Anzeige

Die SEO-Könige der Online-News-Branche

In der Web-Szene ist es ein offenes Geheimnis: Der eine oder andere Nachrichtenanbieter steckt viel Kraft und Geld in die Suchmaschinenoptimierung, um seinen Traffic zu steigern. Ein paar Axel-Springer-Websites waren unter den Verdächtigen, auch Focus Online, stern.de, RP Online. Mit Hilfe des Dienstes SimilarWeb hat MEEDIA nun erstmals untersucht, wie die Anteile des Suchmaschinen-Traffics bei den Top-Nachrichtenseiten tatsächlich aussehen. Mit spannenden Ergebnissen.

Anzeige
Anzeige

SimilarWeb ist vor einigen Monaten an den Start gegangen und liefert seitdem umfangreiche Traffic-Statistiken zu allen wichtigen Websites der Welt. Zwar hält sich der Anbieter aus Israel bedeckt, was seine Methodik und Quellenlage anbetrifft – man spricht nur von hunderten Quellen und Millionen Nutzern – doch die Qualität der Hochrechnungen scheint überraschend gut zu sein. Deutlich besser zum Beispiel als die von Alexa. Ein von MEEDIA durchgeführter Vergleich bei den Nachrichten-Websites hat auf den ersten 15 Plätzen beispielsweise ein sehr ähnliches Ergebnis ergeben.

So sah laut aktuellster Daten die Reihenfolge unter den deutschen Nachrichtenanbietern – inklusive Aggregatoren – im Mai aus:

Konkrete Zahlen über Visits oder Unique Visitors nennt SimilarWeb derzeit nicht, dafür den Anteil der weltweiten Nutzer, die die jeweilige Website im entsprechenden Zeitraum besucht haben ("Global Reach"). Die einzelne Zahl hat dabei wenig Aussagekraft, im Vergleich zum Konkurrenzumfeld werden aber die Machtverhältnisse deutlich, daher nennen wir die Zahlen. Interessant auf den ersten Plätzen: Das Ranking entspricht in weiten Teilen wiederum denen von IVW und AGOF. Ergänzt ist es um Seiten, die von der IVW und AGOF nicht ausgewiesen werden – z.B. tagesschau.de auf Platz 6 und Google News auf Rang 9 oder das Deutschlandradio und heute.de auf 26 bzw. 29.

Spannend an SimilarWeb ist aber nicht nur, dass der Anbieter in einem Traffic-Ranking die Websites der Welt vergleicht, viel spannender ist die Detailtiefe, mit der das geschieht. So zeigt man beispielsweise auch, wie sich der Traffic einer Website zusammen setzt. Wie viele Leute also direkt auf die Seite gekommen sind, wie viele über soziale Netzwerke, wie viele über Links auf anderen Websites – und wie viele über Suchmaschinen wie Google. Genau diesem letzten Block wollen wir in unserer Analyse widmen.

Ein Vergleich zwischen den Google-Analytics-Daten einiger mittlerer und größerer Websites, die uns vorlagen, mit den Angaben von SimilarWeb, zeigte uns, dass auch diese Detaildaten von SimilarWeb nah an der Realität sind. Daher haben wir für die oben genannten 50 Websites genau diese Traffic-Zusammensetzung recherchiert, um herauszufinden, welcher Anbieter wie viele Leute über Suchmaschinen gewinnt. Selbst wenn die Prozentzahlen leicht von den tatsächlich mit Google Analytics & Co. gemessenen abweichen, so liefert die für alle Wettbewerber identische Methodik trotzdem spannende Vergleiche.

Die eingangs genannten Anbieter, die immer im Verdacht standen, viel Traffic mit SEO-Methoden zu generieren, sind tatsächlich vorn dabei: stern.de auf Platz 9, RP Online auf Rang 7, Focus Online auf 6 und das Springer-Duo Hamburger Abendblatt und Berliner Morgenpost auf 2 und 3. Ganz vorn findet sich – auch das ist keine Überraschung – news.de, das sage und schreibe 63% seiner Besucher über Google & Co. gewinnt. Doch auch die Zahlen der Websites dahinter sind extrem: Abendblatt und Morgenpost kommen auf einen Suchmaschinen-Anteil von 55% bis 58%.

Interessant sind auch die Websites, von denen bisher nicht bekannt war, dass sie besonders stark bei Google sind: Die Augsburger Allgemeine und der Merkur belegen mit mehr als 50% Suchmaschinen-Traffic beispielsweise die Ränge 4 und 5 der Liste, die Frankfurter Rundschau mit 47% Platz 10.

Anzeige

Auf den hinteren Plätzen zeigt sich, wer wenig Kraft in SEO investiert: tagesschau.de und heute.de erreichen nur einen Anteil von 10% bzw. 9%. Etwas schief sind die Zahlen von Google News (1%). Hier kommt die große Mehrheit des Traffics natürlich durchaus durch eine Suchmaschine – die eigene –  zustande, jedoch nur indirekt. Die Anfragen in der normalen Google-Suche, die dann auf Einträge bei Google News führen, werden von SimilarWeb nicht als direkter Suchmaschinen-Traffic gewertet.

Auch die beiden Giganten Bild.de und Spiegel Online finden sich beim Suchmaschinen-Anteil weit hinten. Allerdings bedeutet das im Umkehrschluss nicht, dass die beiden Websites wenig Traffic mit Google machen. Sie sind aber so stark und populär, dass ein überdurchschnittlich großer Anteil der Nutzer von sich aus die Seiten besucht. Der Google-Traffic-Anteil ist da beinahe schon automatisch geringer als bei der Konkurrenz.

Um zu zeigen, wie sich diese Anteile auf den tatsächlichen Traffic niederschlagen, haben wir mit der Pro-Version von SimilarWeb auch das recherchiert. Dort werden die Anteile am Gesamt-Traffic auf die Global-Reach-Zahlen umgerechnet. Sprich: Es lässt sich z.B. vergleichen, wie viele konkrete Nutzer eine Website über Suchmaschinen gewonnen hat.

Interessanterweise führt diese Liste nicht Bild.de an, sondern Spiegel Online. Die Hamburger erreichen also das größte Publikum aller deutschen Nachrichten-Websites über Google. Direkt dahinter – und ebenfalls noch vor Bild.de – findet sich Focus Online, einer der SEO-Könige. Besser platziert als im Gesamt-Ranking sind beim Suchmaschinen-Traffic zudem stern.de (Platz 5 statt 7), RP Online (9 statt 12), das Hamburger Abendblatt (14 statt 19) und vor allem news.de (19 statt 37) und die Berliner Morgenpost (20 statt 31).

Deutlich schlechter platziert sind hingegen tagesschau.de (13 statt 6), N24.de (27 stat 17) und vor allem heute.de (49 statt 29). Der Vergleich der beiden Rankings zeigt, wie sehr sich mit SEO-Maßnahmen der eigene Traffic pushen lässt – zum direkten Nachteil der Konkurrenz. Er zeigt aber auch, dass die Suchmaschinen durch SEO-Maßnahmen so ausgetrickst werden, dass sie nicht die Seiten als Top-Ergebnisse zeigen, die die Leute sonst besuchen.

Die weiterhin extrem großen Anteile von 50% und mehr am Gesamt-Traffic zeigen aber auch, wie wichtig die Suchmaschinen für Nachrichtenwebsites weiterhin sind – allen sozialen Netzwerken und anderen Trafficbringern zum Trotz. SEO wird daher wohl oder übel ein Thema bleiben, in das einige Anbieter viel Energie und Geld investieren.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*