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Am Kiosk: Der menschliche Adblocker

Am Kiosk gewesen, die Zeit gekauft. Ich reiche dem Chef hinterm Tresen das Blatt, er nimmt's, dreht es um und lässt alle Beilagen rauspurzeln. Ein Magazin, eine weitere redaktionelle Beilage – und ein paar Werbezettel. Inklusive eines Bestellformulars für ein Zeitungsabo. Werbung und Abo-Formular wirft er dann umgehend in den Mülleimer. "Alles Schrott." Erfrischend pragmatisch, der Mann, denke ich mir, frage mich dann aber auch: Darf der das? Einfach so?

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Am Kiosk gewesen, die Zeit gekauft. Ich reiche dem Chef hinterm Tresen das Blatt, er nimmt’s, dreht es um und lässt alle Beilagen rauspurzeln. Ein Magazin, eine weitere redaktionelle Beilage – und ein paar Werbezettel. Inklusive eines Bestellformulars für ein Zeitungsabo. Werbung und Abo-Formular wirft er dann umgehend in den Mülleimer. "Alles Schrott." Erfrischend pragmatisch, der Mann, denke ich mir, frage mich dann aber auch: Darf der das? Einfach so?

Der Kiosk-Besitzer als eine Art menschlicher Adblocker – das habe ich so noch nicht erlebt. Und so sehr ich den Lesern nicht beipflichten kann und will, die sich über "zu viel Werbung" in Zeitungen und Zeitschriften echauffieren (Medien sind auf Werbung angewiesen, sie gehört zum Produkt dazu und hat gerade in Zeitungen auch einen relativen Informationswert, darüber hinaus gibt es sicher heute nicht mehr Werbung als früher, die Werbeumsätze zeigen das): die Beileger nerven wirklich. Sie landen bei mir als Erstes im Müll. Devise: Ballast abwerfen.
Hemdenfirmen lassen vorzugsweise Beileger drucken, Computerdruckerhersteller und Weinhändler, der Online-Schuhversand Zalando ließ neulich großflächig einen Pappkarton mit 10-Euro-Gutschein beilegen. Vor allem Frauenzeitschriften strotzen vor Beilegern. In einer einzigen Ausgabe eines Titels gefunden: Broschüren eines Musikreise-Veranstalters, eines Mode-Versandhändlers, eines Hemdenherstellers, eines Fotolabors für großformatige Drucke.
Und dann sind da noch die ominösen weißen Umschläge ohne Aufdruck oder Absender. Darin befinden sich meistens Angebote für Bildungsrundreisen. Zuletzt gefunden: eine 5-Sterne-Reise ("Auf den Spuren der Apostel") in die Türkei. "Gemeinsam mit TV-Weltreporter Dieter Kronzucker für Sie zusammengestellt!" Statt 799 nur 99 Euro. Inklusive Flug, Übernachtung, Frühstück, Rundreise. Ich verstehe, dass Werbung auch der Realsatire verwandt sein kann.
Es gibt also gute Gründe, warum ich meinem Kiosk-Chef dankbar bin für seine uneigennützige Intervention. "Und was, wenn ich nun ein Abo hätte abschließen wollen, mit diesem Formular?", frage ich dann noch. "Das will keiner", lautet die selbstsichere Antwort. 

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Mit Dank an Rainer Stadler für die Idee zur Überschrift.

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