„Branche schießt sich selbst sturmreif“

Burda-Vorstand Philipp Welte sprach am Donnerstag vor rund hundert Verlagsvertretern bei der Generalversammlung des Österreichischen Verlegerverbandes. „Der Zustand einiger Verlage ist deprimiert und deprimierend“, so Welte. Er macht sich Sorgen um das Image von Print. Welte: „Wir lassen zu, dass unsere Branche aus den eigenen Reihen sturmreif geschossen wird“. Dabei befinde man sich „auf einem der wunderbarsten Märkte, auf denen man tätig sein kann“.

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So mache sein Haus weiterhin die Hälfte seines Umsatzes mit Zeitschriften. Zudem launchten die Münchner, im Gegensatz zu vielen anderen Verlagen, munter weiter neue Hefte. Ob nun Cover, Freundin Donna oder One-Shots wie Meet und veggie, die dieses Jahr an den Kiosk gingen. Im Herbst folgt dann der aufwändige Start des Modemagazins Harper’s Bazar. Wichtigste Neueinführung für das kommende Jahr soll dann eine deutsche Version von Esquire sein.

Allerdings ist nicht jedes Print-Projekt, das die Münchner in den vergangenen Jahren anfassten erfolgreich gewesen. Es sei nur kurz an die Trash- und Krawall-Postille Chatter erinnert. Für Burda zählt allerdings vor allem, dass man überhaupt den Mut hat, neue Konzepte umzusetzen. 

Eine Strategie, die die Münchner längst nicht mehr alleine haben. Auch Bauer hat
in den vergangenen Jahren mit Closer, Happinez oder Meins neue Hefte an den Kiosk gebracht. Selbst Springer setzte mit Der Griller und E-Home gerade mal wieder auf frische Print-Konzepte. Nach Weltes Einschätzung ist nicht das Internet der größte Konkurrent der Magazin-Verlage, sondern das Fernsehen. Immer mehr Werbegelder würden von den Zeitschriften- in Fernsehbudgets umgeleitet.
Mit seiner Kritik, dass sich die Verlagsbracnhe selbst im Weg steht, liegt Welte auf einer Linie mit Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung. In seiner Rede vor Österreichs Zeitungschefs sagte er, dass die wirklich große Gefahr für den Journalismus nicht vom Web ausgehe, „sondern von den Verlegern, Medien und den Journalisten selbst“.

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