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Die Lewandowski-Kampagne der Bild

Es gibt viele untrügliche Zeichen dafür, dass der Bild ein Thema besonders am Herzen liegt. Dies ist zum Beispiel immer dann der Fall, wenn die Boulevard-Profis in der Landesprache eines vermeintlichen Konterparts schreiben. Beim Fußballer Robert Lewandowski war das am Dienstag der Fall. Sportchef Walter M. Straten kommentierte auf einmal sehr scharf und auf polnisch. Damit war der Ton vorgegeben. Aktueller Spin: Der Stürmer betrügt bei Facebook. Belege dafür gibt es nicht.

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Die Ausgangslage in der Lewandowski-Soap ist recht einfach. Der Stürmer von Borussia Dortmund will zum FC Bayern München wechseln. Allerdings hat er noch einen Vertrag bis zum Ende der nächsten Saison. Dortmund sagt nun, dass der Stürmer zwar – gegen eine hohe Ablösesumme – ins Ausland wechseln dürfte, aber nicht zu Bayern. Wenn er nach München will, muss er noch ein Jahr im Pott kicken. Das will der Angreifer nicht und geht nun seit Anfang der Woche auch verbal in die Offensive. Der FC Bayern wiederum präsentiert sich als Defensivkünstler und sagt nicht ein Wort.
Einige Medien, darunter natürlich auch Bild und Sport Bild versuchen bereits seit Wochen, aus dem Lewandowski-Wechselspiel, das bislang eher einer lahmen Komödie glich, ein Drama zu schnitzen. Das scheiterte bislang am Schweigen der Bayern und des Stürmers. Diese Zeiten sind vorbei. Nachdem der BVB-Boss Hans-Joachim Watzke am Sonntag via Bild endlich ein "Machtwort" sprach und den Angreifer offiziell zum Bleiben verdonnerte, äußerte sich auch endlich der polnische Nationalspieler. Er zeigt sich enttäuscht und verwies auf eine angebliche Zusage, die allerdings umgehend aus Dortmund dementiert wurde.
Das Lewandowski-Zitat versetzte die Boulevard-Presse allerdings endlich in die Lage, klare Fronten aufzubauen. Die aufrechten Dortmunder auf der einen Seite und auf der anderen Seite der Profi, der gegen Real Madrid vier Tore schießt, dem ganz Europa zu Füßen liegt, der aber trotz laufendem Vertrag nur des Geldes wegen den Klub wechseln will. Die daraus resultierende Rollenverteilung: Der BVB ist im Recht und will nur, dass sein Angestellter seinen Kontrakt erfüll. Lewandowski ist der Söldner, dem es nur um den eigenen Profit geht.
So fasste Bild-Sportchef den Fall in seinem Kommentar am Dienstag zusammen. Unter der Zeile "Lesen Sie Ihren Vertrag, Herr Lewandowski" schreibt Straten: "Zur Erinnerung, Herr Lewandowski: Ihr Vertrag in Dortmund läuft bis Sommer 2014. Bis dahin haben Sie verdammt noch mal die Pflicht, Ihre Leistung für Ihren Arbeitgeber zu bringen – wie jeder andere Arbeitnehmer auch!" Der Mann scheint richtig empört. Weiter geht der Text: "Falls Sie Deutsch nicht so genau verstehen, hier die polnische Übersetzung": Was folgt ist ein Absatz auf polnisch. Nicht die feine Art. Wenn eine deutsche Zeitung einen Kommentar auf polnisch druckt, in dem steht, dass sich der Pole an deutsche Verträge zu halten hat, hat das immer einen sehr schalen Beigeschmack. Das war eine gezielte Provokation des Bild-Sportchefs.
Spätestens seit dem Kommentar folgt die Bild dieser Meinungslinie. Der aktuelle Weiterdreh ist die Spekulation, dass sich der Stürmer bei Facebook hunderttausende Fans gekauft haben könnte. Der mögliche Facebook-Fan-Fake ist ein weiterer Beleg dafür, dass der Stürmer bislang eigentlich wenig falsch gemacht hat. Denn tatsächlich kann die Bild ihre Behauptung nicht belegen.
Bis vor einer Woche hat Lewandowski einfach geschwiegen und Tore geschossen. Da sah er nicht schlecht aus. Im Gegensatz zu seinen Beratern. Maik Barthel und Cezary Kucharski scheinen es sich nachhaltig mit vielen in der Branche verscherzt zu haben. Passend dazu bringt die Bild am heutigen Freitag auch noch ein Interview mit dem Vorstandsmitglied der Deutschen Spielervermittler-Vereinigung, Ronny Zeller. Quintessenz: Der BVB-Stürmer wird schlecht beraten.  
Tatächlich gaben sich die Berater mit ständigen Zwischenrufen, vor allem in der polnischen Presse, größte Mühe, maximale Aufmerksamkeit zu erreichen. Bereits vor Wochen verglich die Welt sie mit Lolek und Bolek.
Dass die Bild einen Fußball-Profi als Söldner abstempelt und auf dem Kieker hat, ist nichts ungewöhnliches und mag teilweise sogar zum Geschäft gehören. Was den Fall oder genauer die Kampagne Lewandowski von anderen Beispielen aber unterscheidet, ist der Umstand, dass der Stürmer keine ernstzunehmenden Fürsprecher hat. Die Bayern schweigen einfach. Solange sich Rummenigge, Sammer & Co. nicht äußern und ihren potenziellen Neuzugang nicht verteidigen, bleibt Lewandowski in der Boulevard-Presse zum Abschuss freigegeben.
Selbst wenn der Stürmer moralisch und juristisch nicht im Recht ist, braucht er trotzdem jemanden, der im beispringt, ihn verteidigt und ihm hilft. Seine Berater scheinen dazu nicht in der Lage. Noch ist kein Ende der Story in Sicht und die Sommerpause inklusive Sommerloch ist noch lang. Die Story wird uns wohl noch lange beschäftigen.

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