Spielberg: „Die Filmindustrie implodiert“

Wenn zwei der erfolgreichsten Filmemacher unserer Zeit über einen Paradigmenwechsel in der Kinobranche sprechen, dann hört die Filmindustrie gewiss zu. Im Rahmen einer Eröffnungszeremonie an der School of Cinematic Arts der Universität von Kalifornien hielten George Lucas und Steven Spielberg eine Rede, in der sie ein düsteres Bild der Zukunft der Kinos zeichneten - nicht nur aus Sicht der Zuschauer. Eine Reihe von Multimillionen-Megaflops steht demnach kurz bevor, die die Branche nachhaltig verändern wird.

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Spielberg, immerhin Regisseur und Produzent unzähliger Blockbuster, ist sich sicher: Eine Implosion der Filmindustrie steht kurz bevor. So sagt er eine Reihe von Flops von Multi-Millionen-Blockbustern mit großen Budgets voraus. Tritt dieser Fall ein, würde das die Filmindustrie für immer verändern. Was danach kommt, glaubt Spielberg schon jetzt zu wissen: “Sie müssen dann 25 Dollar für ‘Iron Man’ zahlen, aber wahrscheinlich nur sieben Dollar für ‘Lincoln’”, zitiert der Hollywood Reporter den Filmemacher.
George Lucas pflichtet seinem Kollegen bei. Er glaubt, dass sich die Kinobranche mehr in Richtung eines Broadway-Programms entwickelt. Das würde bedeuten, dass viel weniger Filme in den Kinos laufen, dafür aber länger. Dabei ließ es sich der 69-Jährige nicht nehmen, auf Spielbergs Welterfolg mit “E.T.” hinzuweisen, der über ein Jahr in den Kinos lief. Kurios: Ausgerechnet Lucas beklagt sich über die enormen Marketingkosten, die es bräuchte, um die Kinokassen klingeln zu lassen. Dabei würde man das Nischenpublikum ausschließen.
Damit entstehe eine Hürde, die gerade junge Filmemacher ausschließen würde, glaubt Spielberg. “Viele Ideen der jungen Kreativen sind zu grenzwertig für das Kino”, so Spielberg. “Davon geht eine große Gefahr aus. Wir reden hier von einer Implosion, bei der drei, vier oder ein halbes Dutzend megabudgetierte Filme mit wehenden Fahnen untergehen.” Der 66-Jährige selbst weiß, wie schwierig es geworden ist, einen Film überhaupt in die Kinos zu bekommen. So erklärte er vor den Filmstudenten, dass sein oscarprämierter Historienstreifen “Lincoln” kurz davor stand, im TV ausgestrahlt zu werden. Möglich wurde es nur, weil Spielberg Teilhaber seines Filmstudios ist – und somit einen großen Teil der wirtschaftlichen Risiken mittragen konnte.
Dennoch sehen die Filmemacher das Fernsehen nicht als Abwertung ihrer Arbeit. Im Gegenteil: Gerade weil man dort auch ein Nischenpublikum ansprechen könnte, ist das TV laut Lucas weitaus abenteuerlicher geworden. Lob gab es von Spielberg zudem für den Streamingdienst Netflix, der mit der Originalproduktion “House of Cards” mit Kevin Spacey in der Hauptrolle eine Achtungserfolg erzielte.

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