Der Bitkom-Party-Check vom BKA

Nächste Woche steigt das Sommerfest des Telko-Branchenverbandes Bitkom in Berlin. Journalisten, die dabei sein wollen, müssen sich vom BKA polizeilich überprüfen lassen. Manche finden das seltsam. Die Methode bei Bild Plus, dass fast alle Artikel der gedruckten Bild online hinter die Paywall wandern, sorgt für reichlich Gaga-Content. Beim Weg von Twitter-Sprüchen in die Bild-Zeitung gingen die Quellenangaben verloren. Und Thomas Gottschalk versteigert sich selbst im Internet.

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Das Sommerfest des Telekommunikations-Branchenverbands Bitkom in Berlin ist für viele Wirtschafts- und Technikjournalisten ein fester Termin im Jahreskalender. Dieses Jahr geht die Sause am 24. Juni im Hamburger Bahnhof in Berlin über die Bühne. Ganz so easy ist der Einlass aber nicht. Weil wohl hoher politischer Besuch erwartet wird, wird im Gegensatz zu früheren Jahren von Journalisten verlangt, dass sie bei der Akkreditierung fürs Bitkom Sommerfest eine polizeiliche Überprüfung durch das Bundeskriminalamt über sich ergehen lassen. Man sollte dafür bis heute früh seinen Namen mit Geburtsort und -datum senden. Dies Daten würden dann ans BKA weitergeleitet. Nun hat man schon bei so mancher offizieller Festlichkeit hier und da mal Name und Geburtsdatum angeben müssen, zum Beispiel wen die Kanzlerin anwesend ist. Dass einem so unverblümt gesagt wird, dass man im Vorfeld vom BKA überprüft wird, ist aber eher neu. Und hinterlässt ein komisches Gefühl …

Bild Plus fasziniert ungebrochen. Vor allem die Masche, dass gnadenlos die Inhalte der gedruckten Bild-Zeitung online hinter die Bezahlschranke wandern. Das ist in sich schon logisch, führt aber in der Praxis dazu, dass ständig Gaga-Themen wie der bissige Sommerloch-Hecht oder das Unten-Ohne-Hotel auf Mallorca Bild Plus Inhalte sind. Unter Premium-Content versteht halt jeder was anderes.

Bild-Chef Kai Diekmann experimentierte diese Woche nicht nur mit Paid Content, sondern auch mit User Generated Contet auf der Titelseite der Print-Bild. Anlässlich des Besuchs von US-Präsident Barack Obama rief er Twitter-Nutzer dazu auf, lustige Sprüche zu schicken, die die Bild Obama in Sprechblasen in den Mund legen konnte. Es kamen auch ein paar Vorschläge, u.a. von Blogger Richard Gutjahr ("Mrs. Merkel, tear down your Firewall"). Am Ende schaffte es nur einer der Twitter-Vorschläge auf die Titelseite: "Ich weiß, was du gestern auf Facebook getan hast". Einige weitere Twitter-Sprüche landeten im Innenteil der Print-Bild auf Seite 2. Dort wurden die Sprüche dann aber als eigene Ideen der Redaktion ausgegeben. Auf Twitter wurde der leistungsschutzrechtlich höchst bedenkliche “Content-Klau” natürlich angeprangert. Diekmann hat sich immerhin sofort entschuldigt.

In der vergangenen Sonntags-FAZ (die am Berliner Hauptbahnhof übrigens großzügig gratis verteilt wurde – Stichwort Kostenlos-Kultur) äußerte sich Thomas Gottschalk in seiner Kolumne zu der verkorksten Mallorca-”Wetten dass..?”-Ausgabe seines Nachfolgers Markus Lanz. Dies sei die erste “Wetten dass..?”-Sendung gewesen, die er von Anfang bis Ende gesehen habe, gab er zu Protokoll. Au weia! Und weiter: “Barack Obama käme nie darauf, einen Taliban- Häuptling auf sein Sommerfest einzuladen. Wer hat um Himmels willen die Schnapsidee gehabt, den Duschkopf-Terroristen Stefan Raab als Gast, und noch dazu als ersten, in die Arena von Mallorca zu holen?” Naja, Gottschalk hatte den Raab zu seiner Zeit auch mehrfach als Gast bei “Wetten dass..?”, wenn auch nicht in der Mallorca-Sendung. Und ohne Duschkopf im Gepäck.  Beim Charity-Auktionsportal unitedcharity.de kann man übrigens gerade ein Abendessen mit Gottschalk im Berliner Borchardt ersteigern. Ob Schnitzelzwang herrscht, ist nicht bekannt. Aktuelles Gebot: 3.700 Euro.

Guten Appetit und schönes Wochenende!

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