PRISM-Whistleblower outet sich im Guardian

Die US-Geheimdienste haben nach Bradley Manning den nächsten jungen Geheimnisverräter: Ed Snowden ist der Mann, der die Details zu NSA-Überwachungssoftware PRISM an die Presse durchsteckte. Nun outet sich der 29-jährige IT-Fachmann in einem zwölfminütigen Interview mit dem Guardian. Es ist die Flucht nach vorne, denn ab sofort zählt der Ex-CIA-Mitarbeiter, der schon früh in die Privatwirtschaft wechselte, zu den meistgesuchten Personen der Welt.

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Geschätzte 200.000 Dollar Jahresgehalt, Haus und Arbeit auf Hawaii, eine Freundin und eine Karriere im Geheimdienst der USA. All das schon im Alter von 29 Jahren. Warum daran etwas ändern, mag sich man einer jetzt fragen. Doch im Guardian-Interview erklärt Snowden, warum er den Status quo nicht mehr ertrug. Er wolle nicht mehr in einer Welt leben, in der jede Unterhaltung überwacht werden könne. Dafür hat er seinen Arbeitsplatz bei Booz Allen Hamilton, einer Vertragsfirma der US-Geheimdienste, unangekündigt verlassen.
Momentan hält sich Snowden offenbar in Hong-Kong auf. Das behauptet zumindest der Guardian. Der junge Techniker hofft jetzt auf eine Regierung, die im Asyl gewährt. "Ich erwarte nicht, mein Zuhause wiederzusehen", erklärte er gegenüber der Washington Post. Das wird er sehr wahrscheinlich auch nicht. Der Fall “Bradley Manning” zeigt, wie rigoros die US-Regierung derzeit gegen Whistleblower vorgeht. Der Wikileaks-Informant muss ich vor einem Militärgericht verantworten. Zuletzt erhob die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) schwere Vorwürfe gegen das US-Justizministerium. Die Behörde verschaffte sich Zugriff zu Anruflisten des Unternehmens und einiger Redakteure aus zwei Monaten in 2012.  Offenbar wollte die Regierung auf diese Weise an Whistleblower in den eigenen Reihen herankommen.
Das, was Snowden an die Presse weitergeleitet hat, ist ein historischer Coup und für die NSA ein Super-GAU. Denn seitdem Details aus einer Präsentation für Geheimdienstzwecke bekannt geworden sind, sind damit auch zwei riesige Überwachungsprojekte aufgeflogen: das Anzapfen von Telefongesprächen und der uneingeschränkte Zugriff auf die Serverdaten von Facebook, Apple, Yahoo, AOL und weitere IT-Unternehmen.
Aus Unterlagen, die dem Guardian‘>Beim Abhören der Telefonleitungen seien aber auch nationale Gespräche überwacht worden.
Die betroffenen Konzerne beteuern, nichts von Informationsflüssen zur NSA gewusst zu haben. Ein Apple-Sprecher sagte gegenüber dem Guardian, man habe niemals etwas von der sogenannten "Prism"-Aktion gewusst. "Wir gewähren keiner staatlichen Behörde direkten Zugriff auf unsere Server." Bei Yahoo, Mircosoft und Google bekommt das Blatt ähnliche Antworten. Informationen seien nur auf richterliche Beschlüsse herausgegeben worden, heißt es.
Welche rechtlichen Konsequenzen Snowdens Verhalten hat, ist noch unklar. Erste US-Politiker fordern strafrechtliche Ermittlungen. Die Regierung selbst erklärt lediglich, dass das Justizministerium sich mit der Sache befasse.

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