Busen-Alarm: Facebook zensiert Zeit Campus

Eigentlich hätte Zeit Campus gewarnt sein müssen: Facebook hat das Cover der aktuellen Ausgabe des Studentenmagazins gelöscht. Grund war ein Verstoß gegen die Plattform-Regeln, weil auf dem Titelbild der nackte Busen einer Femen-Aktivistin zu sehen ist. Im MEEDIA-Interview fordert der Chefredakteur Simon Kerbusk nun gesonderte Regeln für journalistische Inhalte. Die Zensur kam für die Hamburger aber bestimmt nicht ganz unerwartet. Immerhin hat man bei der Zeit schon eine gewisse Erfahrung in dieser Hinsicht.

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Bereits im Juli 2012 löschte Facebook eine Titelseite des Zeit Magazins, auf dem ein Männer-Genital zu sehen war.

Der aktuelle Fall ist insofern anders, weil es sich bei dem barbusigen Cover eigentlich um eine politische Geschichte handelt. Mit MEEDIA sprach Kerbusk über den aktuellen Vorfall und die Konsequenzen daraus.

Was ist genau passiert?
Die aktuelle Ausgabe von Zeit Campus zum Titel "Bin ich politisch?" ist am Dienstag erschienen und zeigt die inhaftierte Femen-Aktivistin Josephine Witt mit nacktem Oberkörper auf dem Cover. Am Montagabend hat die Redaktion und am Dienstagmorgen der Verlag das Cover gepostet. Knapp 48 Stunden später hat Facebook beide Postings mit allen Likes, Shares und Kommentaren gelöscht. Ein kurzer Hinweis, dass man die Standards verletzt habe, ging jeweils an die Accounts der Kollegen, die das Bild gepostet hatten.


Ärgern Sie sich über die Zensur?

Wir begrüßen jede inhaltliche Diskussion über unser Heft, aber es ist ärgerlich und verstörend, wenn die Moralvorstellungen der Facebook-Inhaber in dieser Weise über die Sichtbarkeit eines journalistischen Produkts entscheiden.

Haben Sie mit dem Posten des Covers nicht ganz bewusst diese Reaktion in Kauf genommen?

Die Prüderie von Facebook ist bekannt und wir sind nicht die ersten, die dieses Verhalten von Facebook erleben müssen. Unsere einzige Alternative wäre aber vorauseilender Gehorsam gewesen, damit hätten wir die Zensur von vornherein akzeptiert. Wir lehnen sie aber als Angriff auf die Pressefreiheit ab.

Sollte Facebook seine Regeln überdenken? Wenn ja, wie sollten Sie geändert werden?
Ja. Facebook ist längst auch eine wichtige Plattform zum Austausch über journalistische Inhalte geworden. Wenn der Konzern an seinen Regeln gegen Nacktheit festhalten will, muss es zumindest eine Ausnahme geben für solche Inhalte, die in einem eindeutig journalistischen Kontext stehen.

Welche Konsequenzen bzw. Lehren ziehen sie aus dem Vorfall?
Ich hoffe, dass auch andere Medien gegen dieses Vorgehen von Facebook protestieren und sich nicht einfach damit abfinden, dass das Unternehmen nun mal so vorgeht. Wir müssen jetzt für die aktuelle Ausgabe prüfen, ob wir unser Cover in einer Version hochladen können und wollen, die von den Facebook-Zensoren nicht gelöscht wird. Für die Zukunft werden wir unser Titelbild weiterhin so posten, wie es am Kiosk liegt – und hoffen, dass sich andere Magazine auch so verhalten.

Tatsächlich löscht Facebook anzügliche Bilder nicht selbstständig. Die US-Amerikaner werden immer nur dann aktiv, wenn sie einen Hinweis bekommen. In diesem Fall muss sich also ein Zeit Campus-Leser an dem freizügigen Cover gestört haben.

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