Cem Özdemir: Der Grüne als Oberspießer

Das ging nach hinten los: Grünen-Bundesvorstand Cem Özdemir wollte auf Facebook mal richtig für klare Verhältnisse sorgen und watschte Ex-Bundespräsident Wulff für dessen medial inszenierten Besuch des Bruce Springsteen-Konzerts in Hannover ab. Özdemirs Logik: "Konservative Politiker sollten den Rock'n'Roll in Ruhe in lassen." Die Reaktion im weltgrößten Social Network ließ nicht lange auf sich warten: Özdemirs Fanpage versank mit mehr als 1300 Kommentaren im veritablen Shitstorm.

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Die Vorlage war wohl einfach zu gut: Der erste gemeinsame öffentliche Auftritt der Wulffs nach der Trennung – und das beim Gastspiel der Rockikone Bruce Springsteen in Hannover. Cem Özdemir, Bundesvorstand der Grünen, wollte diesen Auftritt, den ausgerechnet die Bild-Zeitung maximal medial in Szene gesetzt hatte, seinen 23.000 Fans bei Facebook nicht vorenthalten.

Vor allem nicht, was er davon hielt: "Ein persönliche Bitte: Liebe konservative Politiker, tut was ihr wollt und tut es wo ihr wollt, aber bitte lasst den Rock’n’Roll in Ruhe", stellte der Spitzenkandidat der Grünen Baden-Württemberg einen musikalischen Alleinvertretungsanspruch.

"Erst von und zu Guttenberg bei AC/DC, jetzt Wulff bei Springsteen. Was kommt noch? Kauder bei Manu Chao? Diese Musik steht so ziemlich für das exakte Gegenteil Eurer Politik. Wann stellt Seehofer, natürlich in der BILD, seine Sex Pistols Plattensammlung vor? Gnade BILD & Co. Habt Erbarmen", wetterte Özdemir auf seiner Facebook-Seite.

"Lieber Cem. Selten so ein schönes Eigentor gesehen"

So sehr sich Özdemir im Recht fühlen mag – tatsächlich steht der bekennende Demokrat Springsteen der linken Politik näher als der konservativen – so bemerkenswert erschien doch vielen Facebook-Fans seine öffentliche Ausgrenzung des rivalisierenden politischen Lagers.

Mit enormen 1300 Kommentaren entlud sich seit Donnerstag vergangenener Woche ein wahrer Shitstorm auf der Pinnwand des Grünenpolitikers. Die Meinung war einhellig: "Lieber Cem. Selten so ein schönes Eigentor gesehen. Könnte fast ein Fallrückzieher Deiner Partei gewesen sein. Es lebe die Privatsphäre", war noch einer der freundlicheren Kommentare.

"Eine persönliche Bitte: Lieber Cem, lass uns alle in Ruhe"

"Die Grünen sind die größten Spiesser überhaupt und merken es nicht mal", wurde ein anderer Nutzer deutlicher. "Herr Özdemir, das ist eine Unverschämtheit", empörte sich ein anderes Facebook-Mitglied, während der Kommentar mit den Likes festellte: "Rock’n Roll steht für viel, aber ganz bestimmt nicht für grüne Politik!". "Eine persönliche Bitte: Lieber Cem, lass uns alle in Ruhe", lautete ein anderer Aufruf, der Zuspruch von mehr als 800 Fans erntete.

Özdemir zeigte zumindest gelassenen Umgang mit der heftigen Kritik – das Posting blieb stehen. "Das war ja eine muntere Debatte gestern", versuchte sich der Grünenpolitiker in Deeskalation im Social Web und bemühte dafür ein überraschendes Zitat: "Wie bereits Friedrich II gesagt hat: jeder soll nach seiner Façon selig werden und hören was er oder sie will". Was für einen Unterschied 1300 Nutzer-Kommentare machen können…

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