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Oralsex-Interview: Guardian vs. Douglas

Aufregung um ein Interview, das der Schauspieler Michael Douglas dem britischen Guardian gegeben hat. Unter anderem ging es um Douglas' Krebserkrankung und deren Ursachen. Nun streiten sich der Schauspieler und die Zeitung über die Frage, ob der Schauspieler wörtlich gesagt habe, sein Krebs sei durch Oralsex ausgelöst worden. So verstanden viele Boulevardmedien die Aussage nämlich. Douglas' Protest stellte der Guardian Transparenz entgegen - und veröffentlichte einfach den Mitschnitt.

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Michael Douglas dürfte am Montag „not amused“ gewesen sein. Aus einem Interview mit dem Guardian fabrizierten Medien ein wahres Schlagzeilen-Gewitter. So titelte die Welt „Krebs durch Oralsex – Klartext von Michael Douglas“. Die Bild schrieb „Mein Krebs kam durch Oralsex“. Zudem schoben die Berliner noch eine Service-Story nach. Thema: „Wie hat Michael Douglas sich angesteckt?

Unzählige andere Medien berichteten ganz ähnlich. Erschreckt musste der US-Schauspieler feststellen: "In den letzten 24 Stunden bin ich zum Poster-Boy für Oralsex aufgestiegen.“ Seiner Meinung nach allerdings zu Unrecht. Deshalb ließ er seinen Pressesprecher klar stellen: „Michael Douglas hat nicht gesagt, dass Cunnilingus der Grund für den Krebs war.“ Tatsächlich soll der Schauspieler über verschiedene Ursachen von Kehlkopfkrebs gesprochen haben. Dabei sei als mögliche Übertragung von Erregern auch Oralsex zur Sprache gekommen.

Das Douglas-Dementi rief nun wiederum den Guardian auf den Plan. „Der Guardian bestreitet den Vorwurf der Täuschung entschieden“, sagte ein Sprecher. Das Blatt veröffentlichte eine Abschrift der fraglichen Stelle und den originalen Ton-Mitschnitt. Auch der Artikel ist weiterhin online.

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Guardian-Reporter Xan Brooks fragte den Schauspieler: „Do you feel, in hindsight, that you overloaded your system? Overloaded your system with drugs, smoking, drink?“. Douglas antwortet wörtlich: „No. No. Ah, without getting too specific, this particular cancer is caused by something called HPV, which actually comes about from cunnilingus“.

Zoff nach einem Interview wegen zugespitzter Interpretationen des Gesagten sind nichts Neues. In Deutschland sorgt die Praxis der Autorisierung dafür, dass viele möglicherweise brisante oder missverständliche Äußerungen erst gar nicht veröffentlicht werden. Die Regel ist in England und den USA zwar nicht unbekannt, auch dort werden Zitate auf Wunsch dem Gesprächspartner vorgelegt. Doch so stringent wie in Deutschland sind die Usancen nicht.

Die Veröffentlichung eines Interviews, auch als Audiofile, ist ein probates Mittel, Transparenz herzustellen. Mit dem Nebeneffekt, dass auch der Interviewer auf dem Prüfstand steht. Denn was in einem Gespräch gesagt, und was dann schließlich veröffentlicht wird, kann himmelweit auseinanderliegen. Was die Douglas-Episode auch zeigt: Zitate werden vor allem für Überschriften gnadenlos zusammengebogen. Eine Zeile wie "Mein Krebs kam durch Oralsex" ist, das zeigt der Mitschnitt, nicht zu rechtfertigen.  

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