Fairphone: Nachhaltigkeit zum Kampfpreis

Neue Technik ohne schlechtes Gewissen: 16 Gigabyte Speicher, eine Kamera mit acht Megapixeln und Quad-Core-Prozessor. Das Fairphone ist kein Innovationsbringer in Sachen Technik, könnte die Branche aber dennoch zum Umdenken bewegen. Die Macher sagen Profit auf Kosten der Arbeitsbedingungen den Kampf an und wollen das erste Smartphone aus fairem Handel auf den Markt bringen - ohne Material aus Minen, die Kriege finanzieren und von Zulieferern, die ihre Angestellten schlecht bezahlen. Dafür sucht man noch Käufer.

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Anfangs war es nur eine Idee, aus der ein Konzept geworden ist, das jetzt in die Tat umgesetzt werden soll – wenn sich denn genügend Abnehmer finden lassen. In Zeiten, in denen das Thema Nachhaltigkeit eine immer größere Bedeutung bekommt, sollte das Fairphone eigentlich gut beim Kunden ankommen. Die niederländischen Entwickler werben mit durch und durch fair gehandelter Ware, an der – im übertragenen Sinne – kein Blut von ausgebeuteten Minenarbeitern kleben soll. "Wir wollen ein Smartphone, das nur aus guten Sachen gemacht ist", schreiben die Entwickler auf der Werbepage für das Handy. Die Rohstoffe kommen aus Minen, die nicht von Warlords betrieben und kontrolliert werden, sondern von freien Händlern aus der Demokratischen Republik Kongo und der Provinz Katanga. "Das allererste Fairphone vereint soziale Werte mit einem modischen, radikal offenen Design."
Auch beim Zusammenbau des neuen Handys soll nicht am falschen Ende gespart werden. Eine Fabrik in China legt für ihre Mitarbeiter ein Fonds an, der ihnen faire Konditionen für ihre Arbeit garantieren soll, so Fairphone – Bedingungen, die viel Geld kosten. Deshalb kann das Handy nur in Produktion gehen, wenn sich eine Abnehmerzahl von mindestens 5000 findet. Noch elf Tage lang kann das Fairphone vorbestellt werden – rund 4300 Abnehmer haben sich bereits gefunden. Wenn alles glatt läuft, soll im Herbst geliefert werden, verspricht Fairphone. 
Die Erlöse für das Smartphone sollen ebenfalls in Nachhaltigkeit fließen. Von jedem verkauften Fairphone werden drei Euro dafür aufgewendet, sogenannten e-Waste, also Elektroschrott, aus Ghana zu sammeln und zu recyceln. Schon im September sollen dadurch 100.000 Handys und Akkus in Belgien sicher recycled werden. Sobald die ersten Fairphones außer Dienst fallen, sollen auch sie in den Kreislauf einfließen.
Technisch kann das Fairphone durchaus mit der Konkurrenz mithalten: 16 Gigabyte Speicherplatz entsprechen der kleinsten Version des iPhones, eine Acht-Megapixel-Digitalkamera und eine 1,3-Megapixel-Frontkamera garantieren qualitativ hochwertige Fotos und Videos. Ein Quad-Core-Prozessor betreibt das Smartphone, auf dem Android 4.2 installiert ist. Mit 123×64,5×9,8 Millimetern ist das Fairphone genauso lang, aber breiter und etwas dicker als das iPhone 5.
Mit dem Fairphone könnten die Entwickler einen neuen Trend begründen: Vor allem in der Technikbranche würde ein fair gehandeltes Produkt ein wichtiges Zeichen setzen. Immer wieder stehen Hersteller wie Apple oder Samsung in der Kritik, weil sie für mehr Profit auf Produzenten mit schlechten Arbeitsbedingungen zurückgreifen – die Rohstoff-Kriege in afrikanischen Staaten sind schon seit Jahrzehnten ein Thema. Mit 325 Euro liegt das Fairphone weit unter dem Preis der Apple-Konkurrenz.

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