Die Traffic-Geheimnisse von Bild, Zeit und taz

In einer neuen Serie verrät MEEDIA erstmals, mit welchen Artikeln und auf welchem Wege Nachrichten-Websites erfolgreich sind. In Folge 2 geht es um Bild.de, Zeit Online, taz.de und das Hamburger Abendblatt. Dominiert bei Bild.de der Sport? Promi-Trash? Sind die erfolgreichsten Inhalte bei Zeit Online wirklich super-seriös? Und welche Rolle spielen für die SEO-Profis des Hamburger Abendblattes überhaupt noch die regionalen Inhalte? Einige der Fragen, die wir beantworten wollen.

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Für unsere Untersuchung haben wir wie schon im ersten Teil der Serie die Daten von IVW und AGOF, vor allem aber auch die des Anbieters SimilarWeb herangezogen, da SimilarWeb eine hohe Detailtiefe bietet – und noch dazu eine gute Datenqualität. So lassen sich in der – kostenpflichtigen – Pro-Version des Tools z.B. auch die populärsten Artikel bzw. Seiten eines Angebots anschauen. Selbst bei einer vergleichsweise kleinen Website wie MEEDIA stimmen die Daten über die erfolgreichsten Artikel ziemlich genau mit der gemessenen Realität überein, sodass wir die Hochrechnungen von SimilarWeb erwähnen, ohne natürlich Gewähr für die tatsächliche Korrektheit bis ins kleinste Detail zu übernehmen.

Beginnen wir mit der populärsten Nachrichten-Website des Landes:

Bild.de

Mehr als 270 Mio. Visits erzielte Bild.de laut IVW im Mai 2013. Zwar wird die Website der Sport Bild hier mit einberechnet, sie ist unter der Adresse sportbild.bild.de aber‘>
Die Belegungseinheiten der AGOF bestätigen die Stärke des Sports: 12,27 Mio. Unique User verzeichnete Bild.de im März, 4,54 Mio. davon besuchten auch den Sport. In den Monaten April und Mai werden die Zahlen wegen der Fußball-Spannung noch deutlich darüber liegen. Im März waren die Ressorts "Unterhaltung" (5,85 Mio.) und "News" (5,27 Mio.) noch ein bisschen erfolgreicher, starke Zahlen gab es auch für Politik (3,81 Mio.) und das Regionale (3,74 Mio.).

Bild.de ist dabei wenig abhängig von Suchmaschinen-Traffic. Nur 15,5% der Besucher kamen laut SimilarWeb in den vergangenen drei Monaten über Google & Co. zu Bild.de. Zieht man davon noch die rund 70% derjenigen ab, die nach "Bild" oder "Bildzeitung" gesucht haben, bleibt ein verschwindend geringer Suchmaschinen-Anteil von ca. 5%. Extrem stark ist Bild.de hingegen beim direkten Traffic, der einen Anteil von 69% ausmacht. Bild.de-Leser besuchen die Website also vornehmlich von sich aus, direkt, per Bookmark oder Eingabe in die Browserzeile. Bei den Referrern, also den fremden Sites, die Bild.de durch Links Traffic bescheren, führt wie schon bei Spiegel Online aol.de die Liste an, dahinter folgt das Springer-eigene transfermarkt.de.

Doch welches sind nun die populärsten Seiten auf Bild.de? Neben der Homepage und den Ressort-Übersichten sind das z.B. die Seiten der einzelnen Bundesliga-Clubs. Borussia Dortmund und Bayern München ziehen hier wenig überraschenden den meisten Traffic. Ebenfalls populär: "Der Tag bei Bild.de" mit den Schlagzeilen des Tages. Unter den populärsten Artikeln der vergangenen drei Monate findet sich vor allem die Berichterstattung zum Mario-Götze-Wechsel. Bild.de berichtete als erstes Medium und sorgte damit auch bei Facebook, Twitter & Co. für viel Aufsehen. Viele Abrufe hat Bild.de laut SimilarWeb-Daten auch der Live-Ticker zur Jagd auf die Bostoner Terroristen gebracht. Und natürlich ist auch die Bild-eigene Kernkompetenz, der Promi-Klatsch populär – in den vergangenen drei Monaten u.a. mit Georgina Bülowius und "DSDS"-Kandidatin Sarah. Top-Artikel der vergangenen 12 Monate war übrigens neben dem Götze-Transfer die Live-Berichterstattung zu Felix Baumgartners Stratosphären-Sprung.

