CSU-Politiker mahnen Rentnerin ab

In Augsburg scheint die Politik bzw. einige CSU-Würdenträger ein besonderes Verhältnis zur Presse und kritischen Meinungsäußerungen von Lesern und Nutzern zu haben. Im Februar ließ der Ordnungsreferent Volker Ullrich die Redaktionsräume der Augsburger Allgemeinen durchsuchen. Er fahndete nach der Identität eines Forum-Mitgliedes, dass ihn beleidigt haben soll. Neueste Posse: Zwei CSU-Politiker mahnen eine Rentnerin ab, weil diese einen Leserbrief geschrieben hatte, dessen Inhalt den Würdenträgern nicht gefiel.

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Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, fordern der Landtagsabgeordnete Bernd Kränzle und der Kreisvorsitzende Rolf von Hohenhau die 68-Jährige Johanna Holm ultimativ auf, ihre Äußerung zurückzunehmen, die sie einem Leserbrief aufgestellt hatte. Sollte die Rentnerin auf Stur stellen würde eine Vertragsstrafe von jeweils 5000 Euro fällig. Auch zur Form der Entschuldigung haben die beiden CSU-Führungskräfte klare Vorstellungen. Wiederum via Leserbrief in der Augsburger Allgemeinen solle sie sich erklären.

Der Leserbrief erschien in der Augsburger Allgemeinen und beschäftigte sich mit dem Umstand, dass Christian Ruck bei der kommenden Wahl nicht mehr für den Bundestag kandidieren würde. In Bezug auf Kränzle schreibt die streitbare Seniorin: „Im 70. Jahr angekommen, kickt er mit seinen Verbündeten Johannes Hintersberger und Herrn von Hohenhau zwei verdiente Männer wie Christian Ruck und Rainer Schaal aus dem Feld, um den Kandidaten Volker Ullrich ins Rennen für den Bundestag zu schicken.“ In dieser Formulierung sehen die beiden Politiker eine falsche Tatsachenbehauptung und sich öffentlich herabgewürdigt.

Holm dürfte für Kränzle und von Hohenhau keine Unbekannte sein. Immerhin war sie selbst einige Jahre Vorsitzende der Frauen-Union im Kreisverband West. Gegenüber mehreren Medien kündigte sie bereits an standhaft bleiben zu wollen.

Längst gehen die Wellen, die die Provinz-Posse schlägt, über die Stadtgrenzen der Fuggerstadt hinaus. Der Fall erregt bundesweit Aufmerksamkeit und die Kritik am Vorgehen der CSU-Politiker nimmt zu. Das merkte offenbar auch Kränzle und gab mittlerweile klein bei. "Die Sache ist für mich inzwischen erledigt“, zitiert ihn die Augsburger Allgemeine. Von Hohenhau beharrt dagegen offenbar auch weiterhin auf seiner Position: "Wenn jemand fälschlicherweise behauptet, dass ich meinen Freund rauskicke, dann lasse ich mir das nicht gefallen."

Die Grenzen zwischen Prinzipientreue, Halsstarrigkeit und Kritikunfähigkeit scheinen in diesem Fall zu verschwimmen. Für Politiker ist das nicht gut. Tatsächlich wird sich spätestens mit der Berichterstattung der Süddeutschen und des Bayerischen Rundfunks auch die Parteispitze in München mit dem Fall beschäftigen. Der Druck auf von Hohenhau wird sicherlich zunehmen und damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass auch er einlenkt.

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