzniveau der taz vergleichen.

Trotzdem scheint ein gewisser Rechtfertigungsdruck bei der Tageszeitung vorhanden zu sein und so argumentiert Ruch nun, dass sein Haus, „anders als bei Gehältern“, für Druck, Vertrieb oder Agenturen die marktüblichen Preise zahlen müsse. „Würde die taz bei diesen (den Gehältern, Anm.d.Red.) marktüblich, also nach den geltenden Tarifverträgen der Gewerkschaften, zahlen, könnte sie nicht mehr so viele MitarbeiterInnen beschäftigen, müsste Stellen reduzieren und damit sicher auch ihre publizistische Qualität“.

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Auf die selbstgestellte Frage, ob man sich mit diesem Dilemma abfinden sollte, antwortet er. „Nur bedingt. Gut ist es, wenn materielle Werte kompensiert werden können, zum Beispiel durch Einfluss auf Unternehmensentwicklungen, aber auch durch “Räume” zur Verwirklichung anderer Ideale“.

Es ist eine spannende Frage, ob es den meisten festangestellten Journalisten langfristig reicht, über „Räume“ zum Umsetzen der eigenen Ideen zu verfügen und Einfluss auf die Unternehmensentwicklung nehmen zu können oder ob irgendwann nicht doch der Wunsch stärker wird, wenigstens nach Tarif bezahlt zu werden. Immerhin steht ja gerade die taz in ihrer Berichterstattung für soziale Gerechtigkeit, Mindestlöhne und faire Tarifabschlüsse.

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