Börsenblues: Facebooks Horror-Mai

Rund ein Jahr nach dem völlig misslungenem IPO hat Facebook immer noch wenig Freunde an der Börse. Vorgestern stürzte das Social Network auf den tiefsten Stand des Jahres, ehe eine Kaufempfehlung dem einst hochgewetteten Internet-Überflieger zumindest kurzfristig Luft verschaffte. Facebooks Dilemma bleibt die Bewertung: Für das ausgewiesene Wachstum wird das Social Network immer noch zu satten Premiumaufschlägen am Markt gehandelt. Es drohen neue Tiefs.

Anzeige

Rund ein Jahr nach dem völlig misslungenen IPO hat Facebook immer noch wenig Freunde an der Börse. Vorgestern stürzte das Social Network auf den tiefsten Stand des Jahres, ehe eine Kaufempfehlung dem einst hoch gewetteten Internet-Überflieger zumindest kurzfristig Luft verschaffte. Facebooks Dilemma bleibt die Bewertung: Für das ausgewiesene Wachstum wird das Social Network immer noch zu satten Premiumaufschlägen am Markt gehandelt. Es drohen neue Tiefs.

Wenigstens für einen Tag war die Börsenwelt in Manlo Park wieder in Ordnung. Um 5 Prozent legte die Facebook-Aktie gestern nach einer zuletzt raren Kaufempfehlung der Investmentbank Jefferies zu. Grund für den Optimismus: Facebook könnte sich für den boomenden Markt der Video-Werbung öffnen und seine mehr als eine Milliarde Mitglieder in der zweiten Jahreshälfte mit Bewegtbild-Anzeigen versorgen.

Doch wirklich Grund zur Freude kann die gestrige Erleichterungsrallye für Facebook-Aktionäre kaum sein. Bei rund 24 Dollar liegt die Aktie weiter 37 Prozent unter dem Ausgabeniveau von vor einem Jahr. Aber auch seit Jahresbeginn haben Aktionäre schon wieder draufgezahlt: Das Papier liegt seit Januar um 8 Prozent hinten, während die Technologiebörse Nasdaq um satte 16 Prozent zugelegt hat.  

"Facebook ist immer noch überbewertet"

Tatsächlich ist das bisherige Allzeittief auch nicht mehr wirklich weit entfernt: Bis auf 17,55 Dollar sackten die Anteilsscheine des Social Networks im vergangenen September durch – gerade mal 7 Dollar trennen Facebook also von neuen Tiefs. Warum kommt der zum IPO noch so hochgejazzte Internet-Überflieger einfach nicht an der Börse an?

Am Ende ist es eine Frage der Arithmetik. "Facebook ist immer noch überbewertet", rechnete Barron’s, das Anlegermagazin des Wall Street Journals, vor wenigen Wochen vor. Selbst auf dem aktuellen Kursniveau kommt Facebook in diesem Jahr auf ein erwartetes Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 50 etwa – Konkurrent Google wird mit etwa 20 gehandelt, während der Marktdurchschnitt des S&P 500 aktuell bei 16 liegt.  

"Mark Zuckerberg klingt nicht genug wie Jeff Bezos"

Es bleibt also dabei: Auch zu Jahrestiefs Facebook ist weiter zum Wachstum verdammt. Doch es gibt noch das Anlegermisstrauen: "Mark Zuckerberg klingt nicht genug wie Jeff Bezos", legt etwa das Wirtschaftsportal Quartz den Finger in die Wunde. Für Amazon bewilligen Anleger bekanntermaßen nicht zuletzt wegen der Vision seines Gründers ein aberwitziges KGV.

"Seit dem IPO redet Facebook zu viel übers Geldverdienen und zu wenig über seine langfristige Vision", beklagt Quartz. Es scheint fast, als müsse CEO Mark Zuckerberg noch mehr an der Außendarstellung feilen. Die AllThingD-Konferenz, auf der Zuckerberg vor drei Jahren so sehr ins Schwitzen kam, wäre dafür eine gute Gelegenheit gewesen.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige