#Neuland – Merkels Karriere als Meme-Mutti

Nun hat Bundeskanzlerin Angela Merkel ihr eigenes Meme, ein Merkel-Meme sozusagen: #Neuland schaffte es innerhalb kürzester Zeit in die Trending Topics bei Twitter. Dafür brauchte es nur einen Satz, den Merkel beim Gang vor die Presse mit US-Präsident Barack Obama in Berlin fallen ließ: “Das Internet ist für uns alle Neuland.” Im Rahmen der Prism-Debatte ist der Satz aus dem Mund der Kanzlerin für die Web-Gemeinde ein gefundenes Fressen. Die nimmt es mit Humor.

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Für die Kommunikationsabteilung von Kanzlerin Merkel dürfte es eine Panne sein. Als hätte man angesichts des Berlin-Besuchs von US-Präsident Barack Obama nicht schon genug um die Ohren, kommentiert die Regierungschefin die Gespräche mit dem US-Präsident salopp mit den Worten “Das Internet ist für uns alle Neuland.” Sie habe Obama deutlich gemacht, dass Verhältnismäßigkeit immer wichtig sei, erklärte die Kanzlerin der Presse.

Gemeint waren damit wohl einige ernste Worte über das Datenüberwachungsprogramm der US-Behörde NSA: Prism. Nachdem Deutschland nach den Veröffentlichungen des Guardian und der Washington Post darüber spekuliert, wie viel die US-Geheimdienste über Internetnutzer in der Bundesrepublik eigentlich wissen, war eine Äußerung zum Thema für die Kanzlerin Pflicht. Nun wirkte das "Neuland"-Statement sehr unglücklich formuliert – angesichts der Tatsache, dass für Merkel das Web eigentlich kein Neuland ist. Zumindest tritt sie in regelmäßigen Abständen in YouTube-Videos vor die Kamera.

via Tumblr

Doch so scheint die Kanzlerin nach der Debatte um ein Leistungsschutzrecht, Vorratsdatenspeicherung und Netzsperren ausgesprochen zu haben, was für viele Kritiker schon vorab klar war: Merkel hat keine Ahnung vom Internet. Dafür ist der Spott nun umso größer. So schaffte es #Neuland innerhalb kürzester Zeit in die Trending Topics bei Twitter. "’Hallo, mein Name ist Mustermann, ich möchte gerne ins #Neuland. Durch die Tür hinaus, jeder nur ein ISDN-Modem.‘ (Deutsche Provinz 2013)”, schreibt ein Nutzer. “So ähnlich müssen sich die Indianer gefühlt haben, als Kolumbus bei ihnen ‚Neuland‘ entdeckte”, schreibt eine andere Nutzerin. Schnell fand sich sogar ein Tumblr-Blog, der die Kanzlerin in Kontakt mit dem Internet zeigt.
Netzpolitik.org reagiert treffend: “Für uns ist das Netz nicht mehr Neuland, wir nehmen Sie, Angela Merkel, aber gerne an die Hand, wenn Sie unsicher sind.” Und empfiehlt die Lektüre der  Broschüre “Wie das Internet funktioniert – Eine Anleitung für EntscheidungsträgerInnen und Interessierte”.

via Tumblr

Die Unbeschwertheit, mit der Menschen die neuen Möglichkeiten des Internets nutzten, soll gewahrt bleiben, erklärte die Kanzlerin in Berlin weiter. Man kündigte an, sich weiterhin regelmäßig mit den USA zu Sicherheitsfragen auszutauschen. Darüber hinaus hat Merkel nach eigenen Angaben “sehr ausführlich" mit Obama über das Internet gesprochen und einen "offenen Informationsaustausch" vereinbart. Obama verteidigte bei seinem Berlin-Besuch das Datenüberwachungsprogramm und erklärte, dass es nicht darum ginge, den E-Mail-Verkehr zwischen Europäern und US-Bürgern zu überwachen. Jede Abfrage würde richterlich überprüft und hätte schon in fünfzig Fällen zur Aufdeckung von Anschlagsplänen geführt.
Für Obamas Zugeständnis zu Prism scheint man sich in den Social Networks kaum zu interessieren. Dafür ziehen auf Twitter die Nutzer auch Stunden nach dem Pressetermin über Merkels Faux-pas her: “30.04.2013: Das www feiert 20. Geburtstag. – 19.06.2013 Bundeskanzlerin Merkel: ‚Das Internet ist für uns alle Neuland‘, heißt es da. Oder: “denken ist fuer viele politiker #neuland”.

Immerhin finden sich vereinzelt auch Stimmen, die ihr beipflichten. “Diese künstliche wie genüssliche Aufregung derjenigen, die eine Tastatur und einen Twitter-Account haben, nervt”, heißt es etwa bei die ennommane. “Die heftige Reaktion auf den Begriff Neuland zeigt deutlich, wie tief der digitale Graben ist, wir sehr wir die “Analogen” ablehnen und in welchem Ausmaß wir Netzmenschen mit daran verantwortlich sind. Wir graben uns ein in die sprachliche Abgrenzung unserer Subkulturen voller Nerdspeak, der genau diesen Zweck hat: von Außenseitern nicht verstanden werden.” Auch wenn das amerikanische Regierungsoberhaupt in Kürze wieder abreist, wird #Neuland die deutsche Bundesregierung noch einige Zeit beschäftigen.

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