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Eric Schmidt erklärt das Internet

Neue Mission für den langjährigen Google-Chef: Eric Schmidt ist in diesen Tagen als Vortragsreisender durch Europa unterwegs. Vor wenigen Wochen hat Googles Aufsichtsratschef sein Buch "Die Vernetzung der Welt: Ein Blick in unsere Zukunft" veröffentlicht. Das stellte er am Mittwochabend auf einer Veranstaltung der Zeit in Hamburg vor, las aber nicht einen einzigen Satz daraus vor. Um die Suchmaschine geht es in dem Werk nur am Rande. Im Mittelpunkt steht der große, politische Prozess unserer Zeit – die Demokratisierung des Internets.

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Neue Mission für den langjährigen Google-Chef: Eric Schmidt ist in diesen Tagen als Vortragsreisender durch Europa unterwegs. Vor wenigen Wochen hat Googles Aufsichtsratschef sein Buch "Die Vernetzung der Welt: Ein Blick in unsere Zukunft" veröffentlicht. Das stellte er am Mittwochabend auf einer Veranstaltung der Zeit in Hamburg vor, las aber nicht einen einzigen Satz daraus vor. Um die Suchmaschine geht es in dem Werk nur am Rande. Im Mittelpunkt steht der große, politische Prozess unserer Zeit – die Demokratisierung des Internets. 

Man neigt dazu, Eric Schmidt zu unterschätzen. Er hat Google nicht gegründet, auch wenn er als Vorstandsvorsitzender lange das Gesicht der Internet-Suchmaschine war. Er war nie ein Visionär wie sein großer CEO-Rivale von Apple. In Erinnerung ist etwa dieses Bild vor einem Café mit dem schwerkranken Steve Jobs, der im Gespräch mit Schmidt sichtlich die Oberhand hat – der damalige Google-CEO sieht aus wie ein Schuljunge vor seinem Rektor.

Zwei Jahre ist es nun her, dass Schmidt den CEO-Posten an Gründer Larry Page abtrat oder abtreten musste: "Die Erwachsenenaufsicht wird nicht mehr benötigt", twitterte der damals 56-Jährige den Generationswechsel selbst. Es klang so unfreiwillig wie jüngst das Ende von Jupp Heynckes bei den Bayern.

"Nimm das, Apple": Schmidts wohlplatzierte Breitseiten

Wie wichtig Schmidt indes für Google war und ist, zeigt sich ausgerechnet in seiner neuen Rolle als Aufsichtsratsvorsitzender. Schmidt hat mehr Zeit für das, was er am Besten kann: Den Kampf um die Deutungshoheit zu führen. Der frühere CEO der Softwareschmiede Novell beherrscht den schnellen Punch mit bleibendem Eindruck wie wenige andere Top-Manager.    

"Wir glauben, es wäre besser gewesen, wenn Apple unser Angebot behalten hätte, aber was weiß ich schon?" erklärte der Google-Chairman etwa gegenüber Journalisten im vergangenen Herbst wenige Tage nach dem Launch des iPhone 5, der wegen Apple Maps zum Fiasko geriet.  "Nimm das, Apple", befeuerte Schmidt seinerzeit grinsend die Debatte. Es sollte ein Witz sein, doch nicht jeder verstand ihn.

Schmidts Großthema: Die Demokratisierung des Internets

Dass es Schmidt öfter so mit seinem trockenen Humor geht ("Ich sage das als Witz, andernfalls wird eine andere Bedeutung in 140 Zeichen verbreitet"), erklärte der Aufsichtsratschef des zweitwertvollsten Technologiekonzerns der Welt am gestrigen Abend auch den 450 Zuhörern im ausverkauften Audimax der Bucerius Law School auf einer Veranstaltung der ZEIT zu seinem soeben erschienenen Buch "Die Vernetzung der Welt: Ein Blick in unsere Zukunft".

Doch um das Buch ging es nur am Rande: Schmidt las keinen einzigen Satz daraus vor, sondern sprach mit seinem Co-Autoren Jared Cohen über das große Thema, das ihn seit Jahren umtreibt: Die Demokratisierung des Internets. Cohen war Berater von Hillary Clinton und Condoleeza Rice und ist heute Chef der Denkfabrik Google Ideas. 

China-Konflikt: "Seltsam, wenn man merkt, dass man gerade zensiert wird"

Der Kampf gegen die Kontrollversuche totalitärer Regierungen ist spätestens seit Anfang 2010, als sich Google aus Protest gegen Zensur aus Festlandchina zurückzog, einer der großen Konfliktherde des Internet-Giganten.

Auch in seiner neuen Rolle als Aufsichtsratsvorsitzender wurde er auf einer erneuten Reise nach China in einem TV-Interview mit der Zensur-Problematik konfrontiert: "Es ist seltsam, wenn man merkt, dass man gerade zensiert wird", erklärte Schmidt gestern.

"Google Glass ist eine phänomenale Innovation"

Ähnlich hatte sich Schmidt nach seinem Nordkorea-Trip Anfang des Jahres geäußert. "Es ist unglaublich, woran sich Menschen gewöhnen können", erklärte Schmidt in Hinblick auf die eingeschränkte Internet-Nutzung in der kommunistisch regierten Volksrepublik. Es sind diese großen Fragen zum Status quo des Internet im Jahr 2013, die Schmidt in seinem Buch und an diesem Abend beschäftigen.

Doch am Ende ist Schmidt noch einmal in seiner alten Rolle – in der des Verkäufers. Der neue Hoffnungsträger Google Glass sei "eine phänomenale Innovation", wirbt Schmidt für die Datenbrille. Privatsphäre-Bedenken? Dafür gibt es schließlich die Suchmaschine! "Wenn man nicht weiß, ob die Nutzung der Brille erlaubt ist oder nicht, kann man das ja vorher googeln", hat Schmidt dann auch noch einen Witz gelandet. Den hat dann jeder der Zuhörer auch gleich verstanden.

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