10 Fragen an jede News-Redaktion

Auf dem News Summit des Global Editors Network (GEN) hat Matt Kelly zehn Fragen an Chefredakteure und ihre Redaktionen gestellt. Der ehemalige Digitalchef des britischen Daily Mirror setzt auf eine stärkere Verquicklung von inhaltlichen Qualitätsangeboten und Technologie. Die lauten etwa: "Wissen Sie, was Ihre neuen Wettbewerber machen?" Oder: "Können Sie über die Nachricht hinaus denken?" Die Fragen sind gleichzeitig eine Checkliste für Journalisten, die eine Zukunft für ihre Angebote wollen.

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Wie gut kennen Sie Ihre Leser wirklich?
Die Frage von Kelly ist klar – wir arbeiten in Kommunikationsunternehmen, doch von unseren Zielgruppen wissen wir zu wenig über deren Erwartungen. Klar, es gibt Fokusgruppen, Auflagen- und Klickzahlen, etc.. Das reicht aber letzten Endes nicht, um eine präzise Vorstellung davon zu bekommen, wie Zielgruppen wirklich ticken. Das Internet bietet die Chance, dieser Einblicke zu vertiefen.

Mobile Inhalte – können unsere Workflows in den Redaktionen noch verkehrter sein?
Kelly sagt: "Wir arbeiten nicht so, wie die Nutzer denken." Als ein Themenbeispiel nannte er den Tod des Schauspielers James Gandolfini. Als er die Nachricht am Donnerstag hörte, wollte er via Smartphone sofort mehr erfahren. Doch eigene mobile Inhalte zu diesem Thema habe er nicht finden können. Die unterschiedlichen Medienkanäle würden im Workflow noch nicht passgenau bespielt.

Wie viel Videonachrichten braucht die Welt wirklich?
Es gibt YouTube-Kanäle von sogenannten "YouTube-Stars", die haben mehr Abonnenten als die Newskanäle etwa von CNN. Was bedeutet das für Redaktionen? Jeder Newsroom muss überlegen, wie viele Bewegtbilder die Zielgruppe braucht und vor allem – welche.

Wann haben Sie das letzte Mal eine großartige neue Marke geschaffen?
Tja, wann? Nicht nur der Ausbau des Kernangebots ist wichtig, auch der Aufbau neuer Satellitenangebote, glaubt Kelly.

Wissen Sie, was Ihre neuen Wettbewerber machen?
Mit diesem Punkt spielt Kelly auf neue digitale Angebote an, die etablierten Medien Konkurrenz machen. So habe der Fußballverein FC Liverpool 15 Redakteure, die u.a. die Webseite des Clubs bespielen. In Fachkreisen wird der Ansatz, dass Unternehmen und Vereine selber Inhalte für ihre Kunden oder Fans produzieren, Content Marketing genannt. Diese Entwicklung gilt es genau im Auge zu behalten.

Können Sie über die Nachricht hinaus denken?
Als Beispiel für neue Erlösquellen nannte Kelly eine multimediale iPad-App des berühmten Gedichtes "The Waste Land" von T.S.Eliot. Der Verlag Faber und die Multimedia-Firma TouchPress hätten 200.000 digitale Ausgaben der App verkauft – für 9,99 Pfund pro Download.

Warum bauen wir nicht die Zielgruppe auf, bevor wir ein neues Produkt starten?
Die britische Future Publishing hat mit Mollie Makes ein Handarbeitsmagazin für eine junge Generation gestartet. Bevor überhaupt an ein gedrucktes Magazin zu denken war, wurde eine Facebook-Seite eingerichtet, die schnell auf eine große Zahl von Fans kam. Erst als die Redakteure auf diesem Wege möglichst viele Hinweise und Informationen über die potenziellen Käufer in Erfahrung gebracht hatten, wurde die Marke auch wirklich aufgebaut. Mittlerweile gibt es in Lizenz auch eine deutsche Ausgabe.

Ist es nicht an der Zeit, das Template lieben zu lernen?
Der Aufwand, der teilweise für die Erstellung von iPad-Magazinen getrieben wird, ist enorm. Doch nicht jede Seite muss neu gebaut werden. Templates machen hier das Newsroom-Leben leichter. Kelly nannte als Beispiel für eine smarte Produktionsweise  die App der brasilianischen Zeitung O Globo.

Monetarisieren Sie jeden Millimeter?
Matt Kelly empfiehlt Web-Tools wie etwa Kalooga und Outbrain, Inhalte einer Seite für die Nutzer leichter auffindbar zu machen und die Seiten so "anzureichern". Die Folge sind, so die Versprechungen diverser Anbieter, eine höhere Reichweite und eine entsprechend höhere Monetarisierung.

Würden Sie den roten Knopf drücken?
Matt Kellys letzte Frage an Verleger: Wenn es einen roten Knopf gäbe, mit dem man den Zustand der Medienwelt vor dem Internet wiederherstellen könnte – würden Sie diesen Knopf drücken? 

MEEDIA ist Medienpartner des GEN News Summit.

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