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Weltbild entfernt erneut schwule Literatur

Sadomaso-Literatur rein, Bücher schwuler Autoren raus: Der Weltbild-Verlag steht erneut in der Kritik. Das zur katholischen Kirche gehörende Unternehmen nahm sämtliche Ausgaben von "Schwule Liebesgeschichten aus aller Welt" aus dem Sortiment und kündigte die Zusammenarbeit mit dem US-Verlag Icon Empire Press. Die Begründung: Man sei an “traditionellen Werten” interessiert. Der Verlag wirft dem katholischen Buchhändler nun Bigotterie vor, würde er derzeit doch den Erotik-Bestseller “Shades of Grey” vermarkten.

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Auf Unverständnis beim Verlag verstößt laut queer.de die Entscheidung des Buchhändlers, die Zusammenarbeit komplett zu beenden. So würde man mit größeren Verlage nicht verfahren. Tatsächlich findet sich im Sortiment weiterhin der Sadomaso-Bestseller “Shades of Grey” von E. L. James (MEEDIA berichtete). Es ist darüber hinaus nicht das erste Mal, dass Weltbild schwule Literatur aus dem Handel nimmt. Bereits 2011 entfernte man ein Buch des Autors Jürgen Friedenberg aus den Regalen. Damals argumentiert man mit einer Order von oberster Stelle.

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Zuvor hatte sich Papst Benedikt XVI. eingeschaltet und sich gegen die Verbreitung “von Material erotischen oder pornographischen Inhalts, gerade auch über das Internet” ausgesprochen und damit auch das Online-Angebot des kircheneigenen Verlags kritisiert. Das Sortiment von Weltbild.de beinhaltete neben Belletristik, Sachbüchern und Fachliteratur auch einen Erotik-Bereich, in dem beispielsweise die Bücher aus dem Hamburger Verlag Blue Panther Books mit den Titeln “Schlampen-Internat”, “Vögelbar” oder “Anwaltshure” anbot.
Seit 2008 gibt es immer mal wieder Überlegungen seitens der Kirche, Weltbild zu verkaufen. Damals entzündete sich eine Debatte um den in Kirchenkreisen umstrittenen Dan Brown-Bestseller "Sakrileg", den der Verlag massiv beworben hatte. 2011 suchte die katholische Kirche ernsthaft nach einem Käufer für das Unternehmen, jedoch erfolglos. Zuvor hatten sich die Kardinäle Joachim Meisner und Reinhard Marx zu Wort gemeldet. Meisner forderte, sich von dem Verlag "radikal zu trennen". Marx kritisierte: "Wir können noch so große Medienkonzerne haben – wenn sie nicht das Ziel haben, das Evangelium zu verkünden, geht es in die falsche Richtung."
Der Autor des umstrittenen Buches, Joseph Greene, hält den Verkaufsstopp für sein Buch für einen wirtschaftlichen Fehler. "Mit einem so starken Konkurrenzkampf in Deutschland wird ihnen das auf lange Sicht schaden", zitiert queer.de den Autor. Momentan betreibt Weltbild mehr als 330 Filialen in Deutschland. Dass der Verlag dennoch keine Probleme hat, Titel aus dem Sortiment zu nehmen, die nicht zum eigenen "Weltbild" passen, bewies das Unternehmen zuletzt mit einem Verkaufsverbot für den Aufklärungs-Bestseller "Make love".

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