Kleber vergleicht „Tagesschau“ mit Nordkorea

Fernsehen Nachdem Claus Kleber die "Tagesschau" bereits in der Zeit als "gerade überlebt" kritisiert hatte, legt der "heute-journal"-Anchor jetzt nach: "Aber ich sage auch, das trockene Nachrichtenablesen gibt es heutzutage nur noch um 20 Uhr und im koreanischen Fernsehen", sagte Kleber bei einer Veranstaltung der Kreissparkasse Waiblingen. Auch Sat.1-News-Anchor Marc Bator kritisiert das Konzept seines ehemaligen Arbeitgebers "Tagesschau". Manche Meldungen seien schlicht unverständlich.

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Im Interview mit dem Hamburger Abendblatt erläutert Bator die Gründe seines Wechsels von der ARD zu Sat.1: "Ich möchte, dass jeder Zuschauer die Nachrichten versteht, die ich mache. Da habe ich zwar bei der Tagesschau keinen grundsätzlichen Zweifel, aber es gibt manche Meldung, da wusste ich: Die versteht eben nicht jeder."
Seine Aufgabe bei Sat.1 sei nun wesentlich journalistischer als bei der "Tagesschau", wo er nur als Sprecher tätig war. Trotzdem meint Bator, solle man die Sendung nicht verändern. Der Erfolg gäbe der "Tagesschau" Recht.
Weitaus überspitztere Kritik äußerte ZDF-Moderator Claus Kleber. Er hatte bereits im Zeit-Spezial zum Thema Fernsehen das "Tagesschau"-Konzept als "überlebt" kritisiert. Bei einer Veranstaltung der Waiblinger Kreissparkasse legte Kleber nun ordentlich nach. Zwar sei die "Tagesschau" der "Goldstandard". Und weiter: "Aber ich sage auch, das trockene Nachrichtenablesen gibt es heutzutage nur noch um 20 Uhr und im koreanischen Fernsehen.“ Das hat gesessen. Die Waiblinger Kreiszeitung notiert hier "amüsiertes Raunen im Publikum".
Die Zeitung schreibt weiter, Kleber habe erzählt, er sei von amerikanischen Journalisten auch schon auf die "Tagesschau" angesprochen worden, und zwar mit den Worten "Was ist denn das?" Diese Darstellung wird von Kleber bestritten. Er sagt: "Ich hatte amerikanische Kollegen zitiert, die mit mir zu meinen ARD-Zeiten in Deutschland unterwegs waren und sich sehr über die wichtigste deutsche Nachrichtensendung – meine Sendung damals !! — gewundert haben. Das war als lustige Anekdote gemeint. Im Übrigen habe ich den Abend für eine hemmungslose Liebes-und Respekts-Erklärung an die Tagesschau genutzt."
Der moderierende, erklärende angloamerikanische Nachrichtenstil sei ihm ins Blut übergegangen, so Kleber in Waiblingen. Bei der "Tagesschau" blieben dagegen wenig Spielräume. "Jemand wie die hochgeschätzte Kollegin Judith Rakers könnte natürlich mehr moderieren und einordnen, aber sie soll nicht."
Klebers Vergleich zwischen "Tagesschau" und nordkoreanischem Propaganda-TV mag vielleicht scherzhaft gemeint gewesen sein. Dass er seine Kritik an dem ARD-Nachrichten-Flaggschiff nach dem Rummel um seine erste Äußerung aber in dieser Weise öffentlich nochmals zuspitzt zeigt, dass er es offenbar ernst meint.
Update: In einer früheren Version wurde die Waiblinger Kreiszeitung dahingehend zitiert, dass Claus Kleber von amerikanischen Kollegen auf die "Tagesschau" angesprochen worden sei. Diese Darstellung wird von Claus Kleber bestritten. Der Text wurde entsprechend aktualisiert. 

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