USA: Reporter sollen iPhone-Fotos liefern

Der moderne Journalist lernt um: Wer nur noch Texte abliefert, hat es möglicherweise bald schwer in der digitalen Medienwelt. Das zeigt das Beispiel der Chicago Sun-Times. Das US-Renommeeblatt hat jetzt allen 28 fest angestellten Fotografen gekündigt – darunter auch einem Pulitzerpreisträger. Bildmaterial soll künftig von den Redakteuren geliefert werden – und zwar per iPhone. Die einschneidende Maßnahme dokumentiert den rasanten Wandel im Journalismus.

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10 Megapixel sind genug. Dass das iPhone ein mobiler Alleskönner ist, mit dem längst preisgekrönte Fotos geschossen werden können, ist keine Neuigkeit. Zwei Jahre ist es bereits her, dass der New-York-Times-Fotograf Damon Winter für seine Fotoreportage “A Grunt’s Life” über die Arbeit des 2. Bataillons der US-Infanterie die renommierte Auszeichnung "Picture of the Year" der Missouri School of Journalism erhalten hat. Seine Ausrüstung: Ein iPhone 4 und die Retro-App Hipstamatic.

Winters Beispiel macht nun Schule: Alle Redakteure der US-Traditionszeitung Chicago Sun-Times müssen künftig umsatteln und ihr Aufgabenfeld erweitern. Nur noch Artikel abzuliefern, reicht nicht mehr: Der moderne Journalist ist künftig auch für die Bebilderung mittels iPhone verantwortlich.

Opfer des Medienwandels: 28 Fotografen müssen gehen

Leidtragende der Maßnahme sind alle fest angestellten Fotografen des 168 Jahre alten Renommeeblattes. Alle 28 Mitarbeiter verlieren im Zuge der dramatischen Krise auf dem US-Zeitungsmarkt, in der sich die Anzeigenumsätze gedrittelt haben und auf ein 60-Jahrestief gefallen sind, ihren Arbeitsplatz – darunter auch der Pulitzerpreisträger von 1982, John H. White.

Alex Garcia, ein Fotojournalist des Konkurrenzblattes Chicago Tribune, springt den Kollegen in einem leidenschaftlichen Blogbeitrag zur Seite: "Die Idee, dass Reporter und Freiberufler die Fotoredaktion ersetzen können, ist bestenfalls hoffnungslos uninformiert und schlechtestenfalls idiotisch", zieht Gracia vom Leder.

Tatsächlich sieht die Chicago Sun-Times selbst offenbar vor dem Foto-Einsatz der Redakteure auch noch Handlungsbedarf: Um adäquat auf die neue Aufgabe vorbereitet zu werden, bekommen die Journalisten eine Schulung in iPhone-Fotografie.   

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