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Yogeshwar verteidigt ProQuote im Spiegel

Die öffentliche Abrechnung von Wirtschafts-Ressortleiter Thomas Tuma im vergangenen Spiegel mit dem Verein ProQuote, der sich für eine Frauenquote im Journalismus einsetzt, schrie förmlich nach einer Erwiderung. Tuma schrieb u.a. den ProQuote-Frauen gehe es um "Deutungshoheit, um Egos, um Macht". Die fällige Replik auf diesen Unfug ist nun im aktuellen Spiegel zu finden - allerdings wieder geschrieben von einem Mann, vom WDR-Wissenschaftsjournalisten Ranga Yogeshwar.

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Man kann sich ungefähr denken, warum ProQuote einen wie Ranga Yogeshwar gebeten hat, auf Thomas Tumas unsägliches Auskeilen gegen eine Frauenquote im Journalismus zu antworten. Hätte sich hier eine ProQuote-Frau zu Wort gemeldet, vielleicht sogar Spiegel-Redakteurin Annette Bruhns, die Tuma in seinem Text namentlich erwähnte, hätten sich die Damen womöglich dem Vorwurf der Zickigkeit ausgesetzt gesehen, bzw. der Spiegel hätte einmal mehr eine öffentliche Selbst-Zerfleischung zelebriert – diesmal sogar im eigenen Blatt.

Also Ranga Yogeshwar. Der Allzweck-Erklärer vom WDR erklärt Thomas Tuma und einigen anderen Spiegel-Herren nun also noch einmal geduldig, dass es in Deutschland 360 Tages- und Wochenzeitungen gibt, aber nur acht davon von Frauen geleitet werden. Diese Fakten nämlich hatte Herr Tuma in seinem Essay leider “vergessen”.

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Was Ranga Yogeshwar Thomas Tuma um die Ohren schreibt ist alles richtig und korrekt. Allerdings fragt man sich schon: Warum ergreift keine Frau das Wort für die Frauen? Yogeshwar räsoniert auf der Frage selbst ein bisschen herum: “Vielleicht besitze ich ja aufgrund meiner Biografie eine besondere Sensibilität, wenn es um die Rechte ‘der anderen’ geht.” Er bindet eine Anekdote aus seinem eigenen Berufsleben ein, die rassistische Vorurteile gegenüber einem dunkelhäutigen Journalisten dokumentiert und (über)spannt den Bogen von den Medien-Quotenfrauen hin zu den ausgebeuteten Näherinnen in Bangladesh.

Es war unklug und beschämend für den Spiegel, dass Tumas Essay überhaupt erscheinen konnte. Dass ProQuote nun Ranga Yogeshwar vorschickt, um Tumas schiefes Rhetorik-Gebäude gerade zu rücken, ist vielleicht nicht die ideale, aber wahrscheinlich immer noch die beste Lösung.

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