Anzeige

Deutschland, das Mobile-News-Schlusslicht

Die Leute lesen Nachrichten zunehmend online, auf vielen verschiedenen Geräten, greifen auf unterschiedliche Plattformen (Twitter, Facebook) und ganz neue Anbieter (HuffPost, Buzzfeed) zu? Stimmt alles. Aber nicht nur. Der zweite Reuters Digital News Report zeigt: Die News-Revolution vollzieht sich in verschiedenen Ländern unterschiedlich schnell. So ist Deutschland noch ein Mobile-Entwicklungsland, in dem klassische Formate wichtig sind, gleichzeitig aber Google eine Mega-Medienmarke ist.

Anzeige
Anzeige

Das Reuters Institute hat neun Länder in seine vergleichende Analyse der Nutzung von Digital-Nachrichten aufgenommen. Was den Zugriff auf das Internet angeht, ist Deutschland demnach mit 83 Prozent gegenüber 67 Prozent beispielsweise in Spanien und 58 Prozent in Italien gut dabei. Digital-Vorreiter ist allerdings Dänemark. Das zeigt sich beispielsweise auch daran, dass jeder vierte Befragte in dem Land regelmäßig Nachrichten via Tablet-PC konsumiert. Die Befragung wurde Anfang 2013 per Online-Umfrage durchgeführt – die Ergebnisse stehen also für die Informationsgewohnheiten des Teils der Bevölkerung, das online ist.
Die Tablet-Nutzung hat nicht nur in Dänemark zugelegt, sondern auch in anderen Ländern. Zehn Prozent der Befragten in Deutschland griffen innerhalb einer Woche zum Tablet, um sich zu informieren. In der Befragung im vergangenen Jahr waren es noch fünf Prozent. Eine Tablet-Republik ist Deutschland damit nicht: Dänemark (25%), die USA (16%) und Großbritannien (16%) weisen deutlich höhere Zugriffe via Tablet auf. Und auch per Smartphone lesen in Deutschland nur 22 Prozent der Befragten bisher ihre News. Im Digital-Dorado Dänemark sind es 43 Prozent.
Interessant ist aber auch, dass knapp die Hälfte aller Tablet-News-Nutzer angeben, zumindest einmal die Woche eine gedruckte Zeitung gelesen zu haben, und sogar 81 Prozent die klassischen Fernsehnachrichten geschaut haben. Es wäre also arg verkürzt, die News-Revolution mit einem massiven Shift hin zu digitalen Kanälen darzustellen. Diese Verschiebung gibt es, und sie wird sich in den kommenden Jahren noch verstärken. Aber Traditions-Medien wie Zeitung, TV und Radio werden eben auch weiter genutzt, selbst von der digital-affinen Zielgruppe.
Eine Art Alters-Wasserscheide gibt es laut Reuters Institute dann aber doch: Für die unter 45-Jährigen sei das Internet heute die Haupt-Nachrichtenquelle. Bei den Menschen über 45 Jahre bleibe das TV die zentrale News-Anlaufstelle. Nutzer in beiden Altersgruppen sehen aber zunehmend alle zur Verfügung stehenden Kanäle als Optionen. Je mehr Geräte und Quellen ein Mensch nutzt, desto mehr Zeit verbringt er mit dem Konsum von Nachrichten. Deutschland bleibt im Ländervergleich ein Zeitungsland, gemeinsam mit Japan und Italien – mehr als die Hälfte der Befragten gaben an, mindestens einmal die Woche eine Zeitung zu kaufen.
Bemerkenswert ist der unterschiedliche Zugang zu Nachrichten in den Ländern. In Ländern wie Großbritannien und Dänemark sind Medien-Marken die entscheidenden Einfallstore zu Nachrichten, dagegen dominieren in Deutschland, Spanien, Italien und Frankreich die Suchmaschinen als wichtigste "Gateways". Bemerkenswert hoch ist der Zugang zu News über Social Media-Kanäle, in Deutschland gaben erstaunlicherweise die Hälfte der Befragten an, diesen Weg auch zu wählen. In Brasilien liegt die Quote gar bei 60 Prozent (wobei Mehrfachnennungen möglich waren). Zum Vergleich: In Großbritannien (17%) und Japan (12%) spielen Social Media als News-Quellen offenbar nur eine untergeordnete Rolle. Was heißt das für Marken: Der Weg zu ihnen wird laut den Autoren der Studie immer verschiedenartiger. Eine klare Linie zwischen Nutzer und Marke ist nicht mehr der dominante Weg der Informationsaufnahme.
Eine weitere Erkenntnis: Der Artikel wird seine Stellung als führendes Newsformat verlieren. Kurzvideos und Live-Streams (Audio und Video) werden zunehmend in den Nachrichtenfluss gestreut, neue Formate wie Live-Blogs entstehen.
Schließlich die allgegenwärtige Frage nach der Bezahlbereitschaft für digitale Nachrichten: Schenkt man den Ergebnissen der Befragung Glauben, dann steigt diese bei den Nutzern. Außer in Dänemark habe die Zahlungsmoral in den betrachteten Ländern zugenommen. In Deutschland sagten zehn Prozent der Befragten, sie hätten in der Vergangenheit für digitale Nachrichtenangebote Geld bezahlt. Im vergangenen Jahr waren es noch sechs Prozent.   

Der Reuters Digital News Report wurde auf dem GEN News Summit in Paris vorgestellt. MEEDIA ist Medienpartner der Konferenz.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*