Das heimliche Comeback der Xing-Aktie

Gegen den Markttrend an der Börse hat die Xing-Aktie in den vergangenen Wochen massiv zugelegt und gestern erstmals seit mehr als einem Jahr die 50-Euro-Marke zurückerobert. Katalysatoren für den Zuwachs von 30 Prozent in sechs Wochen gibt es kaum. Die jüngste Konzernbilanz fiel wenig begeisternd aus: Xing scheint an die Grenzen seines Wachstums gestoßen zu sein. Doch an der Börse spielt das aktuell offenbar nur eine untergeordnete Rolle ...

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Gegen den Markttrend an der Börse hat die Xing-Aktie in den vergangenen Wochen massiv zugelegt und gestern erstmals seit mehr als einem Jahr die 50-Euro-Marke zurückerobert. Katalysatoren für den Zuwachs von 30 Prozent in sechs Wochen gibt es kaum. Die jüngste Konzernbilanz fiel wenig begeisternd aus: Xing scheint an die Grenzen seines Wachstums gestoßen zu sein. Doch an der Börse spielt das aktuell offenbar nur eine untergeordnete Rolle …

Als der Burda Verlag den Xing-Aktionären von Xing im vergangenen Herbst nach dem Überschreiten der 30-Prozent-Marke ein Pflichtangebot machte, schien der Kurs gesetzt. 44 Euro boten die Münchner Xing-Aktionären – eine Offerte, die das Hamburger Online-Business-Netzwerk nach wochenlangem Überlegen halbherzig als nicht angemessen abtat.

Genügend freie Aktionäre waren trotzdem bereit, das Angebot, das auf den Durchschnittskursen der vorangegangenen 60 Tagen basierte, anzunehmen, so dass sich Burda nach Ablauf der Übernahmefrist mit knapp 60 Prozent der Anteile als Mehrheitsaktionär fühlen durfte.

30 Prozent in sechs Wochen: Xing-Aktie schießt auf Jahreshoch

Stand gestern ist klar: Wer Burda seine Papiere andiente, hat zu früh verkauft.  Nach Monaten, in denen die Aktie in der Nähe des Übernahmeangebots wie eingefroren schien, kam zuletzt wieder neue Bewegung in die Anteilsscheine von Xing – zunächst nach unten, nun sprungartig nach oben.

Bei exakt 50 Euro schloss die Xing-Aktie gestern nicht nur auf dem höchsten Stand des Jahres – und damit schon 20 Prozent fester als noch im Januar –, sondern auch auf einem neuen 52-Wochen-Hoch. Seit dem bisherigen Tief 2013 bei 38 Euro vor nur sechs Wochen konnte Aktionäre damit sogar mehr als 30 Prozent verdienen.

Konzernbilanz beflügelt nicht unbedingt die Kursfantasie

Bleibt allein die Frage nach dem Kurstreiber. Von Analystenseite war nach dem Übernahme der Mehrheit durch Burda kaum noch etwas zu hören. Die kleinere Emissionsbank Close Brothers Seydler etwa stufte Xing nach Bekanntgabe der neuen jüngsten Quartalszahlen von "Kaufen" auf "Halten" zurück.

Tatsächlich bot das Zahlenwerk auch wenig Anlass zur Begeisterung: Der Nettogewinn legte im ersten Quartal gerade mal um ein Prozent auf zwei Millionen zu. Vor allem der wichtigste Unternehmenszweig, das Geschäft mit Premium-Mitgliedschaften, scheint mit Umsatzzuwächsen von nur noch vier Prozent ziemlich ausgereizt.

Woher die üppigen Kursaufschläge an der Börse kommen, die allein gestern fünf Prozent in einem deutlich fallenden Markt ausmachten, bleibt ein Rätsel der Aktienmärkte. Neu ist das Phänomen nicht: Im sogenannten Sommerhandel hat schon manche Aktie bei dünnen Umsätze turbulente Kursbewegungen hingelegt – erst recht bei einem verringerten Freefloat.  

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