Zeit.de

Zeit Online ist im deutschen Online-Nachrichtenmarkt so etwas wie das Gegenstück zu Bild.de. Seriosität pur, kein Boulevard, Sport nur am Rande. Dennoch hat die Website in den vergangenen Jahren kräftig zugelegt – auf inzwischen mehr als 30 Mio. Visits (Mai 2013) und Platz 7 im MEEDIA-IVW-Nachrichten-Ranking. Stärkstes Zeit-Online-Ressort ist lauf AGOF (März 2013) die Politik mit 1,10 Mio. Unique Usern, dahinter folgen Gesellschaft (0,98 Mio.), Kultur (0,90 Mio.), Wirtschaft (0,89 Mio.) und Wissen (0,87 Mio.).

Zwar gehört Zeit Online nicht zu den ganz großen SEO-Königen, mit einem Suchmaschinen-Anteil von 36% am Gesamt-Traffic verfügt man laut SimilarWeb aber über einen größeren Anteil als Seiten wie Spiegel, Bild, n-tv oder FAZ. Fast 50% kommen allerdings über direkte Zugriffe zustande, Zeit Online hat damit eine recht treue Leserschaft. Interessant: Bei den Referrern liegt die Wikipedia weit oben auf Platz 2. Auch hier ist die Nummer 1 aber aol.de, das vielen Nachrichten-Websites ein schönes Traffic-Geschenk macht.

Lustig: Hinter der Homepage ist die zweitstärkste Seite auf Zeit Online die mit den Sudoku-Spielen. Sie ist laut SimilarWeb für mehr als 2% des Zeit.de-Traffics verantwortlich. Direkt dahinter folgt noch ein Spiel – das "Blümchenspiel". Spannend ist, dass auch bei der Zeit – obwohl der Sport hier nur eine untergeordnete Rolle spielt – die stärksten Einzelartikel mit dem Thema zu tun haben. So sorgte in den vergangenen drei Monaten die Steueraffäre von Uli Hoeneß für die meisten Abrufe, dahinter folgen diverse Champions-League-Liveticker aus dem "Sport-Blog" – u.a. der zum Spiel Bayern München – FC Barcelona. Ebenfalls oft gelesen: ein Interview mit einem Sexualpsychologen, die Reportage "Der zärtlichste Porno der Welt" und ein Kommentar zu Angelina Jolies Brust-OP. Auch wenn Zeit Online also ein Seriositäts-Leuchtturm ist – die populärsten Einzelthemen sind auch hier Fußball, Sex und Promi-News.

taz.de:

Stagnation lässt sich hingegen in den IVW-Zahlen von taz.de erkennen. Seit Jahren pendelt die Website um die 5-Mio.-Visits-Marke herum, findet sich im Nachrichten-Ranking inzwischen nur noch auf Platz 23. Belegungseinheiten hat die taz bei der AGOF nicht angelegt, die Detail-Zahlen bei der IVW sind unauffällig. Aus den Daten von SimilarWeb ist generell zumindest herauszulesen, dass die Inhalte der Print-taz auch auf der Website populär sind, zudem die Ressorts Politik und Debatte.

Bevor wir zu den populärsten Einzelseiten auf taz.de kommen noch ein paar Worte zum Nutzerfluss: Fast 50% der taz.de-Leser besuchen die Seite direkt, mehr als 30% kommen über Suchmaschinen, 12% über Links auf fremden Websites und 6,5% über soziale Netzwerke – das ist ein deutlich überdurchschnittlicher Wert. Die taz profitiert also eindeutig von Facebook, Twitter & Co. Bei den Referrern führt die Wikipedia hier sogar die Liste an, dahinter folgen das Blog "NachDenkSeiten" und Spiegel online.

