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Gebt Zamperoni die “Tagesthemen”!

Die Frage, wer dem neuen WDR-Intendanten Tom Buhrow als Moderator der “Tagesthemen” nachfolgt, droht zu einer typisch öffentlich-rechtlichen Proporz-Posse zu werden. Laut Tagesspiegel gibt es Bestrebungen, eine Dopelspitze zu installieren. Ingo Zamperoni (NDR) und Thomas Roth (WDR) könnten sich den Job aufteilen. Das wäre Unfug. Zamperoni ist der richtige Mann für die “Tagesthemen” - er hat nur das falsche Sender-”Parteibuch”. Zeit, dass sich die ARD von solchen Proporz-Planspielen befreit.

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Ingo Zamperoni arbeitet für den NDR, moderiert bereits das “Nachtmagazin” und vertretungsweise die “Tagesthemen”. Er ist jung, moderiert souverän und kompetent, hat eine sympathische Ausstrahlung. Er ist der perfekte Kandidat für die Tom-Buhrow-Nachfolge. Wenn er nicht zum NDR gehören würde. So ist das nämlich bei der ARD – wichtige Posten sind streng nach Sender-Arithmetik aufgeteilt, damit sich auch ja keine der Anstalten übervorteilt sieht. Wenn es, wie hier, um die beiden größten ARD-Anstalten WDR und NDR geht, sind die Empfindlichkeiten im Regelfall sogar besonders groß.

Bisher sind Tom Buhrow und Caren Miosga die “Tagesthemen”-Moderatoren. Buhrow gehört zum WDR, den er als Intendant nun sogar führt. Caren Miosga gehört zum NDR. Würde nun NDR-Mann Ingo Zamperoni auf Tom Buhrow folgen, dann hätten die “Tagesthemen” ja zwei NDR-Moderatoren – Schockschwerenot! Die Zuschauer würden’s freilich nicht merken. Die würden sich womöglich über die beiden guten Moderatoren freuen. Doch im WDR grummelt es. Ohne Not würde man dem konkurrierenden ARD-Sender eine wichtige Personalie überlassen, auf die man doch eigentlich “ein Recht” hat.

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Neu-Intendant Tom Buhrow befindet sich in seiner ersten Zwickmühle. Entscheidet er nach Zuschauer-Interesse und im Interesse der ”Tagesthemen”, dann müsste er damit einverstanden sein, dass Zamperoni sein Nachfolger wird. Buhrow würde Stärke zeigen, indem er dem NDR-Mann Zamperoni den Vortritt lässt. Aber ist das auch im Interesse seines Senders? An diesem Beispiel sieht man exemplarisch, wie die Interessen von Zuschauern und Programm mit den politischen Sender-Interessen über Kreuz liegen können. Dieses Dauer-Dilemma erklärt so manche Kapriole im komplizierten ARD-Programm.

Im Falle der Doppel-Lösung würde die ARD laut Tagesspiegel den WDR-Mann Thomas Roth einmal pro Monat für eine Woche von New York (wo er das ARD-Büro leitet) nach Hamburg einfliegen lassen, um die “Tagesthemen” zu moderieren. Für den Proporz wäre kein Weg zu weit. Zuschauer müssten sich an mehr wechselnde Gesichter bei den “Tagesthemen” gewöhnen. Das schlüssige Konzept mit zwei abwechselnden Moderatoren wäre perdu. Hoffen wir, dass es nicht so weit kommt. Die Nachfolge bei den “Tagesthemen” ist schon die erste Bewährungsprobe für den neuen WDR-Intendanten Tom Buhrow. Er sollte Stärke zeigen und Ingo Zamperoni seine Nachfolge antreten lassen.

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