Hochwasser: wie RTL die ARD vorführt

Das außergewöhnliche Hochwasser in Deutschland beschäftigt die Menschen. Und die Medien bekommen kollektive Schnappatmung. Mit den Pegeln steigen auch die Weltuntergangs-Fantasien. Zeitungen, Websites und TV-Sondersendungen überbieten sich mit Katastrophen-Rhetorik. An vorderster Front der Katastrophensprecher: der ARD “Brennpunkt” mit Sigmund Gottlieb und die Bild-Zeitung. Eine positive Ausnahme war die Spezial-Ausgabe von “RTL aktuell”.

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Sigmund Gottlieb ist der Chefredakteur des Bayerischen Fernsehens beim BR und wenn eine Jahrhundertflut das Bayernland überschwemmt, dann greift er ganz tief in die Moderations-Mottenkiste mit der signalroten Aufschrift “Weltuntergang”. “Mitten in der westlichen Welt der Hochtechnologie ergießt sich eine Sintflut über unsere Städte, unsere Häuser unsere Gärten unsere Autos”, bebte er am Montagabend nach der “Tagesschau” los. Man muss sich das im Original anschauen. Denn wie seine Stimme so besonders dramatisch zittert, wenn er das Wort “Autos” ausspricht – das hat schon was.

Nichts sei mehr sicher, warnt der finster dreinblickende Bayernmann mit den silbernen Haaren, “nicht einmal deine nackte Existenz.” Das mit den “zerstörten Existenzen” brachte er danach gleich nochmal. Bisher gab es Meldungen über bis zu vier Todesfälle, die in Verbindung mit dem Hochwasser stehen. Im Ausland hatte das Hochwasser teils dramatischere Folgen. Was Gottlieb mit den “zerstörten Existenzen” meint, sind aber wahrscheinlich gar nicht die Todesopfer und eventuell Verletzte, sondern womöglich die zerstörten Gärten und vor allem – Kunstpause – die AUTOS!

Auch die Bild marschiert mit den ARD “Brennpunkten” Seit an Seit, was das Übergeigen der Katastrophen-Rhetorik betrifft. In Passau wurde wegen des Hochwassers am Montag für einige Zeit das Trinkwasser abgestellt – man fürchtete eine Verunreinigung. Die Bild bastelt daraus am Dienstag die bundesweite Schlagzeile “Deutschland Flut – Trinkwasser wird knapp” – gerade so als müsste in Kürze ganz Deutschland nun verdursten.

Auch Frank Plasberg witterte die Chance und änderte wegen der Flut kurzfristig sein Thema bei “Hart aber fair”. Heraus kam ein seichter Flut-Talk u.a. mit “WiWo”-Chefredakteur Roland Tichy und Umweltminister Peter Altmaier. Der Minister war sich tatsächlich nicht zu Schade, Phrasen abzusondern wie "Man kann nicht einfach zur Tagesordnung übergehen." Anschließend ging er wieder zur Tagesordnung über. Das Hochwasser-”Hart aber fair” brachte es aber gerade mal auf 10,1% Marktanteil. Damit lag Plasberg sogar knapp unter dem Mai-Schnitt der ARD (11,7%) – da hatte sich die Redaktion von der Flut sicher mehr Quote versprochen.

Mehr Erfolg hatte in jeder Hinsicht RTL. Der Privatsender nahm ausnahmsweise eine Sondersendung zum Thema Hochwasser ins Programm. Das “RTL aktuell Spezial” holte um kurz nach 19 Uhr immerhin 14,7% Marktanteil (3,29 Mio. Zuschauer). Und inhaltlich war das RTL-Spezial um Klassen besser als das, was der selbst ernannte Info-Marktführer ARD auf die Beine stellte: Informativ, emotional aber angemessen. Peter Kloeppel und die Außenreporter bei RTL berichteten zwar auch dramatisch, das völlig überzogene Weltuntergangs-Geschwafel eines Sigmund Gottlieb fehlte hier aber. Gottlob.

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