Diese Homosexuellen-Begriffe sind tabu

Bei der Berichterstattung über Homosexuelle schreiben Journalisten oftmals ins Fettnäpfchen. Insbesondere zum Beginn der CSD-Saison findet man vermehrt Berichte über Schwule und Lesben in den Medien, weshalb hier die Fehlerquote an politisch unkorrekten Bezeichnungen stark zunimmt. Der Bund Lesbischer und Schwuler Journalisten (BLSJ) will diesen Sommer Hilfestellung geben und hat in Kooperation mit der Akademie Waldschlösschen einen Ratgeber zum Thema "Schöner Schreiben über Schwule und Lesben" rausgebracht.

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"Es wurde noch nie so viel über Homosexuelle berichtet, wie zurzeit, aber die Fettnäpfchen sind über die Jahre die gleichen geblieben", sagt Martin Munz, Vorstandsmitglied des BLSJ. An regelmäßigen Schlagzeilen über das "Homosexuellen-Millieu", "bekennende Schwule" oder "überzeugte Lesben" merke man, dass es in vielen Redaktionen noch nicht so unverkrampft zugeht, wie man annehmen sollte.
Die Broschüre nennt zahlreiche Praxisbeispiele und Alternativvorschläge. In kurzen Texten zur Einordnung von Formulierungen sowie einem Glossar mit Szenenbegriffen sollen Redakteure lernen, richtig und unverkrampft über Homosexuelle zu schreiben. MEEDIA hat einige Praxis-Tipps zusammengefasst.
– "Schwulen-Parade": Der Begriff wird häufig anstelle des "Christopher Street Day" verwendet und ist eine Formulierung, die alle anderen Teilnehmer diskriminiert. Die Vernachlässigung von Lesben, Transsexuellen und Transgendern in der Bild-Berichterstattung bzw. im Beitragstext ist ein häufiger Fehler in Berichten über CSDs. Vorschlag: "CSD-Parade", "CSD-Demonstration", "Regenbogenparade" und vor allem: Frauen aufs Bild.
–  "Homosexuelle und Lesben": Oftmals wird "homosexuell" mit "schwul" gleichgesetzt. Richtig wäre aber: "Schwule und Lesben" oder einfach "Homosexuelle"
– "Anne ist bekennend lesbisch": Man bekennt sich zu einer Straftat, zu seiner Sünde oder zu einem Glauben – Nicht aber zu seiner Homosexualität. Vorschläge: "Anne lebt offen lesbisch" oder noch besser beiläufig erwähnen wie bei Heterosexuellen "Annes Lebensgefährtin ist…"
– "Moritz hatte sein Outing": Das Coming-out bezeichne einen persönlichen, selbstbestimmten Prozess: Jemand klärt seine Angehörigen, seine Umgebung (oder aber die Öffentlichkeit) über seine sexuelle Orientierung auf. Von "Outing" dagegen spreche man, wenn eine fremde Person die sexuelle Orientierung eines Menschen öffentlich macht. Richtig wäre laut dem BLSJ: "Hape Kerkeling und Alfred Biolek wurden von Rosa von Praunheim geoutet" und "Klaus Wowereit hatte sein öffentliches Coming-out auf dem SPD-Parteitag."
– "Im Homosexuellen-Milieu": Dieser Terminus ist laut dem BLSJ sprachlicher Unsinn. Solche Phrasen würden Homosexuelle kollektiv verunglimpfen, ganz so, als wären Lesben und Schwule wie Kriminelle in einer Art Rotlichtviertel organisiert. Der Vorschlag lautet daher: Statt "Mord im Homosexuelle-Milieu" lieber "Schwuler Mann ermodert", solange die Homosexualität für die Story überhaupt von Bedeutung ist.
– "Homo": Das Wort "Homo" als Synonym für einen schwulen Mann oder, wenn auch selten, für eine lesbische Frau klinge despektierlich. Vorschlag: schwuler Homosexueller.
– Ehefrau, Ehemann, "sind verheiratet": Einerseits sprechen viele Lesben und Schwule selbst von "Hochzeit" und nennen ihren Partner auch "Mann" bzw. "Frau." Andererseits suggeriert die Verwendung klassischer Begriffe einer Ehe eine Gleichstellung, die es so nicht gibt. Solange irgendeine Art der Unterscheidung zwischen Ehe und Lebenspartnerschaft gilt, bleibt es journalistisch korrekt, diese Diskriminierung durch den Einsatz der im Standesamt verwendeten Worte deutlich zu machen. Vorschlag: "Lebenspartnerin", "Lebenspartner", "sind verpartnert".
Im Allgemeinen fordert der BLSJ Redakteure dazu auf die sexuelle Orientierung von lesbischen, schwulen und bisexuellen Personen des öffentlichen Lebens nicht zu tabuisieren, jedoch zwischen sexueller Orientierung und Privatleben zu unterscheiden. Dazu sollten Journalisten immer wieder hinterfragen, wie wichtig die Familienverhältnisse, die Lebensweise und damit die Homosexualität für die Geschichte ist.

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