Was bei der Zeit die Sudokus sind, sind bei der taz offenbar die Tom-Comics. Der "Tom des Tages" ist laut SimilarWeb nämlich hinter der Homepage und der Debatten-Übersichtsseite die populärste Einzelseite auf taz.de. Zu den populären Artikeln gehören u.a. ein Interview mit dem Millionär Peter Krämer, ein älterer Text zum Thema "Ist kinox.to-Gucken strafbar?", der wahrscheinlich über Google weiterhin sein Publikum findet, sowie eine kritische Auseinandersetzung mit Femen. Und auch bei der taz hat der Fußball für viele Klicks gesorgt – in Form eines Artikels zum Champions-League-Spiels Dortmund vs. Malaga. Stark ist zudem die Schwerpunkt-Seite "Rechter Terror".

Abendblatt.de

Spannend ist auch der Blick auf die Daten des Hamburger Abendblatts. Auf den ersten Blick eins der erfolgreichsten Regionalmedien im Netz – auf den zweiten Blick abzüglich fremder, mitgerechneter Websites und massiven SEO-Maßnahmen nicht mehr ganz so erfolgreich. 8,7 Mio. Visits erreichte das Abendblatt laut IVW im Mai, es waren auch schonmal mehr als 12 Mio. Die Visits erreichte allerdings das IVW-Angebot "Hamburger Abendblatt" und nicht etwa die unter abendblatt.de abrufbare Website. Die ist nämlich nur für 50% der Page Impressions des IVW-Angebots verantwortlich. Der Rest entfällt auf andere, mitgerechnete Angebote wie immonet.de, das-onlinespiel.de oder vesseltracker.com.

Von diesem 50%-Anteil des Traffics, der auf Abendblatt.de entfällt, stammen laut SimilarWeb satte 58% von Suchmaschinen. Das Abendblatt gehört damit ganz eindeutig zu den SEO-Königen der News-Branche. Nur ein Drittel der Abendblatt-Besucher kommt direkt auf die Seite, die Referrer, die dem Abendblatt den meisten Traffic bescheren, sind die Wikipedia, transfermarkt.de und welt.de.

Wie die Daten der AGOF zeigen, ist das Abendblatt dennoch am stärksten bei den regionalen Inhalten: Mit 520.000 Unique Usern ist das Ressort "Hamburg" das Top-Ressort. Allerdings: Angesichts einer Gesamt-Nutzerschaft von 1,99 Mio. ist das ein recht geringer Wert, der mit dem hohen Suchmaschinen-Traffic zu erklären sein dürfte. Die nächstgrößten AGOF-Belegungseinheiten sind "Nachrichten" (510.000), "Aus aller Welt" (450.000) und Sport (290.000). In den Monaten April und Mai, als es beim Fußball spannend wurde, dürfte der Sport noch weiter oben zu finden sein, in den Daten von SimilarWeb ist der Sport im Zeitraum März bis Mai nämlich das Top-Ressort vor "Hamburg".

Dass das Abendblatt im Netz aber eben doch ein regionales Medium ist, zeigt sich beim Blick auf die populärsten Seiten. So ist die Übersicht über die aktuellen Trauer-Anzeigen nach der Homepage die Seite mit dem größten Traffic. Ebenfalls populär: die Job-Suche, "Das tägliche Kreuzworträtsel" und das extrem populäre "HSV-Blog" von Dieter Matz. Bei den erfolgreichsten Einzelartikeln zeigt sich dann aber doch der SEO-Faktor: Massenweise Champions-League-Ticker finden sich hier auf den vorderen Plätzen – ganz vorn wieder der zum Spiel Bayern vs. Barcelona -, außerdem ein Artikel zur Streaming-Plattform Movie2k, einer zu Fußball-Streams – ein Thema, mit dem ja die tz so erfolgreich ist -, sowie Unterhaltungs-Themen wie "Schlag den Raab", Helene Fischer und Florian Silbereisen. Man könnte also sagen, dass das Abendblatt zwei Gesichter hat: das Regional-Medium für die Hamburger – und das überregionale Google-optimierte Medium, mit dem die Zahlen gepusht werden.

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