Jérôme Boateng und die verlorene Medaille

Über das Champions League-Finale zwischen Bayern München und Borussia Dortmund wurden gefühlt unendlich viele Geschichten geschrieben. Eine der schönsten kommt jetzt von Sports Illustrated-Reporter Nick Zaccardi. Der US-Amerikaner fand nämlich nach dem Finale die Gold-Medaille von Jerome Boateng. Der Bayern-Profi hatte die Auszeichnung tatsächlich im Stadion verloren. Nach dem Zacccardi erst von den Bayern ignoriert wurde, tauschte er nun schließlich die Medaille gegen ein kurzes Interview.

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Fast zehn Tage lang hatte der New Yorker zuvor das Goldstück in seinen Rucksack durch Europa transportiert. Denn nach dem Champions League-Finale in London reiste er gleich weiter nach Paris zu den French Open.

Doch wie hatte der Sports Illustrated-Reporter die Medaille gefunden? Wie so oft im Leben war reine Langeweile verantwortlich dafür. Zaccardis hatte in der englischen Hauptstadt kein Hotelzimmer gebucht, weil er nach dem Endspiel gleich nach Paris weiterfliegen wollte. Er musste in Wembly also Zeit totschlagen und schlenderte erst durch den Pressebereich und später noch durch das Stadion wo nur noch Wachpersonal und Gebäudereiniger arbeiteten.

Wie Zaccardi nun so durch den VIP-Bereich schlenderte fand er auf einmal fast genau beim Platz des IOC-Präsidenten Jacques Rogge, unter einem Konfetti-Haufen, eine Gold-Mediale, wie sie Spieler des Gewinner-Teams während der Siegerehrung überreicht bzw. umgehängt bekommen.

Der US-Reporter steckte das Souvenir erst einmal ein und nahm es mit nach Roland Garros. Dort suchte er in den Tennispause dann alles Video- und Bild-Material ab, um herauszufinden, welcher Bayern-Spieler seine Medaille verloren haben könnte. Es dauerte eine Weile bis ihm auffiel, dass Boateng irgendwann zwar noch das Band um hatte, aber die Münze fehlte.

Später sollte er erfahren, dass der Bayer-Verteidiger selbst erst in der Kabine festgestellt hatte, dass er – sehr zum Amüsement seiner Mitspieler – die bislang wichtigste Auszeichnung seiner Karriere nach nur kurzer Zeit bereits verloren hatte.

Ähnlich trantütig wie Boateng reagierte auch die Pressestelle des FC Bayern. Auf eine erste Anfrage von Sports Illustrated, ob einer der Gewinner, kurz nach dem Finale seine Champions League-Gold-Medaille verloren hätte, gab es gar keine Antwort. Erst als Zaccardis ganz konkret sagte, dass er die Boateng-Auszeichnung gefunden hätte, nahmen die Öffentlichkeitsarbeiter Kontakt mit ihm auf. Schließlich tauschte der Reporter sein Fundstück gegen ein Interview mit dem Nationalverteidiger.

Immerhin scheint Boateng aus seinem Fauxpas gelernt zu haben. So erzählte der Kicker Zaccardis, dass er nach dem Pokalsieg gegen den VfB Stuttgart besonders genau auf seine nächste Goldmedaille aufgepasst hätte. „Diesmal hielt ich sie immer fest, wenn ich beim Feiern am hochsprang“.

Schon jetzt lässt sich absehen, dass Zaccardis-Gold-Scoop sicherlich zum Standard-Repertoire vieler deutscher Jahresrückblicke auf das Sportjahr 2013 werden wird.

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