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Titanic macht Büchner zum Spiegel-Retter

Eine der größten Ehrungen im deutschen Medien-Business ist es, wenn sich die Titanic mit einem Chefredakteur oder Verlagsmanager beschäftigt. So gesehen, kann der neue Spiegel-Chef, Wolfgang Büchner, bereits vor seinem Amtsantritt sagen, es geschafft zu haben. Das Satiremagazin widmet ihm eine Doppelseite. Unter der Zeile "Der Retter" heißt es, dass er das "Gewinnerlächeln eines Kreuzfahrt-Stewards und ganz schön was auf dem Kasten" habe. In erster Linie sorgt sich die Titanic, ob Büchner dem Job auch gewachsen ist?

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Die Antwort auf die Frage lautet wohl: ja. Auch wenn der Neue in große Fußstapfen treten müsse: "Er muss illustren Vorgängern, wie Rudolf Augstein, Stefan Aust, Joseph Goebbels und diesem Georg Müllmann von Mariacron gerecht werden, sie aber auch vergessen machen", witzelt Tim Wolff.

Das Layout der Titanic-Story ist stark an den Kress-Report angelehnt
Tatsächlich scheinen die Frankfurter Spaßvögel Büchner zuzutrauen, den Spiegel zu retten. So lässt Wolff einen Redakteur sagen: "Nach dem Mist, den der Mastodon und der Knüller von Hurensohn abgeliefert haben, kann es doch nur bergauf gehen!" Wortspiele mit den Namen der Ex-Chefredakteure Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron sind so etwas wie der Running Gag der Doppelseite.
Grundsätzlich liest sich die neue Titantic fast wie ein Medienmagazin. Die erste große Story im Heft ist ein langes vermeintliches Zeit-Sommerinterview von Giovanni di Lorenzo mit Beate Zschäpe. Selbst das Editorial von Chefredakteur Leo Fischer nimmt diesmal die bei einigen Titeln viel zu enge Zusammenarbeit zwischen Redaktion und Anzeigenkunden aufs Korn.
Der Büchner-Text von Wolff beschreibt vor allem den Antrittsbesuch, den der ehemalige SpOn-Chef im neuen Spiegel-Haus abliefert und skizziert den Rettungsplan, den er – angeblich – verfolgen würde, um das Nachrichtenmagazin wieder zum alten Glanz zu verhelfen. Wichtigster Baustein dabei: Die gedruckte Ausgabe muss wieder mehr wie Spiegel Online werden. Immerhin baute der neue Boss das erfolgreiche Nachrichten-Portal mit auf. Mit seiner Machtübernahme sollen deshalb die Print-Storys kürzer werden und knackigere Teaser mit netz-erprobten Cliffhangern bekommen. Zudem soll jedes Ressort künftig einen Artikel als Eilmeldung kennzeichnen und aus der Rubrik "Eine Meldung und ihre Geschichte" wird "Eine Eilmeldung und ihre Kurzgeschichte".
Auch nett: Um den Spiegel wieder für mehr weibliche Leser zu öffnen, soll der neue Blattmacher das neue Ressort "Schminkspiegel" planen. 

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Das Cover der neuen Titanic
Besonders schön wird die vermeintliche Angst älterer Redakteure vor den neuen Medien karikiert. Immerhin sei Büchner ein New-Media-Junkie, der ein Handy besitzt und mehrere SMS-Nachrichtendienste abonniert hätte. "’Müssen wir so etwas dann auch machen?‘ fragt ihn ein beeindruckter Altredakteur", im Titanic-Text. "Büchner setzt sein jovialstes Gesicht auf und beruhigt den Mann. Eine Minute später kann man unter @wbuechner lesen: ‚Spiegel-Red, WTF!? Gerade alten Sack auf Abschußliste gesetzt #newboss #newrules #nomercy‘."
Für die Leser könnte der Spiegel schon bald kein günstiges Vergnügen mehr sein. Laut Titanic plant der neue Chef diverse Preiserhöhungen. Denn: "4 Euro 20 – das ist kein Büchner-Preis".

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