Presserat rügt taz und Lauf-Magazine

Der Deutsche Presserat hat sieben neue Rügen ausgesprochen. Besonders auffällig: In drei der ermahnten Fälle handelt es sich um Laufmagazine, die auf ihren Covern Schleichwerbung für einen Sportartikelhersteller platziert haben sollen. Außerdem gerügt wurde die Fachpublikation Kanzlei Life, die Boulevardzeitung tz aus München und die Berliner taz wegen einer Schlagzeile zur Papst-Wahl. Wie so oft kassierte auch Bild.de eine Rüge – diesmal wegen vorschneller Verurteilung.

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Condition, Laufzeit und Running, drei Fachmagazine zum Thema Laufen, wurden wegen Schleichwerbung gerügt. Auf den Covern der März-Ausgabe wurden jeweils ähnliche PR-Fotos der Sportfirma Adidas gezeigt. Auf den Titelbildern präsentierten bekannte Läuferinnen einen neuen Laufschuh des Unternehmens – Für den Presserat ist das eindeutig Schleichwerbung, die gegen die Ziffer 7.2 des Pressekodex verstößt. Dort wird die besondere Sorgfalt beim Umgang mit PR-Material gefordert.

Fast 50 Leserbeschwerden lagen dem Presserat zu einem Artikel der Berliner taz vor. Es ging um die Überschrift "Junta-Kumpel löst Hitlerjunge ab", anlässlich der Wahl von Papst Franziskus. Für den Presserat ist diese Zeile eine nicht bewiesene Tatsachenbehauptung, die gerügt wurde. "Die Erkenntnisse über die Nähe des Papstes zur argentinischen Militärdiktatur reiche nicht aus, um sie in der Überschrift mit der Bezeichnung "Junta-Kumpel" zuzuspitzen", erklärt das Gremium in einer Pressemitteilung.
taz-Chefredakteurin ChefInes Pohl zufolge war die Schlagzeile unter dem Eindruck eines Interviews mit einem argentinischen Investigativ-Journalisten entstanden, der Erkenntnisse darüber habe, dass Bergoglio in den 70er Jahren der Militärregierung Argentiens intensiv verbunden war und Jesuiten bei der Junta angeschwärzt  habe. Die taz zeigt sich dennoch einsichtig: "Im Nachhinein ist diese Zuspitzung nicht gelungen, da die Vorwürfe gegen Bergoglio nicht eindeutig belegt sind.", zitiert das Hausblog der taz Chefredakteurin Ines Pohl. "Damit sind wir in diesem Fall übers Ziel hinausgeschossen." Der gleiche Artikel erschien in der Online-Ausgabe unter der Überschrift "Alter Sack der Xte" und wurde ebenso nicht gerügt wie die Bewertungen ("Alter Sack I. folgte Alter Sack II.") im Kommentar selbst. Der Presserat sieht diese Formulierungen vom Recht auf Meinungsfreiheit gedeckt.
Wie so oft, bleibt die Bild-Zeitung nicht ungerügt. In einer Berichterstattung über ein vermutetes Tötungsdilekt habe Bild.de den Hauptverdächtigten als überführten "Killer" bezeichnet und sein angebliches Opfer und ihn selbst auf Fotos klar erkennbar gezeigt. Schließlich erhielt die tz aus München eine Rüge für die Berichterstattung über einen Mann, dem die Entführung und Vergewaltigung Minderjähriger in Thailand vorgeworfen wird. Der Ausschuss bemängelt, dass der Tatverdächtige durch die Angabe zahlreicher persönlicher Details für einen größeren Personenkreis identifizierbar wird. Das verletze die Unschuldsvermutung.

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