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Buhrow: „Ich bring‘ die Liebe mit“

Rund zwei Stunden nach seiner Wahl zum neuen WDR-Intendanten stellte sich Tom Buhrow am Abend in Köln der Presse. Sichtlich gelöst, selbstbewusst und voller Tatendrang sprach er über erste Ideen für seine neue Aufgabe, kündigte an, die Marktplätze Nordrhein-Westfalens zu bereisen und freute sich sichtlich, wieder nach Hause zu kommen. Den Kollegen im WDR wolle er auf Augenhöhe begegnen: "Ich bring' die Liebe mit", sagte er in Anlehnung an den 80er-Hit "Codo" von DÖF.

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Es war durchaus ein historischer Moment, der sich im Kleinen Sendesaal des WDR-Funkhauses am Kölner Wallrafplatz abspielte: 1985 begann Tom Buhrow an gleicher Stelle sein Volontariat – und nun, 28 Jahre später, stellte er sich als neuer Intendant des größten ARD-Senders vor. Für mehr als 4.000 feste Mitarbeiter ist er nun der Chef. Eine Größe, die Buhrow aber offenbar keine Angst macht. Natürlich habe er noch kein so großes Unternehmen oder Abteilung geführt, aber das hätten die anderen Mitbewerber ja auch nicht.

Dem WDR-Rundfunkrat, der ihn mit eindrucksvollen 41 der 47 Stimmen gewählt hatte, wäre es offenbar nicht darauf angekommen, einen Verwalter an der Spitze des WDR zu haben, sondern jemanden der "die Marke verkörpert" und ein Talent für Kommunikation nach innen und außen" hat, so Buhrow. Selbstbewusst berichtete er der Presse, das er schon vor dem heutigen Tage wusste, dass er wohl nicht die schlechtesten Chancen hätte.

Wann er seinen neuen Job antritt, stehe noch nicht fest. Das Team der "Tagesthemen" könne zwar schnell auf solche Situationen reagieren, eine Woche müsse er aber wohl noch moderieren. Und eine Abschiedssendung stehe ihm ja wohl noch zu, forderte er mit einem Grinsen. Zumindest könne er "seine Sommerpläne nun wohl über den Haufen werfen". Ohnehin: Buhrows gute Laune war ansteckend. Die vielen Gremiensitzungen, langweilige Pflichtaufgaben, die ein Intendant nunmal auch hinter sich bringen muss – all das scheint noch in weiter Ferne. So Voller Tatendrang wirkte er, als würde er am liebsten gleich heute noch anfangen und sich von seinen neuen Mitarbeitern durch den Sender führen lassen.

Diesen neuen Mitarbeitern wolle er "auf Augenhöhe" begegnen, "zum Anfassen", nicht als diktatorischer Boss. Als eine der großen Herausforderungen des WDR stellte er die Veränderungen heraus, die das Internet mit sich bringe. Die WDR-Journalisten sollen künftig nicht in Sparten denken, sondern medienübergreifend. Es müsse egal sein, ob jemand für das Radio oder das Fernsehen arbeite, alle sollen Plattform-übergreifend denken, egal ob am Ende eine Radiosendung, ein TV-Programm oder eine App dabei heraus komme. Dass er mit dieser Ankündigung einigen Traditionalisten die ersten schlaflosen Nächte unter ihrem neuen Chef bereiten dürfte, wird Buhrow wissen.

Auch den ersten Seitenhieb auf einen Journalistenkollegen konnte sich Buhrow nicht verkneifen. Als erstes begrüßte er Hans Hoff, der Buhrow kürzlich wieder einmal sein Liftboy-Lächeln vorhielt: "Der Lift ist in der Intendanz angekommen und mein Lächeln werde ich nicht ablegen." Hoffentlich. Denn dann werden wir von diesem neuen, frischen WDR-Intendanten noch viel Positives hören.

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