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DJV kritisiert neues Golem-Honorarmodell

Golem.de hat angekündigt, Fremdautoren künftig nach Erfolg, u.a. bei der Reichweite bezahlen zu wollen. Es gehe darum zukünftig "höhere Honorare für gute Stücke zu bezahlen" und nicht "möglichst günstig an Inhalte zu gelangen", erklärte Chefredakteur Jens Ihlenfeld. Genau das könnte aber die Folge sein, meint der Deutsche Journalistenverband (DJV). Und mehr Qualität könne das neue Modell auch nicht versprechen, stattdessen werde "Mainstreamjournalismus" gefördert.

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Die Folge des neuen Honorarmodells von Golem.de könnte nämlich sein, "dass ausschließlich nur noch Themen behandelt würden, die ganz besonders populär sind", meint Hendrik Zörner, Sprecher des DJV, gegenüber MEEDIA. "Nischenthemen hätten keinen Platz mehr."
"Es kann nicht sein, dass die Honorierung ausschließlich nach Klickzahlen erfolgt." Die Gewerkschaft fordert ein Grundhonorar für die Autoren und ihre Arbeit. "Das muss so angelegt sein, dass es für den Autor und seine Arbeit angemessen ist", so Zörner. "Es gibt eingeführte Honorarmodelle, an denen man sich durchaus orientieren kann." Das Minimum seien dabei die Sätze der Gemeinsamen Vergütungsregeln von Tageszeitungen. Die Angst, wenig am Artikel zu verdienen, weil er schlecht geklickt wird, könnte so verringert werden.
Wo genau die Reise bei Golem.de hingehen soll, steht aber noch gar nicht fest. Man sei derzeit am Experimentieren. "Es geht darum neue Dinge auszuprobieren, ohne Leute für lau bloggen zu lassen", so Golem-Chefredakteur Ihlenfeld gegenüber MEEDIA. Man wolle den Autoren offen lassen, ob sie sich auf das erfolgsorientierte Modell einlassen oder nicht. Genauso gut könne man sich vorstellen, vorerst auch mit einem Grundhonorar zu arbeiten. "Gute Inhalte kosten Geld. Und gute Inhalte wollen wir auch gut honorieren." Bezahlt werde zwar nach Reichweite – wie hoch das Honorar pro Pageimpression sein wird, würden aber andere Faktoren bestimmen. "Wir wollen auch nicht mehr Artikel, als wir derzeit haben, auf die Seite stellen. Wir wollen die relevanten Themen." Die Golem-Redaktion würde dafür Sorge tragen, dass Golem.de nicht zur "Content-Schleuder" verkomme. "Außerdem wird es weiterhin von uns produzierte Inhalte geben", so Ihlenfeld.
Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sich Autoren bei erfolgsorientierten Modellen nur noch darauf konzentrieren, viele Klicks zu erzeugen. "Mit Blogs allein lässt sich kein Medium mit journalistischem Anspruch machen. Ohne Journalisten wird es nicht gehen", resümiert DJV-Sprecher Zörner. Und "so wie das Modell gestaltet wird, ist es nicht das richtige für Journalisten." Man wird wohl abwarten müssen, welche Folgen das neue Honorarmodell von Golem.de für die Inhalte dort hat. Mit dem immer wieder gerne genannten Beispiel "Huffington Post" ist das Golem.de-Modell jedenfalls nicht wirklich vergleichbar. Bei der "HuffPo", die im Herbst in Kooperation mit der Tomorrow Focus AG auch in Deutschland startet, bekommen Fremd-Blogger gar kein Honorar. Ein Modell, das dem DJV noch weniger schmecken dürfte.

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