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Türkische TV-Show trickst Zensur aus

Wer sich in der Türkei in offiziellen Medien über die Massenproteste in Istanbul informieren will, schaut in die Röhre. Große TV Sender und Zeitungen ignorieren die regierungskritischen Proteste, die sich an geplanten Umbaumaßnahmen des Gezi-Parks entzündet haben, weitgehend wegen staatlicher Zensur. Eine TV-Show hat aber einen cleveren Weg gefunden, das Thema trotzdem zu transportieren: Alle Antworten bei “The Word Game” drehten sich um die Proteste.

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Bei “The Word Game”, das in der Türkei bei Bloomberg TV ausgestrahlt wird, müssen Kandidaten Worte zu Umschreibungen bilden. Laut Berichten, u.a. bei The Atlantic Wire und der New York Times, drehten sich alle 70 Antworten bei der Game-Show vom vergangenen Montag um die OccupyGezi-Proteste in der Türkei. So war beispielsweise die Lösung “Gezi” das türkische Wort für “Reise” – aber eben auch der Name des Parks, der zum Symbol für den regierungskritischen Widerstand in der Türkei geworden ist.

Andere Antworten für scheinbar harmlose Umschreibungen waren “Twitter”, “Freiheit”, “Solidarität” und “Diktator”. Die letzten beiden Antworten aus der Show lauteten: “Rücktritt” und “Entschuldigung”. Ein überdeutliches Signal an den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan, der mit brutaler Polizeigewalt gegen Demonstranten vorgegangen war. Auf Betreiben der Regierung wurden sogar Leute verhaftet, die bei Twitter über die Proteste berichtet hatten.

Der türkische Staat kann Nachrichtenmedien zensieren, wenn die öffentliche Ordnung und Sicherheit in Gefahr ist. Offenbar geschieht dies gerade in der Türkei. Nachdem die aufmüpfige Ausgabe von “The Word Game” live ausgestrahlt war, wurde der Sender gezwungen, aufgezeichnete Wiederholungen zu senden.

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