Anzeige

“Tagesschaum”: ein Hauch von “ZAK”

Es war einmal ein satirisch-politisches Magazin im Ersten, das wurde von einem schlaksigen Mann mit hoher Stirn und spitzer Zunge moderiert. Der Moderator hieß Friedrich Küppersbusch, das Magazin hieß “ZAK” und es war Ende der 80er bis Mitte der 90er Jahre. “ZAK” genoss in eher linken und eher intellektuellen Kreis Kultstatus. Heute hat Küppersbusch noch weniger Haare und sendet bis zur Bundestagswahl fast täglich 15 Minuten  “Tagesschaum” im WDR Fernsehen. Ein bisschen ist es so wie früher.

Anzeige
Anzeige

“Tagesschaum” ist wie “ZAK” – nur ohne die Beiträge. Das ist als Kompliment gemeint, denn schon bei “ZAK” waren die sprachlich fein ausgearbeiteten Gemeinheiten in Anmoderationsform das Beste an der Sendung. Jetzt macht der gealterte, dürre Mann, der mit seiner Firma pro bono auch allerlei Privat-TV-Krempel wie “Raus aus den Schulden” oder “Der große Deutschtest” produziert, also wieder Politsatire im TV – wenn auch “nur” im Dritten Programm des WDR. Und es scheint ihm zu gefallen.

“Tagesschaum” geht bis zur Bundestagswahl am 22. September dreimal pro Woche (montags, dienstags, donnerstags um 23.15 Uhr) für je eine Viertelstunde auf Sendung. Das müssen Sie sich aber nicht merken, denn “Tagesschaum” ist eigentlich ein Web-TV Format, das aus unerfindlichen Gründen ins Fernsehen purzelt. Ins Web aber, auf Youtube, da gehört es hin. Da passt die kompakte Sendezeit von nur 15 Minuten, da passt die Rumpel-Kulisse samt Wackelkamera, da passen die knappen, pointierten Einspieler.

“Tagesschaum” will roh und experimentell wirken. Küppersbusch sitzt an einem Tisch, im Hintergrund steht oder liegt was rum, er redet sich durch den Tag. Es geht um Steinbrücks “Inkontinenz-Team”, um den Drohnen-Minister. Es gibt eine Gaga-Rubrik namens “Irgendwas mit Hitler” und eine Auflistung der “besten Menschen” (u.a. Markus Lanz auf Platz drei). Nebenher wechselt die Kamera-Perspektive, Küppersbusch spricht das Publikum mal direkt an, moderiert dann nuschelnd weiter, die Gag- und Inhaltsdichte ist ziemlich hoch, das Tempo schnell.

Anzeige

Da kommt nicht jeder mit. Dieser “Tagesschaum” ist anspruchsvolles und unterhaltsames Fernsehen der ganz modernen Art und somit als TV-Experiment vom WDR geglückt. Das Format bewegt sich selbstverständlich bei Twitter, Facebook und YouTube (sogar bei Google+!), ohne dass man das in der Sendung groß betont – die Zielgruppe weiß Bescheid und wer’s nicht kapiert soll halt was anderes gucken.

Dieser “Tagesschaum” hat, was viele andere Sendungen gerne hätten: Substanz. Das Format ist auch ein Fingerzeig, wie eine (fast) tagesaktuelle, politische, unterhaltsame und intelligente Sendung funktionieren kann. Dass dieses erfreuliche Experiment im WDR Fernsehen nur wenige Zuschauer im TV hat, sollte die Macher und Verantwortlichen nicht jucken. “Tagesschaum” ist ein Nischenprogramm – aber genau dafür sind die Öffentlich-Rechtlichen ja da. Unter anderem.
Hier ist die erste Ausgabe von "Tagesschaum":
###YOUTUBEVIDEO###

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*