Anzeige

Burdas Zukunft durch Wandel mit Handel

“Angenehm” sei die Bilanz für das vergangene Jahr 2012, sagt Burda-Vorstandschef Paul-Bernhard Kallen. Der Umsatz ist um knapp 13 Prozent auf ca. 2,5 Mrd. Euro gestiegen. Der Gewinn liegt wohl im dreistelligen Mio-Bereich - genau wird das vom Familien-Unternehmen nicht mitgeteilt. Künftig wird Burda das Geld wohl noch stärker als Handelsunternehmen verdienen. Schon heute machen Handelsumsätze 35% des Umsatzes aus. Für Kallen sind Handel und Medien zwei Seiten derselben Medaille.

Anzeige
Anzeige

Dafür prägte er bei der Vorstellung der Zahlen den Begriff der “Content- und Handelskonvergenz”. Handelsunternehmen treten immer stärker wie Medienunternehmen auf, also müssen sich Medienhäuser auch zu Handelsunternehmen wandeln. “Amazon ist auf dem Weg, ein Medienunternehmen zu werden”, so Kallen.

Er meint damit wahrscheinlich die Aktivitäten des E-Commerce-Riesen als E-Book-Verlag oder als Produzent von Bewegtbild-Inhalten. Es gibt auch andere Beispiele. Der Schuh- und Klamottenversender Zalando verschickt mit jeder Bestellung eine Zeitschrift, deren Produktseligkeit sich nicht so sehr von einschlägigen Frauenzeitschriften unterscheidet. Der Rewe-Konzern verkauft an den Kassen seiner Märkte ein Magazin namens Laviva. 4 Seasons, das Kundenmagazin der Handelskette Globetrotter ist inhaltlich mindestens gleichwertig mit so mancher Kaufzeitschrift im Outdoor-Segment.

Für Kallen ist das Argument mit der Konvergenz von Medien und Commerce natürlich auch eine angenehme Erwiderung auf den manchmal gehörten Vorwurf, Burda würde das Geld mittlerweile mit Tierfutter statt mit Journalismus verdienen. Hintergrund ist der Online-Händler Zooplus, der  Haustierbedarf verkauft und zu Burda Digital Ventures. Zooplus hat im vergangenen Jahr knapp 340 Mio. Euro umgesetzt. “Haustiere sind ein High-Involvement-Product”, sagt Paul-Bernhard Kallen dazu (darf man vermuten, dass jemand, der so spricht, kein Haustier hat?). Und: “Die Transaktion sind der letzte, der finale Schritt.” Übersetzt heißt das: Auch die bunten Anzeigen in bunten Blättern (vulgo: Printmedien) dienen letztlich dem Zweck, einen Kauf zu stimulieren. Wenn das Medienunternehmen dann nicht nur an der Kauf-Stimulanz Werbung verdient, sondern den Kauf gleich selbst abwickelt, ist das für Kallen nur folgerichtig.

35 % der 2,5 Mrd, die 2012 erlöst wurden, entfallen bei Burda bereits auf das Segment “Handel” – Tendenz steigend. Weitere 25% entfallen auf den Vertrieb von Zeitschriften. Auch eine Art von Handel. Die direkte Konsumentenbeziehung werde für Burda immer wichtiger, sagt Kallen. Er könnte auch sagen: Die Medienmacher werden zu Verkäufern. Dazu zählen im weiteren Sinne auch Digital-Geschäfte wie die beiden Angebote HolidayCheck und ElitePartner. Bei HolidayCheck verdient Burda an Reise-Vermittlungen, bei ElitePartner an Mitglieder-Abos für Partner-Vermittlungen. Diese beiden Angebote machen alleine 70 % des Umsatzes des Burda-Tochterunternehmens Tomorrow Focus aus. Klassischer Journalismus (Hauptsächlich Focus Online) steuert bei Tomorrow Focus noch 10 % des Umsatzes bei.

Anzeige

Wenn man die dahinterstehende Logik konsequent zu Ende denkt, könnte man sagen: Wenn Journalismus also ein Mittel zum Zweck ist, Produkte zu verkaufen, man diesen Zweck digital aber auch viel effizienter und billiger verfolgen kann, warum dann noch in teuren Journalismus investieren? Und was ist mit Jenen, die Journalismus nicht nur als Mittel, sondern als Zweck in sich selbst begreifen? Dazu hat das Haus Burda nicht ganz so viele Gedanken parat.

Immerhin startet unter dem Dach des Hauses im Herbst die deutsche Ausgabe der “Huffington Post”, was von anderen deutschen Verlagen einigermaßen kritisch beäugt wird. Gelten die Amerikaner doch als jene Zeitgenossen, die Content-Piraterie im Sinne des Aggregierens und Ausbeutens perfektioniert haben. Kallen bezeichnet die HuffPo feiner als “partizipativen Journalismus”. Ein CNN der Neuzeit. Man darf gespannt sein, wie sich das entwickelt.

All dies im Hinterkopf ist es kein Wunder, dass Burda im Digitalgeschäft 2012 am stärksten gewachsen ist. Der Umsatz hier stieg um 47 % auf 1,16 Mrd. Euro inkl. Tierfutter, Partnervermittlung und ein bisschen Focus Online. Das internationale Geschäft kletterte von 385 auf 419 Mio. und die Zeitschriften, die fielen von 658 auf 646 Mio. Euro Umsatz. Profitabel sind aber auch sie noch. Für dieses Jahr peilt Kallen wieder 10 bis 15 % Umsatz-Wachstum an. Und wieder dürften die Zeitschriften dabei keine große Rolle spielen. Bei Axel Springer verdienen sie ihr Geld im Digitalen hauptsächlich mit Rubrikenanzeigen und Vermarktung. Bei Burda mit E-Commerce, Provisionen und Partnervermittlung. Man muss flexibel sein, will man heutzutage als Medienhaus eine angenehme Bilanz vorweisen.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*