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Beckmanns Talkshow-Seppuku

Es war eine Festwoche für die ARD. Zuerst wurde Dank der heroischen Selbst-Aufopferung von Reinhold Beckmann das leidige Problem mit den zu vielen Talkshows quasi von selbst, bzw. von Beckmann gelöst. Und dann wurde Tom Buhrow - aka "der Liftboy" - zum neuen WDR-Intendanten gekürt. Alle waren ziemlich zufrieden. Darüber konnte man fast vergessen, dass die Bild Anfang der Woche ihr digitales Bezahlmodell vorstellte - aber nur fast. Und dann waren da noch die verschwundenen Beine der Grazia-Chefin ...

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BildPlus heißt die Paid-Content-Strategie bei diesen Springers. Die Preise reichen von 4,99 bis 14,99 Euro inkl. Gutscheine für die Print-Bild. Wer die Bundesliga-Ausschnitte bei Bild.de sehen will, muss nochmal 2,99 Euro pro Monat drauflegen. Einerseits ist es schlau von Springer, den Spitzen-Content Fußball an den Abschluss eines weiteren Premium-Pakets zu koppeln. Andererseits wird damit der Journalismus wieder so ein bisschen quersubventioniert – wer weiß schon, wie viele Fußball-Fans BildPlus nur wegen der Bundesliga abonnieren und die ganzen Premium-Artikel nur notgedrungen mitbestellen. Mal sehen, wie weit sie mit diesem Konzept kommen …

Einer hat jedenfalls gefehlt bei der großen Präsentation von BildPlus: Bild-Chefredakteur Kai Diekmann. Der packt derzeit im Silicon Valley seine Siebensachen für die Rückkehr ins verregnete Deutschland. Via Twitter unterhielt er sich trotzdem schon mal mit Web-Heini Jeff Jarvis über Paid Content im Allgemeinen, BildPlus im Besonderen und "Umarmungen" im Speziellen:

(gefunden bei Dirk von Gehlens “Digitale Notizen”)

Standard-Umarmungen sind also gratis, schreibt Diekmann in Anspielung auf das peinliche Umarmungsfoto mit ihm und Vizekanzler Philipp Rösler. Küssen kostet aber extra. Dass Küssen extra kostet, kennt man sonst ja eher aus anderen Branchen …

Heureka! Die ARD-Bosse haben den gordischen Talk-Knoten zerschlagen. Künftig wird es also statt bisher fünf, nur noch vier Talkshows pro Woche geben. Reinhold Beckmann hat entnervt und ermüdet aufgegeben und seinen Sendeplatz mehr oder weniger freiwillig geräumt. Dafür bekam er ganz viel Lob und warme Worte von NDR-Intendant Lutz Marmor, dem eine ganze Steinplatte vom Herzen gerutscht sein dürfte. Dank Beckmanns Verzicht, können die ARD-Oberen sich selbst auf die Schulter klopfen, wie fein sie dieses Problem, das sie sich zuvor selbst eingebrockt hatten, beseitigt haben. Nun sollen für den Donnerstagabend Satire- und Comedyformate entwickelt werden. Noch mehr Comedy in der ARD? Äh, vielleicht war das doch nicht ganz so schlimm mit den fünf Talkshows, liebe Intendanten … kann nicht einer den Beckmann nochmal anrufen, ob der sich seinen Rückzug nochmal überlegen will?

Und dann wurde da noch der nette Mann von den “Tagesthemen” zum WDR-Intendanten gewählt. Viel wurde im Zusammenhang mit Tom Buhrows Wahl von dessen “Liftboy-Lächeln” geschrieben. Das mag stimmen. Seit ich diese Formulierung zum ersten mal hörte, geht mir das Bild von Tom Buhrow in Liftboy-Uniform einfach nicht mehr aus dem Kopf. Ist das nun gut oder schlecht für den neuen WDR-Intendanten? Wahrscheinlich weder noch. Und dann gibt es ja auch noch diese Fotos. Könnte eine lustige Ära werden beim WDR.

Einen hamma noch: In Berlin wurden die Duftstars 2013 verliehen, die so genannten “Parfum Oscars”. Natürlich auch so ein Tiptop-Medien-Event. Die Frauen-Zeitschrift Grazia lud zum Warm-up ins Soho-House (wohin auch sonst?) und berichtete – wie man das so macht – in eigener Sache. Aber, huch, was ist denn das: Auf dem Foto der Grazia-Grazien schwebt Chefredakteurin Claudia ten Hoevel beinlos inmitten ihrer Kolleginnen. Da muss wohl beim Bearbeiten des Fotos der Photoshop-Radiergummi ausgerutscht sein. Na ja. Die Chefin nimmt es sicher mit Humor!

Schönes Wochenende!

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